Nach Gewaltexzessen wird der Ruf nach pädagogischer Arbeit besonders laut. Doch den Einrichtungen fehlt das Geld.

Über 13-Jährigen kann er nichts bieten: Helmut Boeck, Leiter des Spielhauses an der Dießemer Straße (SpieDie).
Über 13-Jährigen kann er nichts bieten: Helmut Boeck, Leiter des Spielhauses an der Dießemer Straße (SpieDie).

Über 13-Jährigen kann er nichts bieten: Helmut Boeck, Leiter des Spielhauses an der Dießemer Straße (SpieDie).

Dirk Jochmann

Über 13-Jährigen kann er nichts bieten: Helmut Boeck, Leiter des Spielhauses an der Dießemer Straße (SpieDie).

Krefeld. In den meisten Fällen sind sie Einzelkämpfer: die Leiter der Krefelder Jugendzentren. Während nach Gewaltexzessen von Heranwachsenden der Ruf in der Gesellschaft nach gezielter pädagogischer Jugendarbeit immer lauter wird, reicht das Geld für das erforderliche Personal bei weitem nicht aus. Von den 17 Jugendheimen in Krefeld werden elf von einer einzigen hauptamtlichen Kraft geführt. Die kommen bei der Anzahl der Besucher trotz ihres großen Engagements unweigerlich an ihre Belastbarkeitsgrenze. So auch die Mitarbeiter des Werkhauses. Die haben jetzt den dringenden Appell an die Bezirksvertretung Mitte gerichtet, eine zweite Stelle für das "SpieDie" einzurichten.

Bei 50 Kindern am Tag stößt das "SpieDie" an seine Grenzen

Das Spielhaus an der Dießemer Straße 89-93 besteht seit 14 Jahren. Der 57-jährige Sozialpädagoge Helmut Boeck leitet es als einzige hauptamtliche Kraft von Beginn an. Das SpieDie beherbergt auf seiner 5000 Quadratmeter großen Innenfläche eine Aktionshalle mit Veranstaltungsmöglichkeiten, ein selbstverwaltetes Kinder-Café mit Küche sowie etliche Gruppenräume und Werkstätten.

Trotz Unterstützung von Helfern, Praktikanten und Ehrenamtlern stößt Boeck bei dem Besuch von täglich bis zu 50 Kindern im Alter von acht bis 13 Jahren - in Ferienzeiten sind es schon mal mehr als 100 - an seine Grenzen. Zumal es mit der Stadt im Rahmen des Kinder- und Jugendförderplanes klare Zielvereinbarungen gibt. Im Allgemeinen sollen sich die Angebote zumindest an die Zielgruppe der Sechs- bis 18-Jährigen richten und auf den Abbau von Benachteiligung, Gewalt und Diskriminierung abzielen.

Das Werkhaus als Träger des SpieDie hat sich vertraglich verpflichtet, Angebote im außerschulischen Bereich, für Familien und mit Elementen der Erlebnis- und Spielpädagogik anzubieten. "Das auch vor dem Hintergrund, dass der Hardenberg von Seiten der Stadt wegen unterschiedlicher Faktoren wie Rotlichtmilieu, zahlreicher Menschen mit Migrationshintergrund und hoher Arbeitslosigkeit als sozialbelastetes Viertel eingestuft wird", sagt Boeck. Danach kommt nur noch die höchste Stufe: der soziale Brennpunkt.

Gezielte Angebot für ältere Jugendliche sind nicht möglich

Der Bedarf im Viertel ist hoch. Wegen der hohen Zahl von 190 Kindern an Stammbesuchern, die mindestens einmal die Woche über das ganze Jahr hinweg kommen, ist bereits 2004 bei der Einführung des Kinder- und Jugendförderplans eine zweite Stelle für das SpieDie in Aussicht gestellt worden. Passiert ist nichts. Dabei liegt die Zahl der Besucher laut Boeck, die mehr oder weniger regelmäßig in den Kinder- und Jugendtreff des Werkhauses kommen, im Jahr bei 500.

Das Werkhaus würde gerne gezielt Angebote für Jugendliche von 13 Jahren aufwärts anbieten. Die Jugendlichen, die im Dezember auf einem Spielplatz an der Alten Linner Straße bei einer Überprüfung durch den Kommunalen Ordnungsdienst dessen Mitarbeiter unerwartet angegriffen haben (die WZ berichtete), sind im Viertel bekannt.

Träger fordern zwei Mitarbeiter pro Einrichtung

Doch die Personalsituation lässt ein gezieltes Angebot für diese Altersgruppe nicht zu. Immerhin gibt es für das Angebot der Clubkarte, mit der die Jugendlichen für vier Euro im Jahr Billard, Kicker, Jaccolo und Tischtennis im SpieDie spielen oder Bücher und Spiele am Wochenende für zu Hause ausleihen können. Doch das reiche bei weitem nicht aus. Deshalb fordert das Werkhaus - ebenso wie andere Träger von Jugendheimen - als Mindeststandard zwei hauptamtliche Kräfte.

3,2 Millionen Euro zahlt Krefeld im Jahr für die öffentliche Jugendarbeit in 17 Einrichtungen, einschließlich der Personalkosten. Während für das neue Bürger- und Jugendzentrum in Schicksbaum 1,5 Planstellen vorgesehen sind, setzt die Stadt bei den anderen Jugendheimen statt auf Struktur- verstärkt auf Projektförderung. Die ist laut Experten auch sinnvoll, wenn sie ergänzend eingesetzt wird. Doch solange die meisten Jugendheimleiter Einzelkämpfer sind, erreichen sie nur einen Bruchteil der Heranwachsenden, die sie nach dem Kinder- und Jugendförderplan erreichen sollen.

 

 

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