Anmeldezahlen bei Kursen zum Lesen- und Schreiben-Lernen sind in Krefeld deutlich angestiegen.

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Je älter man ist, desto schwerer fällt es, das Schreiben zu lernen.

Je älter man ist, desto schwerer fällt es, das Schreiben zu lernen.

dpa

Je älter man ist, desto schwerer fällt es, das Schreiben zu lernen.

Krefeld. Es muss gar nicht immer die Scham sein. "Klar wird ein Großteil der Teilnehmer von der Arge geschickt. Doch meist sind die Leute hochmotiviert und wollen endlich etwas ändern. Sehr viele kommen auch ganz von sich aus", sagt Doris Schlimnat, Fachbereichsleiterin für Politik und Integration in der Volkshochschule, ist stolz auf die Besucher der "Alfa-Kurse".

"Alfa" steht für Alphabetisierung und soll bewusst nicht auf den ersten Blick erkennen lassen, worum es geht. Obwohl die Hemmschwelle bei Menschen, die weder lesen noch schreiben können, laut der Kursorganisatorin gesunken ist, posaunt nicht jeder seine Schwierigkeiten gern in die Welt hinaus.

Doch das ist nicht der einzige Grund für die Schreibweise - sie lässt sich auch einfach leichter wiedererkennen. Vielleicht ein Grund dafür, dass die Anmeldezahlen bei den VHS-Kursen in den letzten zwei Jahren laut Doris Schlimnat deutlich angestiegen sind. "Wir hatten immer eine starke Nachfrage. Doch mittlerweile könnten wir gut noch weitere Kurse eröffnen - wenn wir denn genug Lehrer hätten."

Sieben Lehrer bieten an der VHS verschiedene Kurse an: fünf speziell für Migranten, die besondere Probleme beim Lernen der deutschen Sprache haben, zwei für das Projekt Biwaq (Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier) und drei für alle anderen. Hierhin kommen diejenigen, die in der Schule nie richtig lesen und schreiben gelernt haben - aber dennoch einen Abschluss gemacht haben und oft schon jahrelang im Berufsleben stehen.

Viele Analphabeten mogeln sich im Berufsleben durch

"Viele Schüler können sich irgendwie durchmogeln", sagt die Fachbereichsleiterin. Und auch danach geht es oft ohne große Probleme weiter. "Wir hatten mal einen Teilnehmer, der erfolgreich eine Handwerkerausbildung abgeschlossen hatte. Und mit Mitte 40 dann von sich aus gesagt hat: Ich habe genug von diesem Versteckspiel."

Als "funktionale Analphabeten" gelten Menschen, deren Kenntnisse im Lesen und Schreiben niedriger sind als die Kompetenzen, die in der Gesellschaft vorausgesetzt werden. Sie sind damit höchstens auf dem Niveau von Erst- oder Zweitklässlern, können also oft nur ihren eigenen Namen schreiben.

Die Volkshochschule bietet fünf Kurse speziell für Migranten an, die Probleme beim Lernen der deutschen Sprache haben sowie drei im Projekt "Biwaq" (Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier).

Auch das Aha-Trainingszentrum und die Deutsche Angestellten-Akademie bieten in Krefeld Alphabetisierungskurse an - zum Teil allerdings nur für Menschen mit Migrationshintergrund. Bei der Caritas lernen diese zusammen mit den deutschen Teilnehmern.

Durch finanzielle Unterstützung der Arge müssen Arbeitslosengeld-Empfänger bei der VHS nur die Hälfte der Kursgebühren zahlen. Auch die anderen Teilnehmer sollen laut Fachbereichsleiterin nicht die Kosten abschrecken - zwischen 75 Cent und 1,50 Euro kostet eine Alfa-Stunde.

Damit niemand ihre Schwierigkeiten bemerkt, vermeiden Analphabeten oft, auch nur einen Stift oder ein Buch in die Hand zu nehmen. Denn die Hänseleien sind für viele das Schlimmste. "Die Teilnehmer erzählen uns, wie sie schon in der Grundschule ausgegrenzt wurden", sagt Doris Schlimnat. Deshalb sei die Anmeldung zum Alfa-Kurs ein wichtiger erster Schritt. Ein Schritt auf einem sehr langen Weg, denn je älter ein Teilnehmer ist, desto schwerer fällt ihm das Erfassen der Sprache. Aber er bringt Erleichterung.

Die Teilnehmerlisten bei der VHS sind bunt gemischt. Sie reichen von den Älteren über Arbeitslosengeld-Empfänger bis zu jungen Lernwilligen. "Gerade diese Gruppe ist in den letzten Jahren größer geworden. Die jungen Leute haben gemerkt, dass sie als Analphabeten auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben."

In verstärkter Aufklärungsarbeit sieht auch Volker Schönherr, Lehrer beim Verein "Light of Africa", den Grund für die gestiegenen Anmeldezahlen. Die Organisation bietet ihren Kurs bisher nur für Einwanderer mit Sprachproblemen an - mit großem Erfolg. Schönherr: "Auch wir hätten nichts gegen eine Erweiterung."

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