Wolfgang Scheffler über Protest von Eltern und die ungleiche Behandlung von Schulen.

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Wolfgang Scheffler sieht bei der CDU in Düsseldorf noch Aufholbedarf gegenüber den Kollegen im Land.

Wolfgang Scheffler sieht bei der CDU in Düsseldorf noch Aufholbedarf gegenüber den Kollegen im Land.

J. Michaelis

Wolfgang Scheffler sieht bei der CDU in Düsseldorf noch Aufholbedarf gegenüber den Kollegen im Land.

Düsseldorf. Die Schulen der Stadt haben einen guten Ruf. Allerdings häuften sich zuletzt Probleme beim Ausbau der Infrastruktur für den Ganztagsbetrieb, Sanierungen wurden aufgeschoben. Wir wollten vom Vorsitzenden des Schulausschusses, Wolfgang Scheffler (Grüne), wissen, was geschehen muss, und wie er die Chance auf einen Schulfrieden sieht.

Herr Scheffler, wie die WZ berichtet hat, kürzt die Stadt den Etat für Schulsanierungen von 30 auf 24 Millionen Euro. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?

Scheffler: Planungsdezernent Gregor Bonin hat gerade einen Beitrag geschrieben, da heißt es: „Unsere Wertschätzung von Bildung spiegelt sich in den Klassenräumen und Schulgebäuden wider.“ Die Realität ist das Gegenteil. Die Berufskollegs sind zum Teil in einem furchtbaren Zustand. Getan wird erst etwas, wenn ein Schulleiter Alarm schreit, weil es durch die Decke regnet. Das kann doch nicht der Anspruch der Stadt sein.

Eltern des Gymnasiums Am Poth traten im Beschwerdeausschuss auf – ein Affront gegen Ihren Ausschuss?

Scheffler: Ich kann nur alle Eltern auffordern, sich Gehör zu verschaffen. Ein weiteres Beispiel: Das seit Jahren marode Albrecht-Dürer-Berufskolleg. Die Politik hat den Auftrag für einen Neubau erteilt, die Stadt würde lieber sanieren. Geschehen ist nichts. Und ob etwas passiert, weiß ich nicht.

Wolfgang Scheffler ist 1944 geboren und war über 30 Jahre lang Chemielehrer am „Lessing“ in Oberbilk. Bei den Grünen ist er seit 1987. Er war fünf Jahre Bürgermeister, leitete zehn Jahre den Umweltausschuss und seit 2004 den Schulausschuss.

Viele Klagen kommen auch von den weiterführenden Ganztagsschulen. Hat die Stadt sich übernommen?

Scheffler: Als das Programm begann, hat Düsseldorf „Hier!“ geschrien. Aber der Masterplan für die Sanierungen war älter und man kann nicht das neue Programm über das alte finanzieren. Das Problem ist doch: Es fließen keine zusätzlichen Mittel. An den Schulen ist durch den fahrlässig verursachten Sanierungsstau viel Vertrauen zerstört worden.

Führt das nicht auch zu Verteilungskämpfen, die das Klima der Schulen untereinander vergiften?

Scheffler: Schauen Sie sich die Pädagogische Übermittagsbetreuung, kurz Püb, an. Die Gymnasien, die keinen Ganztag machen, müssen ein Mittagessen anbieten, weil auch die Fünftklässler wegen der verkürzten Gymnasialzeit (G8) schon Nachmittagsunterricht haben. Da wurden schnelle und einfache Lösungen gefunden, das ist kein Konzept, das ist ein Pflaster für G8. Die Schulen, die in den Ganztag gestartet sind, warten dagegen zu großen Teilen noch auf die Infrastruktur. Die schauen in die Röhre. Einige überlegen sogar schon, wieder aus dem Ganztag auszusteigen.

Haben Sie eine Lösung für die Probleme?

Scheffler: Es gibt zwar eine Prioritätenliste, auf der steht, wann an welcher Schule gebaut werden soll. Aber die ändert sich ständig und die Bauverwaltung sagt: Wir haben kein Geld und kein Personal, das umzusetzen. Da fühlen wir im Schulausschuss uns auf den Arm genommen. Angesichts der jüngsten Sparmeldungen fürchte ich: In dem Moment, als sie uns vorgelegt wurde, hat die Verwaltung zumindest schon geahnt, dass die Liste Makulatur ist.

Sparen und Schulen umbauen – wie geht das zusammen?

Scheffler: Die Stadt muss sich überlegen, was ihr wichtig ist, die Kö oder die Menschen, die in der Stadt leben. Die Schuldenfreiheit ist für mich kein Selbstzweck. Jeder Mensch weiß, dass ein Zinssatz von 1,5 Prozent ein guter Moment für rentierliche Investitionen ist. Ich bin sicher, für Investitionen in Bildung gibt es in der Bevölkerung eine Mehrheit.

Mit der Karl-Röttger-Tagesschule schließt wieder eine Hauptschule. Die Eltern sind verunsichert.

Scheffler: Wir als Politik laufen da nur hinterher. Wir können nichts anderes machen, wenn die Anmeldungen ausbleiben. Ein weiteres Problem ist, dass immer mehr Schüler mit eingeschränkten Empfehlungen auf die Gymnasien gehen. Viele von denen landen zwei Jahre später doch auf anderen Schulen. Eine Alternative für diese Kinder könnte die Sekundarschule sein.

... die das Ergebnis des Schulfriedens im Landtag ist.

Scheffler: Wenn daraus ein Gesetz wird, würden mir für Düsseldorf schon ein oder zwei Standorte einfallen, etwa die Karthause-Hain-Schule, die ausläuft. Die Sekundarschule ist nicht nur die Antwort auf das Hauptschul-Problem. Sie bedeutet auch längeres gemeinsames Lernen, kleinere Klassen.

Die CDU in Düsseldorf will aber Profilverbundschulen. Ein Schulfrieden scheint hier nicht in Sicht?

Scheffler: Die CDU hat noch nicht gemerkt, dass der Wind sich gedreht hat, das sagen sogar die Parteifreunde aus dem Landtag.

Gibt es denn auch etwas Positives über die Schullandschaft zu sagen?

Scheffler: Wir haben eine sehr engagierte Elternschaft. Da gibt es viele Leute, die sich sehr einsetzen und mit dieser Einstellung auch Einsatz von der Stadt verlangen. Auch die Schulen machen den Mund auf. Das gefällt mir.

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