Am Krützboomweg gibt die Stadt erstmals vor, wie neue Häuser und ihre Vorgärten auszusehen haben.

Die 1920 gebaute Siedlung Lindental ist ein Beispiel in Krefeld für eine einheitliche Bebauung. Auch am Krützboomweg soll nun mit Hilfe einer Satzung ein einheitliches Quartier entstehen.
Die 1920 gebaute Siedlung Lindental ist ein Beispiel in Krefeld für eine einheitliche Bebauung. Auch am Krützboomweg soll nun mit Hilfe einer Satzung ein einheitliches Quartier entstehen.

Die 1920 gebaute Siedlung Lindental ist ein Beispiel in Krefeld für eine einheitliche Bebauung. Auch am Krützboomweg soll nun mit Hilfe einer Satzung ein einheitliches Quartier entstehen.

abi

Die 1920 gebaute Siedlung Lindental ist ein Beispiel in Krefeld für eine einheitliche Bebauung. Auch am Krützboomweg soll nun mit Hilfe einer Satzung ein einheitliches Quartier entstehen.

Krefeld. Auf einer Fläche von drei Hektar westlich Krützboomweg und nördlich des Hanninxweges in Fischeln wird in den nächsten Jahren ein neues Wohngebiet entstehen. Maximal 26 Doppelhaushälften und maximal 13 frei stehende Einfamilienhäuser sind dort laut Bebauungsplan Nr. 784 möglich. Um einen attraktiven, hochwertigen Siedlungscharakter zu erreichen, hat der Planungsausschuss am Mittwochabend mehrheitlich eine Gestaltungssatzung für dieses Neubaugebiet verabschiedet.

„Viele Neubaugebiete leiden an einer nicht aufeinander abgestimmten Vielfalt von Materialien, Formen und Farben auf engstem Raum“, resümiert die Fachverwaltung. Während in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts stadtteilprägende Siedlungen wie die Ter-Meer-Siedlung in Uerdingen und Lindental mit einer weitestgehend aufeinander abgestimmten Bebauung entstanden sind, gebe es aus den vergangenen 30 Jahren auch abschreckende Beispiele. Dort sei von verschiedenen Bauträgern und Bauherren kreuz und quer gebaut worden, ein einheitlicher Quartier-Charakter würde sich dadurch nicht einstellen.

Während die FDP als einzige Fraktion im Ausschuss um die persönliche Gestaltungsfreiheit bangt, begrüßen alle anderen Fraktionen eine bauliche Formensprache für das Gebiet. „Das ist ein idealer Testfall für die Stadt“, sagt Beigeordneter Martin Linne. Man könne so Erfahrungen für weitere neue Gebiete sammeln. Mit der Gestaltungssatzung für dieses Gebiet sei es möglich, wieder Siedlungscharakter in Krefeld zu schaffen.

Gestaltungssatzung für ein harmonisches Straßenbild

„Weil auf dem Areal eine Einzelvermarktung geplant ist, hat die Verwaltung die Gestaltungssatzung angestoßen“, erklärt Ludger Walter, im Fachbereich Stadtplanung für die Bauleitplanung zuständig. Sie bietet den zahlreichen Bauherren einen architektonischen Leitfaden für ein harmonisches und attraktives Gesamtbild.

Mit insgesamt neun Gestaltungsregeln möchte die Verwaltung das städtebauliche Konzept umsetzen. Die betreffen die von der Straße aus einsehbaren Außenflächen des jeweiligen Grundstücks: Hausfassade, Dach, Vorgarten ebenso wie Garagen und Satelliten- und Solaranlagen.

Aneinandergrenzende Doppelhaushälften sind danach einheitlich zu gestalten. Sie sind mit gleicher Dachneigung und Traufhöhe, gleichem Fassadenmaterial und -farbe und symmetrischer Fassadenaufteilung zu errichten. Das gilt auch für die dazugehörigen jeweiligen Grenzgaragen und -Carports. Für die Gebäudefassaden sind ausschließlich weißer oder grau abgetönter Putz und blauschwarzer oder dunkelroter Kliniker zulässig.

Individuelle Merkmale sind dennoch möglich. Auf maximal einem Drittel der Fassadenfläche können laut Satzung Holz, Naturstein, Metall, Faserzement und Sichtbeton ergänzend verwendet werden. Nicht zulässig hingegen sind bunte und glänzende Farbanstriche, Fliesen und Kunststoffverkleidungen aller Art sowie glänzende Ziegel und polierte Metall- und Natursteinflächen.

Als Dachform zugelassen sind ein einfaches Pultdach wie auch ein Flachdach. Dachgauben werden ausgeschlossen. Bei Garagen und Carports sind ausschließlich Flachdächer zulässig.

Die bundesweiten Initiativen „Rettet den Vorgarten“ und „Grüne Stadt“ finden nun auch in Krefeld bei der Stadtplanung Gehör. Vor allem Grünen-Fraktionsvorsitzende Heidi Matthias ist darüber begeistert, die seit Jahren dafür bei Baumaßnahmen wirbt.

In den Vorgärten sind Kies und Kirschlorbeer verboten

Aus ökologischen Gründen, aber auch im Hinblick auf das Siedlungsbild und die Wohnqualität sollen sämtliche Dächer bei Hauptgebäuden und Garagen begrünt, die Vorgärten möglichst naturnah gestaltet werden. Großflächige Kies- und Schotterflächen sind verboten. Eine Auflistung mit heimischen Laubgehölzarten von Feldahorn über Rotbuche bis hin zu Liguster und Eibe nennt Alternativen zu Kirschlorbeer und Forsythie, die für Vogel- und Insektenwelt keine Nahrung bieten.

Während die Gestaltungsrichtlinien für das Neubaugebiet am Krützboomweg weitestgehend bei allen Fraktionen auf Zustimmung stoßen, sprechen sich die Linken beim nächsten Tagesordnungspunkt gegen den Bebauungsplan Nr. 784 aus. Wie auch die Grünen kritisiert Ursula Mende von den Linken, dass hier nur wieder Einfamilien- und Doppelhaushälften gebaut werden sollen. Sie wünscht sich hingegen mehr Mehrfamilienhäuser.

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