Der offiziell prognostizierte Bedarf ist nicht zu schaffen. Krefelds Stadtplaner zeigen, wo sie im Stadtgebiet Potenzial sehen.

Krefeld. Je nach Berechnungsmodell werden in Krefeld bis im Jahr 2020 zwischen 5000 und 7000 Wohneinheiten zusätzlich benötigt. Die zu schaffen, ist laut Dezernent Martin Linne und Planungsbereichsleiter Norbert Hudde unmöglich. Wenn alles gut läuft und die bereits genehmigten sechs neuen Kollegen in der Planungsabteilung eingestellt werden können, ist ein Volumen zwischen 3350 bis 3900 neuen Wohneinheiten erreichbar. Zum Vergleich: In den vergangenen Jahren wurden gut 240 pro Jahr fertig.

Verdichtung im Innern, Erweiterungen am Rand

Innenraumverdichtung, also das Füllen von Baulücken im Bestand, reicht nicht aus, um das Ziel bis 2020 zu erreichen. Am Rand der Bebauung wird es größere Neubaugebiete geben (siehe Kasten). Allein Fischeln soll perspektivisch um 2000 Wohneinheiten wachsen.

Es ist nicht nur der Bedarf der Krefelder, der gedeckt werden muss (bis 3000 Wohneinheiten, WE). Der Druck kommt aus Düsseldorf und wirkt in der Region, weil die Landeshauptstadt zu wenig bezahlbaren Wohnraum bietet. 2100 WE gehen auf dieses Konto. 1400 weitere bis 2020 sollen den Bedarf von Menschen decken, die als Flüchtlinge kommen und bleiben dürfen. 6500 WE stehen am Ende der Rechnung.

Um Wohnraum bezahlbar zu halten, sollen in Neubauprojekten mit mehr als 100 WE 30 Prozent der Wohnungen preisgebunden an den Markt gehen. „Da müssen wir erheblich mehr tun als zuletzt“, sagt Linne. „Die Quote von 30 Prozent ist ein Versuch, das dramatische Absinken der Wohnungen mit Sozialbindung aufzufangen.“

Nicht minder wichtig ist den Stadtplanern Barrierefreiheit. Hohen Bedarf sieht Linne in diesem Sektor, weil die Menschen älter, aber auch gebrechlicher werden. Barrierefreiheit sei in Neubauten einfach umzusetzen. Im Bestand müsse man Gebäude oft kernsanieren, um Türen und Aufgänge angemessen zu gestalten. „Barrierefreiheit geht in Geschosswohnungsbau leichter“, sagt Linne. Nicht nur das: Bungalows seien vom Flächenverbrauch nicht mehr zeitgemäß.

Großzügige Grundstücke können sich Linne und Hudde noch in Frostwald vorstellen, sollte sich die Bundesanstalt für Immobilien (Bima) entschließen, das ehemalige Kasernengelände zu veräußern. 60 Wohneinheiten, Villenbebauung, die zu der „sehr aufgelockerten Bebauung“ passt, Mehrgeschossiges höchstens am Bahnhof. Die Lage am Wald, mit „Top-Anbindung in die Region“ durch A 44 und Bahn schaffe ein ideales Wohngebiet, sagen die Stadtplaner, wohl wissend, dass dies vor Ort kritisch gesehen wird. Zukunftsmusik. Trotz Innenverdichtung und Neubaugebieten am Stadt(teil)rand soll Krefeld nicht seinen Charakter als Stadt der Grünzüge, Alleen und Parks verlieren.

Fazit: „Bis 2020 können durch die Entwicklung im Innern der Stadtteile 1600 Wohneinheiten entstehen, im Außenbereich etwa 1750 bis 2300“, prognostizieren Linne und Hudde. „Das ist realistisch – sofern uns die Politik unterstützt.“

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