Krefelder Konzept kostet mit 700 Millionen Euro zu viel. Der Lärm lässt sich trotzdem deutlich reduzieren.

autobahn-ausbau
Etwa 80.000 Fahrzeuge nutzen täglich die A 57 auf Krefelder Stadtgebiet. Die Zahl wird auf etwa 90 000 Autos wachsen.

Etwa 80.000 Fahrzeuge nutzen täglich die A 57 auf Krefelder Stadtgebiet. Die Zahl wird auf etwa 90 000 Autos wachsen.

6,50 Meter werden die neuen Lärmschutzwände hoch sein. Die graue Wand auf der ausgebauten Fahrbahn markiert den alten Lärmschutz.

Mit Hilfe der zur Fahrbahn gebogenen Wände soll der Autobahnlärm deutlich reduziert werden. Grafiken: Landesbetrieb Straßenbau NRW

Andreas Bischof, Bild 1 von 3

Etwa 80.000 Fahrzeuge nutzen täglich die A 57 auf Krefelder Stadtgebiet. Die Zahl wird auf etwa 90 000 Autos wachsen.

Krefeld. Offiziell bleibt Krefeld hart: Beim geplanten sechsspurigen Ausbau der A 57 kommt für die Stadt nur eine Tunnel-Trog-Lösung in Frage. Diese Forderung hat der Rat im September 2010 einstimmig bekräftigt. Und Oberbürgermeister Gregor Kathstede nutzte wenige Wochen später die Chance, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer die Krefelder Position in Berlin zu erläutern.

„Mit den neuen Lärmschutzwänden sind 80.000 Fahrzeuge nur noch so laut wie 8000.“

Michael Kaufmann, A 57-Planungsexperte

Inoffiziell jedoch gilt die Tunnel-Trog-Lösung in Politik und Verwaltung als tot. Ein Grund: die hohen Kosten. Mindestens 700 Millionen Euro würde der A 57-Ausbau nach Berechnungen des Landesbetriebs Straßenbau NRW auf Krefelder Stadtgebiet kosten. Der Bund hat für dieses knapp zehn Kilometer lange Teilstück aber nur 152 Millionen Euro eingeplant.

Das zweite Hindernis: technische Hürden. Die A 57 müsste in Grundwasser-Tiefe mit drei Anschlussstellen und etlichen Brücken verbreitert werden. „Schwierigkeiten sind hier programmiert“, sagt Joachim van Bebber, der beim Landesbetrieb Straßenbau für die A57 verantwortlich ist.

Öffentlich hat sich bislang nur die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein vom Tunnel verabschiedet. Hauptgeschäftsführer Dieter Porschen möchte die A 57 in bestehender Höhenlage mit größtmöglichem Lärmschutz ausbauen. Da der Bund das Krefelder Konzept nicht bezahlen werde, führe der Widerstand nur zu weiteren Verzögerungen, erklärt Porschen.

Beginnen wird der Ausbau vermutlich 2014/15. Die neue NRW-Landesregierung will in den nächsten Wochen mit dem Bund über das Projekt sprechen. „Wir erwarten bis März eine Planungsentscheidung“, sagt van Bebber.

Die Planung des Bundes sieht vor, die A 57 zwischen den Kreuzen Kamp-Lintfort und Meerbusch auszubauen. Das Teilstück ist 20,6 Kilometer lang. Die Kosten inklusive Lärmschutz betragen 230 Millionen Euro. Für den Ausbau auf Krefelder Gebiet sind 152 Millionen Euro vorgesehen.
 

Projektleiter Joachim van Bebber rechnet 2014/15 mit dem Baubeginn. Bei optimalem Verlauf könnte das Teilstück 2020 fertig sein.
 

Die Planung für den Ausbau der Autobahnraststätte Geismühle an der A 57 ist fast beendet. Anfang 2014 könnte mit dem Ausbau begonnen werden. Der Bund investiert hier rund 25 Millionen Euro. Die Zahl der Stellplätze wird sich östlich der A 57 mehr als verdoppeln: Künftig gibt es 156 für Lkw und Busse sowie 200 für Pkw.

Dass das Land den Bund umstimmen kann, ist wenig wahrscheinlich. Das heißt: Die A 57 wird auf dem 6,5 Kilometer langen Stück zwischen Gartenstadt und Oppum 6,5 Meter hohe Lärmschutzwände bekommen, die ab 4,5 Metern Höhe durchsichtig und zur Fahrbahn gebogen sind (siehe Grafiken).

Van Bebbers Kollege Michael Kaufmann erläutert: „Mit den neuen Lärmschutzwänden sind 80.000 Fahrzeuge nur noch so laut wie 8000.“ Die vorgeschriebenen Grenzwerte von 49 Dezibel (nachts) und 59 Dezibel (tagsüber) würden fast überall deutlich unterschritten. Für alle Betroffenen werde es leiser.

Kritisch sind laut Kaufmann fünf Hochhäuser, drei an der Max-Planck-Straße und jeweils eins an der Oder- und Breitenbachstraße. In den oberen Etagen nehme der Lärm zwar auch hier ab, aber die Grenzwerte würden nicht eingehalten. Deshalb bekämen diese Wohnungen neue Fenster. Zusätzlich seien zur Lärmminderung jeweils 300 Meter lange Wände auf dem Mittelstreifen der Autobahn geplant.

Im Abstand von nicht mehr als 400 Metern wohnen rund 11.000 Krefelder entlang der A 57. Besonders viele Betroffene gibt es im Bereich zwischen den Anschlussstellen Gartenstadt und Zentrum.

Leserkommentare (5)


() Registrierte Nutzer