Wirtschaft: Im prosperierenden Düsseldorf drückt der Mangel stark. Unternehmen machen bei der Personalauswahl bereits Abstriche.

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Fachkräfte gesucht: IT-Spezialisten sind in der Landeshauptstadt heiß begehrt.

Fachkräfte gesucht: IT-Spezialisten sind in der Landeshauptstadt heiß begehrt.

IHK-Chef Klaus Zimmermann: „Firmen müssen mehr ausbilden.“

dpa und Paul Esser, Bild 1 von 2

Fachkräfte gesucht: IT-Spezialisten sind in der Landeshauptstadt heiß begehrt.

Düsseldorf. Der Fachkräftemangel zieht sich wie ein roter Faden durch die Düsseldorfer Wirtschaft. Laut Industrie- und Handelskammer (IHK) hat jedes fünfte Unternehmen Probleme, hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden. Besonders Ingenieure, Konstrukteure, aber auch IT-Spezialisten und Unternehmensberater werden händeringend gesucht. Und nicht selten entwickeln sich die fehlenden Fachkräfte zur Wachstumsbremse.

„Wir haben einige Schreibtische, die darauf warten, besetzt zu werden“, sagt Stefan Wichert, Bereichsleiter für Managed Test Services des IT-Dienstleisters Logica in Unterrath. Das Unternehmen, das für seine Kunden Software prüft, sucht derzeit 30 Tester – vorzugsweise Informatik- und BWL-Studenten. Eine Bürofläche von 450 Quadratmetern ist für sie reserviert.

Bewerbern fehlt oft die gewünschte Qualifikation

„Pro Stelle erhalten wir drei bis vier Bewerbungen. Aber längst nicht jeder Bewerber weist die gewünschte Qualifikation auf“, sagt Wichert. Deshalb stelle das Unternehmen auch Leute ein, die nur rund 60 Prozent der Anforderungen erfüllten. „Wir schulen die Einsteiger dann intern“, sagt er. Eine junge Theologin zähle mittlerweile zu den besten Testern.

Solche Kompromisse sind auf dem Arbeitsmarkt längst keine Seltenheit mehr. Auch die Unternehmensberatung Accenture im Medienhafen reagiert auf den Mangel an Topleuten. Das Unternehmen, das im deutschsprachigen Raum 5000 Mitarbeiter beschäftigt, hat in der Landeshauptstadt rund 200 Stellen ausgeschrieben – für Wirtschaftsingenieure, Informatiker und Betriebswirte. „Ja, wir müssen um gute Bewerber viel mehr kämpfen als früher“, sagt Geschäftsführer Frank Mang.

Die branchenübliche Reisetätigkeit von vier Tagen pro Woche wirke abschreckend. Um die Stellen trotzdem zu besetzen, gründete Accenture jüngst deutschlandweit kleine Projektbüros in Kundennähe. Dort verweilen die Mitarbeiter für längere Zeit. „Wir versuchen damit, dem Wunsch nach weniger Mobilität und einem Familienleben nachzukommen“, sagt Mang.

Laut Agentur für Arbeit ist die Fachkräftenachfrage in der Kranken- und Altenpflege besonders hoch. Allein der Caritasverband Düsseldorf meldet 16 offene Stellen.

Auch Erzieher und Kinderpfleger werden in der Landeshauptstadt gesucht – rund 50 zu besetzende Stellen.
 

Für Steuerfachangestellte sind über 60 offene Stellen gemeldet. Zudem gibt es rund 70 freie Stellen für Speditionskaufleute. An Ärzten mangelt es ebenfalls.

IHK-Geschäftsführer Klaus Zimmermann begründet den wachsenden Mangel an Fachkräften mit der anziehenden Auftragslage nach der Finanzkrise, der demographischen Entwicklung und dem großen Jobangebot auf dem Arbeitsmarkt – das Problem ist also vielschichtig.

IHK: Studenten sollten mit Praktika mehr gefördert werden

„Die Hochschulabsolventen können die Nachfrage nicht decken“, sagt er. Technische Berufe gelten als schwierig. Viele junge Menschen entscheiden sich trotz glänzender Perspektiven häufig für einen anderen Beruf. „Wir gehen seit Jahren in Schulen und versuchen, den Nachwuchs zum Beispiel für Ingenieurberufe zu begeistern. Aber auch die Betriebe sind gefordert“, sagt er. So sollten Studenten vermehrt durch Praktika und Diplomarbeiten den Weg in die Unternehmen finden. Doch der Aufwand ist vielen Firmen zu groß.

„Unsere Kunden wünschen meist erfahrene Fachkräfte. Das macht die Suche nicht leichter“, sagt Desiree Bruver-Leske, Personalreferentin vom Ingenieurdienstleister Ferchau Engineering in Unterrath. „Wir suchen derzeit 33 Mitarbeiter für Düsseldorfer Betriebe – Ingenieure und Konstrukteure im Sondermaschinenbau sind gefragt.“ Aber eben keine Akademiker. Denn die müssten zunächst teure Fortbildungen durchlaufen. „So löst man das Problem des wachsenden Fachkräftebedarfs nicht“, sagt Zimmermann. Selbst auszubilden sei wichtiger denn je.

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