Für den Terrorismus-Experten Elmar Theveßen ist nicht alles plausibel, was über die Pläne der Attacke behauptet wird.

Die Altstadt, hier der Blick über die Haltestelle Heinrich-Heine-Allee, soll Ziel der IS-Terroristen gewesen sein.
Die Altstadt, hier der Blick über die Haltestelle Heinrich-Heine-Allee, soll Ziel der IS-Terroristen gewesen sein.

Die Altstadt, hier der Blick über die Haltestelle Heinrich-Heine-Allee, soll Ziel der IS-Terroristen gewesen sein.

Maja Hitij

Die Altstadt, hier der Blick über die Haltestelle Heinrich-Heine-Allee, soll Ziel der IS-Terroristen gewesen sein.

Düsseldorf. Der Terrorismus-Experte und stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen rät zur Zurückhaltung bei der Bewertung der Düsseldorfer Anschlagspläne: Was bisher über die mutmaßlichen IS-Pläne bekannt sei, sei nicht alles plausibel. Schon dass der Rädelsführer Saleh A. bei der Pariser Polizei geplaudert habe, sei „seltsam“ und komme im Zusammenhang mit IS-Anschlägen eigentlich nicht vor, sagte Thevesen am Sonntag in Düsseldorf.

Aufgrund der Aussagen von Saleh A. hatte die Bundesanwaltschaft am 1. Juni drei syrische Staatsbürger in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Baden-Württemberg verhaften lassen. Sie sollen von der Führungsebene des IS den Auftrag erhalten haben, in der Düsseldorfer Altstadt einen Anschlag zu verüben. Dabei sollten laut Bundesanwaltschaft auf der Heinrich-Heine-Allee zwei Sprengwesten gezündet und anschließend möglichst viele Passanten mit Gewehren und weiteren Sprengsätzen getötet werden.

Dass die mutmaßlichen Täter alle aus Syrien stammten und noch nie zuvor in Deutschland gewesen seien, müsse ebenso stutzig machen wie die obskuren Angaben des Rädelsführers zu seiner Biografie und das Fehlen von Waffen und konkreten Plänen.

Es gebe Hinweise, dass eine „beteiligte Person auf staatliche Einladung hin“ nach Deutschland gekommen sei, so Theveßen. Richtig sei, dass der IS ein großes Interesse habe, seine Drohungen mit der Flüchtlingsthematik zu vermengen, um die Spaltung in der Gesellschaft voranzutreiben.

Der IS versuche den Eindruck zu erwecken, als könne er jederzeit und überall zuschlagen. In Wahrheit sei er jedoch eine „erbärmliche Organisation“, die sich an „Verlierer und Kriminelle“ wende. Der ZDF-Vizechefredakteur führte anhand der IS-Strategie und Anschlags-Historie in Europa aus, warum das Augenmerk auf Prävention und der Radikalisierungs-Verhinderung hier lebender junger Muslime liegen müsse. Theveßen: „Und das Falscheste wäre: Flüchtlinge nicht als Potential zu erkennen, sie nicht zu integrieren und ihnen keine Chance zu geben.“

Elmar Theveßen sprach gestern bei der Verleihung des jährlichen Journalistenpreises der Genossenschaftsbanken in Rheinland und Westfalen im Apollo Varieté zur „Bedrohungslage für Deutschland im Juni 2016“.

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