Nach der Tat an der Oppumer Straße stellt sich Sebastian S. am frühen Samstag der Polizei in seiner Heimatstadt Andernach.

In dem Haus lebte das Pärchen an der Oppumer Straße.
In dem Haus lebte das Pärchen an der Oppumer Straße.

In dem Haus lebte das Pärchen an der Oppumer Straße.

Dirk Jochmann

In dem Haus lebte das Pärchen an der Oppumer Straße.

Krefeld. Erst vor fünf Monaten waren Sebastian S. (24) und Derya E. (18) von Andernach in Rheinland-Pfalz nach Krefeld gezogen, um ein neues Leben zu führen. Doch von einer glücklichen Beziehung konnte keine Rede sein: Immer wieder flogen die Fetzen in der kleinen gemeinsamen Wohnung im Haus an der Oppumer Straße 8. Er suchte sein Glück in Drogen, sie bei anderen Männern. Im November und im Januar musste die Polizei eingreifen und dem 24-Jährigen jeweils wegen häuslicher Gewalt ein befristetes Hausverbot erteilen. Immer wieder rauften sich die beiden zusammen. Der jüngste Streit am vergangenen Freitag aber endete für die junge Frau tödlich.

Auslöser des Streits sind finanzielle Probleme gewesen

Stundenlang, so die bisherigen Ermittlungen der Krefelder Mordkommission unter Leitung von Gerd Hoppmann, sollen sich Sebastian S. und Derya E. im Laufe des Freitags gezankt und geprügelt haben. Dabei sei es nicht um "Männer-Geschichten" der 18-Jährigen gegangen, sondern um die schlechte finanzielle Situation. Beide waren arbeitslos. Zwischen 15 und 16 Uhr eskalierte die Auseinandersetzung. Derya E., die zuvor schon mit einem Messer herumgefuchtelt haben soll, schnappte sich im Schlafzimmer nach Aussagen von S. das Antennenkabel und schlug damit auf Sebastian S. ein. Der nahm ihr das Kabel ab, legte es um ihren Hals und zog es zu, bis die junge Frau tot war.

Gegen S. ist Haftbefehl wegen Totschlags erlassen worden

"Das war aber keine Notwehr-Situation", sagt Hauptkommissar Gerd Hoppmann. Noch ist unklar, ob sich zu dieser Zeit andere Mieter im Haus aufhielten. Denn diesmal ging bei dem sicher lautstarken Streit kein Notruf ein. Um 4.50 Uhr am frühen Samstag erschien Sebastian S. auf der Polizeiwache in Andernach und sagt: "Ich habe meine Freundin getötet." Er legte ein umfangreiches Geständnis ab, er will augenscheinlich mit der Polizei kooperieren. So hat er nach der Tat die Wohnungstür sorgfältig verschlossen. Sie musste später von den Ermittlern gewaltsam geöffnet werden. Unter Drogen habe er bei dem fatalen Streit nicht gestanden, erklärte S. und verhielt sich damit anders als Tatverdächtige in ähnlicher Situation. Aber ehe er sich am Hauptbahnhof in den Zug setzte, habe er sich schnell noch Amphetamine besorgt und "eingeworfen". Eigentlich wollte er zu seinen Eltern in Andernach flüchten, doch die habe er nicht erreichen können. So fasste er in der Nacht zum Samstag den Entschluss, sich der Polizei zu stellen. Nun ist Sebastian S. wieder in Krefeld - in einer Zelle des Untersuchungsgefängnis. Auf Antrag von Staatsanwalt Otto Notemann wurde der 24-Jährige Sonntagmittag dem Richter vorgeführt. Der erließ Haftbefehl wegen Totschlags. Die Leiche der 18-Jährigen wird am Montag in einem rechtsmedizinischen Institut obduziert.

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