Neunjährige soll für Handy zahlen, das sie nicht hat. Abbuchungen immer prüfen.

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Betrüger am Werk – eine monatliche Handyrechnung wird verschickt, obwohl der Kunde das Netz des Mobilfunkanbieters überhaupt nicht nutzt.

Betrüger am Werk – eine monatliche Handyrechnung wird verschickt, obwohl der Kunde das Netz des Mobilfunkanbieters überhaupt nicht nutzt.

dpa

Betrüger am Werk – eine monatliche Handyrechnung wird verschickt, obwohl der Kunde das Netz des Mobilfunkanbieters überhaupt nicht nutzt.

Krefeld. Zuerst kamen Rechnungen, dann wurde gemahnt. 65 Euro sollte die Krefelderin Michelle Klebahn an den Mobilfunkanbieter Fonic für die Nutzung einer Sim-Karte bezahlen, anderenfalls würde "die offene Forderung umgehend an ein Inkassobüro weitergeleitet", dies hätte Mahnkosten zur Folge. Doch Michelle Klebahn hat gar keine Sim-Karte von Fonic, sie hat nicht mal ein Handy. Denn Michelle ist neun Jahre alt.

Michelles Vater, Tom Klebahn, ist fassungslos: "Ich habe das Unternehmen mehrfach angeschrieben. Leider ohne Erfolg." Nach zahlreichen Versuchen, das Missverständnis aufzuklären, konnte Klebahn lediglich in Erfahrung bringen, dass ein Nürnberger Sparkassenkonto für die Lastschriften bei Fonic registriert ist. Der Kontoinhaber ist der Familie unbekannt.

Dem Kontoinhaber ist der Betrug aufgefallen

"Offensichtlich sind dem wirklichen Kontoinhaber die Fehlbuchungen aufgefallen, und er hat bei Fonic die Einzugsermächtigung zurückgenommen", sagt Klebahn. Für die Rücklastschriften sind Gebühren fällig geworden, die Michelle bezahlen sollte.

Thomas Westermann von der Verbraucherzentrale ist die Firma Fonic nicht unbekannt, sei aber auch nicht massiv negativ aufgefallen. "Unglücklich ist immer, wenn sich erst der Verbraucherschutz oder die Presse einschalten müssen, damit sich die Firmen äußern." Wie in diesem Fall.

Denn erst, als sich die WZ eingeschaltet hatte, konnte der Vorfall von einem Mitarbeiter einer PR-Agentur aufgeklärt werden. Diese Agentur macht zwar für den Mobilfunkanbieter die Pressearbeit, der Mitarbeiter möchte aber nicht mit seinem Namen in den Medien erscheinen, da er nach eigenen Angaben "nicht sprachberechtigt" ist.

Laut Verbraucherschutz und Polizei besteht kein Grund zur Aufregung, wenn ein Kunde grundlos Mahnungen erhält. "Vor Gericht würde im Falle der Minderjährigen dann zu Lasten von Fonic entschieden. Die Sache einfach auszusitzen, kostet aber Nerven", sagt Thomas Westermann vom Verbraucherschutz.

Die Mobilfunkanbieter sind nicht verpflichtet, beim Verkauf einer Prepaid-Karte einen Ausweis zu verlangen.

Im Falle der Klebahns liegt nach Aussage des Mitarbeiters ein "klassischer Betrugsfall" vor. Eine dritte, bisher unbekannte Person, hat die Prepaid-Karte anonym im Geschäft gekauft, und sie später auf Michelles Namen und mit einem fremden Konto im Internet registriert. Fonic würde bei der Registrierung lediglich den angegebenen Namen mit der Adresse abgleichen, was geschehen sei.

Der Fehler läge bei der Sparkasse Nürnberg. Diese hätte den Namen mit der Kontonummer abgleichen müssen. Insgesamt sind von dem Konto fünf Euro abgebucht worden, die Fonic dem Kontoinhaber erstattet. Aus Erfahr geht das Unternehmen davon aus, dass der Betrüger aus dem Umfeld der Klebahns stammt, da Michelle ein ungewöhnlicher Name sei und sie nicht im Telefonbuch steht.

Von Fonic selber war nach mehrfacher Nachfrage seitens der WZ kein Mitarbeiter zu einem Gespräch bereit. Tom Klebahn hat jetzt Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.

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