Einem 28-Jährigen, der sich an schlafenden Frauen in deren Wohnungen vergangen haben soll, wird der Prozess gemacht.

Muhammet A. wird in den Gerichtssaal geführt. Er soll mindestens neun Frauen nach Diskothekenbesuchen verfolgt haben und in deren Wohnungen eingebrochen sein, um sich an ihnen zu vergehen.
Muhammet A. wird in den Gerichtssaal geführt. Er soll mindestens neun Frauen nach Diskothekenbesuchen verfolgt haben und in deren Wohnungen eingebrochen sein, um sich an ihnen zu vergehen.

Muhammet A. wird in den Gerichtssaal geführt. Er soll mindestens neun Frauen nach Diskothekenbesuchen verfolgt haben und in deren Wohnungen eingebrochen sein, um sich an ihnen zu vergehen.

Dirk Jochmann

Muhammet A. wird in den Gerichtssaal geführt. Er soll mindestens neun Frauen nach Diskothekenbesuchen verfolgt haben und in deren Wohnungen eingebrochen sein, um sich an ihnen zu vergehen.

Krefeld. Muhammet A. verbirgt sein Gesicht hinter einer orangefarbenen Aktenmappe, als er den Gerichtssaal betritt. Erst als das Blitzlichtgewitter endet und Fotografen und Fernsehteams vor der Tür sind, legt er ihn zur Seite und schaut scheu einmal durch den Raum. Viele Zuschauer sind gekommen, die den Mann sehen wollen, der etliche junge Frauen für lange Zeit traumatisiert haben soll: Der 28-jährige Nettetaler ist ihnen laut Staatsanwaltschaft nach dem Diskobesuch gefolgt und in deren Wohnungen eingebrochen, wenn sie schliefen. Dann habe er sich an ihnen vergangen.

Der Angeklagte nahm Speed und rauchte Marihuana

Ein akkurater Kevin-Kuranyi-Bart, gepflegte Koteletten, zur Seite gegelte Haare mit Mittelscheitel, gelbes T-Shirt und Blue Jeans - A. macht einen freundlichen Eindruck. Freunde und Verwandten können kaum fassen, dass der als stets hilfsbereit und ehrlich beschriebene Muhammet ein Vergewaltiger sein soll.

Doch sie wissen, wie der Angeklagte selbst auch: Die Beweislast ist erdrückend. An allen Tatorten wurden Spuren, meist DNA, von ihm gefunden. "Ich kann ja eins und eins zusammenzählen", würdigt der 28-Jährige die Beweise. Er will auch gar nicht bezweifeln, dass die Vorwürfe gegen ihn zutreffen. "Ich kann mich nur an nichts erinnern." Möglicherweise seien Amphetamine, Ecstasy, Speed oder Marihuana dafür verantwortlich - doch ob der Drogenkonsum wirklich ausschlaggebend war, das muss noch ein Gutachter beurteilen.

Er wird sicherlich auch eine Vermutung von Verteidiger Jürgen Boyxen und Vorsitzendem Richter Herbert Luczak bewerten. Die sehen die Möglichkeit, dass A. die Taten aus Scham so sehr verdränge, dass er sich wirklich nicht mehr erinnern könne. Der 28-Jährige selbst - er hatte zuletzt eine neunjährige Beziehung - sprach davon, möglicherweise zwei Gesichter zu haben: Das ehrliche und hilfsbereite, aber auch das drogenabhängige und draufgängerische.

Auch die Opfer haben versucht, das Erlebte zu verdrängen. So wie die 24-Jährige, die glaubte, sie träume, als sie im Bett schlief und von jemandem im Intimbereich berührt wurde. Sie hatte gemeinsam mit ihrer Schwester am 8. Februar 2009 die Königsburg besucht und war schon mal allein vorgegangen. Als sie zu Hause hörte, wie die Haustür ins Schloss fiel, glaubte sie, ihre Schwester sei jetzt da.

Autofreund Muhammet A. - trotz geringen Einkommens als Bäcker finanzierte er einen teuren BMW - soll häufiger vor Krefelder Diskotheken, insbesondere der Königsburg, Menschen beobachtet haben. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass er sich dort seine Opfer aussuchte.

Weil A. die Taten nicht realisieren kann oder will, könnte er möglicherweise nicht therapierbar sein. Vorsitzender Richter Herbert Luczak erläuterte deshalb, dass der 28-Jährige möglicherweise - wenn das Gericht von der Schuld überzeugt sein sollte - Sicherungsverwahrung erhalte und damit lebenslang hinter Gitter komme. Denn in einem vorläufigen psychiatrischen Gutachten wird eine Wiederholungsgefahr erkannt.

Sie öffnete die Wohnungstür - und Muhammet A. stand vor ihr. Der meinte zu der jungen Frau, sie solle nicht so laut sein, verabschiedete sich höflich und ging dann weg. Als sie später im Bett wach wurde, berichtete sie am Freitag unter Tränen, spürte sie die Berührungen und drehte sich ruckartig um. Da lief ein Mann weg. Neben dem Bett lag ihr zerschnittener Stringtanga.

Ein anderes Opfer, das gestern aussagte, bemerkte den Übergriff erst, nachdem es erwacht war. Auch bei dieser Frau war der String zerschnitten worden. Ein Nachbar wiederum hatte einen Unbekannten im Garten gesehen, konnte ihn aber nicht wiedererkennen. Der Prozess wird am 5. Februar fortgesetzt.

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