Der Küchentisch ist ein Symbol für Kommunikation und Genuss. Die WZ nimmt Platz bei Künstlern, die etwas zu erzählen haben. Heute: die Leiter des Theater Flin.

Der Küchentisch ist ein Symbol für Kommunikation und Genuss. Die WZ nimmt Platz bei Künstlern, die etwas zu erzählen haben. Heute: die Leiter des Theater Flin.
Philipp Kohlen-Priebe (li.) und sein Mann Oliver Priebe verantworten seit 2004 die Kleinkunstbühne des Theater Flin.

Philipp Kohlen-Priebe (li.) und sein Mann Oliver Priebe verantworten seit 2004 die Kleinkunstbühne des Theater Flin.

Melanie Zanin

Philipp Kohlen-Priebe (li.) und sein Mann Oliver Priebe verantworten seit 2004 die Kleinkunstbühne des Theater Flin.

Im Frühling und Sommer steht im Haushalt Priebe und Kohlen-Priebe der Küchentisch im Wintergarten. Oder genauer gesagt: Auf der glasüberdachten Terrasse mit Blick auf den Garten. Denn hier gibt den beiden Theaterbetreibern das grelle Sonnenlicht den nötigen Ausgleich zum Alltag. „Wir arbeiten viel im Theater, wo es dunkel ist und es kein Tageslicht gibt. Deshalb genießen wir es so, im grellen Licht zu sitzen und die Sonne zu spüren“, sagt Philipp Kohlen-Priebe. Er und sein Mann Oliver Priebe betreiben seit 2004 das „Kabarett Flin“, zuerst an der Ackerstraße in Flingern, dann am Staufenplatz in Grafenberg. Weil sie dort viel Zeit verbringen, genießen sie den Kontrast, den ihr heller Rückzugsort ihnen bietet: „Wir kommen in der Regel nicht vor zwölf Uhr nachts nach Hause. Wenn wir hier am nächsten Tag aufwachen und im Sonnenlicht frühstücken können, entschädigt das die Dunkelheit.“

Serie: Am

Küchentisch mit...

Seit 20 Jahren leben die beiden Künstler in dem Bungalow in Erkrath, das Oliver von seinen Eltern geerbt hat. Sie sind zwar mit Leib und Seele Düsseldorfer, aber durch die Ruhe und die Nähe zur Natur können sie hier gemeinsam abschalten. „Für die Dinge, die Düsseldorf zu bieten hat, ob Kultur, Kunst oder Nachtleben, müssen wir ein ganzes Stück fahren. Aber das nehmen wir in Kauf, da wir hier zur Ruhe kommen und kreativ arbeiten können“, sagt Oliver.

Der Tisch im Garten ist der Ort, an dem sie arbeiten, Programme lesen und korrigieren, Termine planen oder ihre Stücke schreiben. Oft sitzen sie hier gemeinsam, trinken Kaffee und schauen sich die Bühnenprogramme oder Videos von Künstlern an, die dem Publikum im Flin gefallen könnten. Unter ihrem Glasdach besprechen die beiden aber auch alles andere, was ihnen wichtig ist, wie Aktuelles, Tagespolitik und Privates. „Uns schockiert es manchmal, was für verrückte Menschen in der Welt unterwegs sind und wir fragen uns bei vielen Ereignissen, warum wir uns nicht alle so akzeptieren können, wie wir sind“, sagt Philipp Kohlen-Priebe.

Ihre Freizeit haben die beiden schon immer am Liebsten draußen verbracht. „Auch wenn wir mal eine Feier oder Gäste haben, landen am Ende alle irgendwie hier draußen am Kaffeetisch“, so Oliver. Gäste, so nennen die beiden auch das Publikum in ihrem Theater. „Wir haben kein Publikum, sondern wir empfangen jeden Abend Gäste. So hat man eine andere Einstellung dazu, denn auf Gäste freut man sich“, sagt Philipp. Seitdem sie das Theater Flin leiten, bleibt für Privates wenig Zeit. Deshalb bleibt das Theater sonntags inzwischen geschlossen.

„Früher hatten wir sonntags sogar zwei Vorstellungen, eine nachmittags und eine abends. Jetzt ist der Sonntag für uns heilig. Denn wir können endlich die Dinge tun, die Menschen am Sonntag so tun: Spazieren gehen, die Familie treffen oder einfach ausspannen“, sagt Oliver Priebe. „Da sind wir wie jedes andere alte Ehepaar.“

Die Begeisterung fürs Theater erwachte in beiden schon in der Schulzeit. „Mir war damals schon klar, dass ich etwas in Richtung Theater machen würde“, so Oliver Priebe. Philipp Kohlen-Priebe wurde zunächst Verwaltungswirt. „Aber der Drang, Theater zu machen, war bei mir schon immer da.“ Zu Beginn der 80er Jahre kam auch er endlich zum Theater. Nach Erfahrungen an verschiedenen Theatern gründete Philipp Kohlen-Priebe mit Joachim Meurer das Theaterhaus, wo er seine ersten eigenen Inszenierungen zeigte. Hier lernten sich Oliver Priebe und Philipp Kohlen-Priebe 1994 kennen und wurden schnell ein eingespieltes Team. „Ich glaube, das Geheimnis liegt auch darin, seine Stärken und Schwächen zu kennen. Männer sind da auch pragmatischer. Wir nutzen es stets, wenn einer etwas besser kann“, sagt Kohlen-Priebe. Während er den Garten mit Sommerflieder, Hibiskus und Hortensien bepflanzt, kocht sein Mann gern. „Was gut ist, denn kochen kann ich überhaupt nicht“, scherzt Kohlen-Priebe. In 20 Jahren habe sich herauskristallisiert, wer was kann: „Wenn man sich die Stärken des anderen zu eigen macht, ist man unglaublich stark. Und zusammen sind wir unschlagbar.“

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