Der Feuerlöscher-Wurf in der Diakonie hat Konsequenzen. Werden Obdachlose künftig nicht mehr an der Lutherstraße betreut?

wza_1500x1000_724060.jpeg
In der Diakonie-Unterkunft an der Lutherstraße betreut die Arge seit drei Jahren ihre Kunden.

In der Diakonie-Unterkunft an der Lutherstraße betreut die Arge seit drei Jahren ihre Kunden.

Dirk Jochmann

In der Diakonie-Unterkunft an der Lutherstraße betreut die Arge seit drei Jahren ihre Kunden.

Krefeld. Drei Jahre hat die Arge das Klientel der Obdachlosen in der Unterkunft der Diakonie an der Lutherstraße 18 betreut: 80 bis 90 Männer und Frauen erhielten dort ihre Leistungen zum Leben.

Nicht in bar, sondern durch Aufladungen der sogenannten Kassenkarte, mit der an den beiden Automaten in der Arbeitsagentur an der Philadelphiastraße und im Arge-Haus am Fütingsweg Bargeld abgehoben werden kann.

Nach dem Angriff auf die Arge-Mitarbeiterin (52) im kleinen Büro der Diakonie in der vergangenen Woche ist der Service nun in Frage gestellt.

"Wir werden in zwei, drei Wochen entscheiden, ob wir an der Lutherstraße wieder auszahlen", sagen Arge-Geschäftsführer Michael Kneißl und sein Stellvertreter Holger Schroers. Vorläufig müssen die Obdachlosen direkt zur Arge kommen, was eigentlich nicht beabsichtigt war.

Vorsorglich erhielt die Mitarbeiterin, die am vergangenen Donnerstag nur knapp einem Feuerlöscher-Wurf entging, am Wochenanfang eine Sicherheitskraft neben die Tür gestellt. Kneißl: "Der Mann, der die Frau angegriffen hat, ist nämlich aus der Psychiatrie wieder entlassen worden."

Die Arge hat 328 Mitarbeiter am Fütingsweg und in der Arbeitsagentur an der Philadelphiastraße.

Zwölf Sachbearbeiter-Teams (sieben davon im reinen Leistungsbereich) betreuen 15000 Bedarfsgemeinschaften, darunter 21000 Personen von 15 bis 64 Jahren, die Arbeitslosengeld II beziehen.

Der 36-Jährige, der am selben Tag vor dem Alexianer-Krankenhaus vor ein Auto sprang, gehörte nicht zum Klientel der Diakonie, sondern zum Kreis der Drogenabhängigen, die von der Caritas betreut werden.

Gewalt in den Beratungsstellen war bislang noch kein Thema

Gewalt sei weder in der Diakonie noch am Fütingsweg ein Thema, sagt Michael Kneißl. In fünf Jahren sei einmal die Polizei zum Fütingsweg gerufen worden, weil ein Kunde nicht das Büro verlassen wollte. Pro Jahr würden "zehn bis 15 Hausverbote" erteilt - bei 21000 Kunden im arbeitsfähigen Alter nicht viel. Die, die rote Karte gesehen haben, dürfen das Gebäude zwar immer noch betreten, erhalten dann aber eine "Einladung" und werden von ihrem Sachbearbeiter beim Pförtner abgeholt.

Auch in der städtischen Immobilie an der Lutherstraße - der Obdachlosenunterkunft der Diakonie - ist es laut Arge-Geschäftsführung zuvor noch nicht zu Gewalttätigkeiten gekommen. Die waren offenbar aber nie ganz ausgeschlossen worden: Es gab einen Alarmknopf und später auch noch ein Schloss vor dem Sicherungskasten, damit die Alarmanlage nicht durch Herausdrehen der Sicherung außer Gefecht gesetzt werden kann.

Diakonie-Geschäftsführerin Ellen Weinebrod betont, dass zu den Beratungszeiten immer eine Sozialarbeiterin und zwei weitere Mitarbeiter in der Nähe sind. Und diese hätten dem renitenten Drogenabhängigen vergangenen Donnerstag ein Fahrrad abgenommen, mit dem er zunächst auf die Arge-Mitarbeiterin losgegangen sei. Dann habe der Mann das Haus verlassen, sei zurückgekommen und habe sich den Feuerlöscher gegriffen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer