Inzwischen sind 54 Anzeigen bei der Polizei eingegangen. Tatverdächtige konnten bisher nicht ermittelt werden. Bereits am Samstag beteiligten sich 50 Menschen an der ersten Aktion der Gruppe „Düsseldorf passt auf“.

Bürgerwehr Düsseldorf
Wegen der Vorfälle in der Silvesternacht in Köln hatte sich die "Bürgerwehr" gegründet. In Fünferreihen zogen die selbsternannten „Aufpasser“ am Samstagabend durch die Altstadt.

Wegen der Vorfälle in der Silvesternacht in Köln hatte sich die "Bürgerwehr" gegründet. In Fünferreihen zogen die selbsternannten „Aufpasser“ am Samstagabend durch die Altstadt.

Melanie Zanin

Wegen der Vorfälle in der Silvesternacht in Köln hatte sich die "Bürgerwehr" gegründet. In Fünferreihen zogen die selbsternannten „Aufpasser“ am Samstagabend durch die Altstadt.

Düsseldorf. Die Zahl der Anzeigen von Frauen wegen sexueller Nötigung in der Silvesternacht in der Düsseldorfer Altstadt ist inzwischen auf 54 gestiegen. Wie die Polizei unserer Redaktion auf Nachfrage mitteilte, konnten jedoch noch keine Tatverdächtige ermittelt werden. Die Polizei will nun die Opfer vernehmen. 

Am Samstagabend hatte sich derweil eine Gruppe von knapp 50 Personen vor dem Rathaus getroffen, um in Kleingruppen durch die Altstadt zu ziehen und „Präsenz zu zeigen.“ Sie waren einem Aufruf der Facebook-Gruppe „Düsseldorf passt auf“ gefolgt, die sich nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Köln gegründet hatte. Ziel der Aktion sei es, „Opferschutz zu betreiben und Frauen ein sicheres Gefühl geben“.

"Bürgerwehr" sorgte bei Altstadtbesuchern für Unmut

Laut Polizei kam es während des Rundgangs zu kleineren verbalen Auseinandersetzungen zwischen der Gruppe und Personen, die dem linken Spektrum zuzuordnen seien. Außerdem habe das Auftreten der Gruppe bei manchen Altstadtbesuchern für Unmut gesorgt.

Die Gruppe, die überwiegend aus Männern mittleren Alters bestand, traf sich gegen 20 Uhr und verteilte sich dann in der gesamten Altstadt, unter ihnen auch einige polizeibekannte Personen.

Darüber, ob diese Personen einer bestimmten politischen Richtung zuzuordnen sind, machte die Polizei keine Angaben. Die Gruppe selbst hat ein offizielles „Regelwerk“ aufgesetzt, das jeder vor der Teilnahme unterschreiben musste. Darin heißt es, die Gruppierung sei „frei von jeder politischen Richtung und jeder Religion“. 

Linkes Bündnis spricht von "gewaltbereiten Hooligans"

Das linke Bündnis "Düsseldorf stellt sich quer" kritisierte die neue Bürgerwehr scharf. Bei den Rundgängen hätten Mitglieder der Hooligangruppe "Bushwhackers" und der rechten Fortunafangruppe "Fortunaterror" teilgenommen. „Mit großer Sorge beobachten wir, dass gewaltbereite Hooligans und Rechte in Gruppen als Bürgerwehr durch die Altstadt ziehen und dort Polizei spielen dürfen“, erklärt Oliver Ongaro, Sprecher des linken Bündnisses. 

Bereits am Freitag hatte sich eine deutlich kleinere Gruppe am Hauptbahnhof getroffen, um ihr Vorgehen zu planen. Obwohl sich die Gruppe nicht als „Bürgerwehr“ bezeichnen will, tritt sie bisweilen wie eine auf, wenn die Mitglieder in Fünferreihen langsam durch die Altstadt gehen. Die Polizei, die das Auftreten der Gruppe wegen des Gewaltmonopols des Staates ablehnt, hatte ihre Präsenz in der Altstadt am Wochenende zusätzlich verstärkt – auch um Übergriffe durch oder auf die „Aufpasser“ zu verhindern.

Der Initiator der Aktion kündigte an, dass man an den kommenden Wochenenden auch am Hauptbahnhof und in den Stadtteilen unterwegs sein wolle. Bis Sonntagabend registrierte die Facebook-Seite „Düsseldorf passt auf“ mehr als 12 600 Mitglieder.

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