Der Krefelder Jude Rolf Gompertz schildert im Internet den Überfall auf seine Familie in der Pogrom-Nacht 1938.

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Rolf Gompertz beim Interview. (Screenshot: You-Tube)

Rolf Gompertz beim Interview. (Screenshot: You-Tube)

Rolf Gompertz beim Interview. (Screenshot: You-Tube)

Krefeld. Den Überfall von Nazi-Schergen auf die Wohnung seiner Familie in der Pogrom-Nacht 1938 und die Emigration in die Vereinigten Staaten im Frühjahr 1939 vor gut 70 Jahren schildert der ehemalige Krefelder Jude Rolf Gompertz (82) jetzt in einem Beitrag auf dem Video-Portal You-Tube. Die amerikanische Journalistin Alaena Hostetter (25) hat den Beitrag im kalifornischen "Museum of Tolerance" aufgenommen und ins Netz gestellt.

Rolf Gompertz war zehn Jahre alt, als es in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 an der Haustür Bismarckstraße 118 heftig klopfte und schließlich Männer mit Gewehren ins Treppenhaus stürmten. Rolfs Vater Oskar lief zu seinem Schreibtisch und holte sein Eisernes Kreuz aus dem Weltkrieg aus der Schublade. Rolf Gompertz erinnert sich noch genau daran, was der Vater sagte: "Ist das der Dank dafür, dass ich meinem Vaterland gedient habe?" Der Gruppenführer ließ die Männer abrücken. Es war nichts zerstört worden.

Im Frühjahr 1939 erhielten die Gompertz die Genehmigung zur Ausreise. Rolf Gompertz lebt heute in Los Angeles. Er hat fünf Bücher geschrieben, zuletzt eins für Kinder, um die Geschehnisse des Holocaust nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Gompertz war 1987 zum ersten Mal wieder in Krefeld, einer der 132 ehemaligen Juden, die mit Begleitungen einer Einladung des Arbeitskreises Christlicher Kirchen und des damaligen Oberbürgermeisters Dieter Pützhofen gefolgt waren.

Er hat damals auch das Haus an der Bismarckstraße besucht und ohne Groll festgestellt, dass sich wenig verändert hat. Das erste Wohnhaus am Westwall hat er nicht mehr gefunden, es war dem Krieg zum Opfer gefallen.

Gompertz kam anderthalb Jahre später erneut nach Krefeld, diesmal eingeladen als Redner zum Gedenken an die "Reichskistallnacht" 50 Jahre zuvor. Der Schriftsteller, der damals 60 Jahre alt war und sich "Word Doctor" nannte, hielt eine ergreifende Rede vor den voll besetzten Reihen des Seidenweberhauses, in dem er vor allem zur Versöhnung aufrief.

Er wurde am 29.Dezember 1927 als Sohn von Selma und Oskar Gompertz geboren. Die Familie wohnte zunächst am Westwall 32, später an der Bismarckstraße 118. Gompertz erinnert sich gerne daran, dass Arthur Bluhm damals Oberrabbiner war. Bluhm sorgte dafür, dass die Familie Gompertz in eine dringliche Einwanderungsquote für die USA aufgenommen wurden. Bluhm konnte ebenfalls emigrieren und zog nach Amarillo in Texas.

Rolf Gompertz hat noch viele Kontakte nach Krefeld. Unter anderem korrespondiert er regelmäßig mit dem Berufsschullehrer Kai Schäfer, der es im vergangenen November organisiert hat, dass Schüler des Berufskollegs Uerdingen in einer Gedenkfeier in der neuen Krefelder Synagoge Gompertz’ Gedicht "Snapshots of a life - Blitzlichter eines Lebens" zur selben Zeit vortrugen wie Gompertz es in seiner Synagoge in Los Angeles verlas. Ma.

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