Biologie-Studentin wollte keine Mäuse aufschneiden.

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Frauke Spengler will Tiere retten, nicht sezieren.

Frauke Spengler will Tiere retten, nicht sezieren.

Bernd Schaller

Frauke Spengler will Tiere retten, nicht sezieren.

Düsseldorf. Frauke Spengler hat ein Ziel: Sie will tierversuchsfreie Testmethoden in der Industrie erforschen und weiterentwickeln. Damit keine Tiere mehr für Lippenstifte und Hustensäfte leiden müssen. Deshalb studiert die 21-Jährige im dritten Semester Biologie an der Heinrich-Heine-Uni. Und ausgerechnet bei dem Studium, mit dem sie ihren Traum verwirklichen will, sollte sie jetzt Fische, Mäuse und Hühner aufschneiden. Zu Testzwecken.

Das Zoologie-Praktikum in zwölfmal vier Stunden ist eine Pflichtveranstaltung. „Wir gehen davon aus, dass Biologie-Studenten ein Interesse mitbringen, wie das Innenleben eines Tieres aussieht“, sagt Uni-Sprecher Joachim Tomesch. Bislang habe es in dem Kurs nie Studenten gegeben, die sich aus moralischen Gründen verweigerten.

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Das stellt Frauke Spengler ganz anders dar: Allein in ihrem Kurs hätten mehrere weitere Studenten nicht am Sezieren teilnehmen wollen. „Zwei sind weinend hinausgelaufen. Sie wurden aber zurückgeholt mit der Ansage, sie würden den Schein für das Praktikum nicht bekommen, wenn sie nicht mitmachen.“

Diesen Zwang kann die Studentin nicht nachvollziehen. Joachim Tomesch hält dagegen, seziert werde stets in Gruppen – halte sich ein zart besaiteter Student da eher zurück, werde er nicht des Kurses verwiesen. Doch auch das sei falsch, behauptet Frauke Spengler. Zumindest die Mäuse habe man einzeln untersucht. „Da wurde genau darauf geachtet, dass man wirklich selbst das Skalpell anlegte.“ Wer nach Handschuhen verlangt habe, über den habe der Dozent noch gespottet, richtige Biologen brauchten so etwas nicht.

Andere Studenten beklagen sich laut Joachim Tomesch über zu wenig Praxis im Studium. Frauke Spengler hätte die Tierorgane lieber aus Lehrfilmen oder Computersimulationen kennen gelernt. Für sie steht fest: Sie wird später in ihrem Job ohnehin nie ein Skalpell in die Hand nehmen.

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