Eine Umfrage zeigt erschreckend hohe Zahlen. Experten uneins in der Interpretation.

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Auch junge Kinder bleiben schon häufig der Schule fern, von zehn Prozent an Grundschulen ist in der Studie die Rede.

Auch junge Kinder bleiben schon häufig der Schule fern, von zehn Prozent an Grundschulen ist in der Studie die Rede.

Arno Burgi/dpa

Auch junge Kinder bleiben schon häufig der Schule fern, von zehn Prozent an Grundschulen ist in der Studie die Rede.

Düsseldorf. Schüler ohne Abschluss, verschärfter Leistungsdruck, Mobbing – das Leben als Schüler scheint heute kein leichtes zu sein. Viele Kinder und Jugendliche entziehen sich, indem sie häufig oder dauerhaft gar nicht mehr hingehen. Nun gibt es eine neue Umfrage, die das Thema in Düsseldorf beleuchtet. Die Zahlen sprechen für eine klare Verschärfung des Problems.

Die Seminar für Erziehungshilfe der Uni Köln befragte im Auftrag der Düsseldorfer Fachstelle Schulverweigerung sämtliche Grund-, Haupt-, Real-, Gesamt- und Förderschulen sowie Gymnasien. 43 Prozent der Schulleitungen beteiligten sich, nur bei den vier Gesamtschulen reichte die Rücklaufquote nicht für ein repräsentatives Ergebnis.

Thema des Tages Schulverweigerer

Zehn oder mehr unentschuldigte Fehltage im Jahr setzten die Wissenschaftler als Kriterium an. An den Förderschulen kommen mehr als ein Drittel der Schüler auf diesen Wert (Mädchen: 37, Jungen 35 Prozent). An den Hauptschulen liegt der Wert bei knapp 25 Prozent, bei Realschulen bei rund 13 Prozent und an Gymnasien bei etwa sieben.

Für viele sicher besonders überraschend ist die hohe Zahl an den Grundschulen: gut zehn Prozent ist das Ergebnis der Befragung. Die letzten Düsseldorfer Zahlen stammen aus einer städtischen Umfrage von 2003. Damals wurde die Zahl an den Grundschulen noch mit weniger als einem Prozent angegeben. Förderschulen wurden nicht abgefragt, die Hauptschulen hatten mit neun Prozent den höchsten Wert.

Es sind nicht überwiegend schwache Schüler, die schwänzen

Wie erklärt sich diese enorme Zunahme? Möglicherweise zum Teil durch methodische Unterschiede. Stefan Drewes von der Schulpsychologischen Beratungsstelle zumindest hat keine merkliche Zunahme festgestellt. „Es gibt viele Angebote in Düsseldorf, die Aufmerksamkeit für das Thema hat zugenommen.“

Die neue Gruppe trifft sich am Mittwoch um 19 Uhr zum ersten Mal. Den Ort möchte Ulrike Sennhenn nicht öffentlich nennen. Details erfährt man von ihr entweder telefonisch unter 9954 8407 oder per E-Mail an: info@place2grow.de

Andere sehen das anders, zum Beispiel Dr. Marco Walg, der am LVR-Klinikum viele überlastete Schüler mit psychosomatischen Beschwerden sieht: „Der Druck auf die Schüler nimmt zu, die Zahl der Schulverweigerer auch.“

Auch Peter Zerfaß von der Fachstelle Schulverweigerung hält die Zahlen für glaubwürdig. Er denkt eher, dass die Zahlen der Gymnasien niedrig angesetzt sein könnten: „Die Umfrage zeigt auch, dass die Kontrolle dort weniger konsequent betrieben wird.“

Weitere Erkenntnis der Umfrage: Es gibt keine klare Abhängigkeit von den Leistungen, die meisten Schwänzer liegen da eher im mittleren Bereich. Zerfaß und Drewes sind sich einig, dass die Gründe sehr unterschiedlich sind. Drewes: „Bei manchen ist es Angst, da sind Druckmittel der falsche Weg. Bei anderen dagegen fehlt die Unterstützung von zu Hause.“

Aufgefallen ist Zerfaß zudem, dass neben den 14- bis 15-Jährigen auch die 10- bis 11-Jährigen stark vertreten sind. Als Grund vermutet er, dass viele Kinder mit dem Wechsel an die weiterführende Schule nicht klarkommen.

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