Aleksandra Liashenko und Daniel Vizcayo sind Ausnahmetänzer. Am Ballett am Rhein schätzen sie Anspruch und Individualität.

Aleksandra Liashenko und Daniel Vizcayo sind Ausnahmetänzer. Am Ballett am Rhein schätzen sie Anspruch und Individualität.
Die Balletttänzer Daniel Vizcayo und Aleksandra Liashenko sind neu im Ensemble des Ballett am Rhein.

Die Balletttänzer Daniel Vizcayo und Aleksandra Liashenko sind neu im Ensemble des Ballett am Rhein.

Judith Michaelis

Die Balletttänzer Daniel Vizcayo und Aleksandra Liashenko sind neu im Ensemble des Ballett am Rhein.

Bei der ersten Ballett-Premiere der Saison fielen zwei neue Gesichter auf: Aleksandra Liashenko (30) und Daniel Vizcayo (28). Sie gebürtige Ukrainerin, lange Jahre Primaballerina in Warschau und später am Staatstheater Hannover. Er, in Madrid geboren, tanzte fast zehn Jahre im Ballet de Biarritz an der südfranzösischen Atlantikküste. Sie hat als Solistin die bekannten Prinzessinnen im klassischen Repertoire getanzt. Er beherrscht auch die Prinzenrollen („Cendrillon“), ihre Pirouetten und gleitenden Sprünge – überwiegend in neoklassischen Deutungen.

Beide, Liashenko und Vizcayo, waren in ihren Kompanien sehr erfolgreich. Dennoch entschieden sie sich vor gut einem Jahr, ein neues Kapitel ihrer Karriere aufzuschlagen und sich dem Ballett am Rhein anzuschließen. Dass sie hier ganz andere Stücke und eine Vielzahl von Choreographen erwarten würden, gab wohl den Ausschlag. Ebenso wie Martin Schläpfer, der nicht nur als Choreograph geschätzt wird, sondern auch als erstklassiger und ungewöhnlich einfühlsamer Trainer. Das Sagen hat nun aber Ballettdirektor Remus Sucheana (er verlängerte gerade seinen Vertrag bis 2024): „Er bot mir sofort nach dem Training die Stelle an,“ sagt Liashenko. Darauf ist sie stolz; denn im Normalfall lassen sich Chefs nach dem Vortanzen Zeit, wollen noch andere Bewerber anschauen. Vermutlich überzeugten Sucheana die extrem geschmeidigen und graziösen Arm- und Bein-Bewegungen der Ballerina, bei der Spitzenschuhe wie angewachsen scheinen und die auf der Bühne eine Aura von Schwerelosigkeit vermittelt.

Ihr Vertrag gerade jetzt – vielleicht kein Zufall. Denn im Juni soll ja Schläpfers erster „Schwanensee“ herauskommen. Und wer weiß, welche Rolle eventuelle darin Liashenko übernehmen soll. Zudem spürt man bei Aleksandra einen Hauch der harten russischen Schule, die sie als Elevin in der ostukrainischen Millionenstadt Kharkov (eine Kulturmetropole mit sechs Theatern und vielen Museen) durchlaufen hat. Kaum vorzustellen, dass die zartgliedrige Aleksandra als Kind Schwimmerin werden wollte. Doch, wie in Osteuropa üblich, entschieden Talentsucher, die in die Kindergärten kommen, darüber, dass sie mit drei Jahren in eine staatliche Schule eintrat. Und später das Konservatorium absolvierte.

Liashenko will auch außerhalb der Oper am Rhein auftreten

Nachdem sie mit gerade mal 30 eine steile Karriere im klassischen Fach hinter sich hat – auch als gefragter Gast bei Galas in Paris, Moskau, St. Petersburg und in den USA – sagt sie heute: „Jetzt fühle ich mich freier im neoklassischen Tanz, kann mich freier bewegen und lerne eine neue Technik.“

Liashenko hat einen strammen Trainings- und Reise-Plan; denn sie möchte weiterhin bei internationalen Tanzfesten auftreten, neben den Proben und Vorstellungen in Düsseldorf und Duisburg. Möglich sei das nur durch Absprachen mit Direktor Sucheana. Derzeit ist sie mit in dem neuen Ballettabend b.34 zu sehen. Darin hat sie eine Hauptrolle in Schläpfers ‚Appenzellertänze’.

Im dreiteiligen b.34 tritt auch der Spanier Vizcayo auf, in Marco Goeckes „Geist der Rose“ (Spectre de la rose) nach C.M. von Webers „Aufforderung zum Tanz“. Eine Partie, die der grazile Spanier bereits in Biarritz getanzt hat. Neoklassische Stücke standen dort ebenfalls auf dem Programm, jedoch immer vom dortigen Choreographen Thierry Malandain. Nach neun Jahren wollte Vizcayo unbedingt wechseln, sah Mahlers Siebte Symphonie von Schläpfer in Bilbao, traf ihn dort, bewarb sich mit Videos und wurde nach Düsseldorf eingeladen.

Aufregend findet der junge Athlet, dass er im Ballett am Rhein in so vielen bedeutenden Choreographien tanzen darf – von van Manen, Schläpfer, Balanchine und eben jetzt Marco Goecke. Der klassisch ausgebildete Spanier (in einer Madrider Schule für Sport und Tanz) entschied sich früh für neoklassisches Ballett: „Ich wollte die Zwänge rein klassischen Balletts umgehen.“

Was bei Schläpfer/Sucheana anders ist als in Biarritz? „Hier ist das Ballett keine Familie.“ Man trifft sich zwar im Ballettsaal und bei Proben. „Sonst geht jeder seine eigenen Wege. Eine individuelle Atmosphäre, die ich schätze.“ Daniels nächster Plan: „Ich lerne Deutsch. Die Kurse werden von den Ballettfreunden organisiert.“ Ein Angebot, das sich der vielsprachige Spanier nicht entgehen lässt.

b. 34 Mit Choreographien von Martin Schläpfer, Marco Goecke und Kurt Jooss, zunächst in Duisburg: 1. und 24. März sowie 6. April. Tickets: Telefon 0203/ 283 62 100

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