Gleichstellungsbeauftragte Weinbörner: Es gibt Fortschritte, aber die Arbeit bleibt schlecht verteilt.

Christine Weinbörner sieht ein Pflegeproblem. 
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Christine Weinbörner sieht ein Pflegeproblem. (Archiv

Christine Weinbörner sieht ein Pflegeproblem. (Archiv

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Christine Weinbörner sieht ein Pflegeproblem. (Archiv

Krefeld. Die Krefelder Verwaltung ist in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorbildlich, findet Gleichstellungsbeauftragte Christine Weinbörner. Bei der Führungsverantwortung hingegen höre das auf: "Wir haben in Sachen Frauenförderung viel erreicht. Aber eine Umverteilung der Arbeit hat nicht stattgefunden. Die Frauen sind zum Teil drei- bis vierfach belastet", hat sie festgestellt. Und ein Problem, das künftig immer drängender werden wird, habe der Gesetzgeber noch gar nicht richtig im Blick: die Pflege von älteren oder kranken Angehörigen.

Der klassische Halbtagsjob verliert an Bedeutung

Bei der Stadt Krefeld befinden sich 825 Mitarbeiter in Teilzeit. Das entspricht einer Quote von 27 Prozent. Nur 52 davon sind Männer. Und die auch noch meist "unfreiwillig", weiß Weinbörner und meint damit Stellen, die vom Arbeitgeber nur mit begrenzter Stundenzahl angeboten werden, zum Beispiel in der Musikschule.

Die meisten Frauen wollen ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes wieder einsteigen und die meisten wollen keine volle Stelle, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Da aber nicht alle Teilzeitkräfte vormittags arbeiten können, geht es nur, indem beide Seiten aufeinander zugehen. Der Trend gehe zu wochenweisen Arbeitszeiten oder zweieinhalb-Tage-Wochen. Der klassische Halbtagsjob nehme sehr stark ab.

Wichtig sei es, mit dem Arbeitgeber Kontakt zu halten und sich gegebenenfalls auch während der Elternzeit fortzubilden, hat Weinbörner festgestellt. Nur so könne man die Bedürfnisse beider Seiten gut unter einen Hut bringen. Zudem sei es hilfreich, möglichst früh zu formulieren, wann man wohin zurückkehren möchte.

So gebe es die Möglichkeit, während der Elternzeit einmal monatlich einen Online-Newsletter mit Informationen über freie Stellen, Fortbildungen oder Gesetzesänderungen zu abonnieren. Geplant sind darüber hinaus Rückkehrer-Gespräche.

Teleheimarbeit hilft nur selten weiter

Was für Eltern wenig bringt, ist die Teleheimarbeit, sagt Weinbörner. Dies wird derzeit von 14 Mitarbeitern genutzt (davon drei Männer). "Dies gibt es bei uns nur als Teillösung, damit man weiter die Anbindung an das Büro und die Kollegen hat und bei Besprechungen dabei ist. Zudem müssen die Kinder auch bei Heimarbeit betreut werden, sonst fehlt die nötige Konzentration", so die Erfahrung der Gleichstellungsbeauftragten.

Diese Form sei schon eher was für Mitarbeiter, die einen älteren Angehörigen pflegen. Doch in diesem Bereich tut sich noch herzlich wenig. "Da werden wir große Probleme bekommen", ist Weinbörner sich sicher und erinnert an die demografische Entwicklung. Hinzu komme, dass es immer weniger nicht arbeitende Hausfrauen und große Familienverbände gebe, die einen Betreuungsfall übernehmen können.

"Noch ist die Nachfrage nicht so groß, entsprechend fehlen systematische Hilfen für pflegende Angehörige. Doch das wird ein immer größeres Problem", sagt Weinbörner. "Die Pflegezeit dauert im Durchschnitt 8,7 Jahre. Da müssen wir flexiblere Formen finden", so die Gleichstellungsbeauftragte.

"Manchmal hilft es schon, wenn man dem Mitarbeiter erlaubt, gewisse Dinge telefonisch während der Arbeitszeit zu regeln, damit er nicht ganz ausfällt." Alles andere müssten Bundesgesetze klären.

Weinbörner: "Vielleicht kommt man ja irgendwann dazu - ähnlich wie bei den Tagesmüttern - auch eine Sammel-Betreuung für ältere Menschen anzubieten, die nicht pflegebedürftig sind, aber eine Aufsicht beziehungsweise hin und wieder Hilfe brauchen."

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