Preacher-Slam im Museum Kunstpalast: Ungewöhnliche Mischung.

Preacher-Slam im Museum Kunstpalast: Ungewöhnliche Mischung.
Margerete Preis beherrscht die Predigt – und den Slam.

Margerete Preis beherrscht die Predigt – und den Slam.

Judith Michaelis

Margerete Preis beherrscht die Predigt – und den Slam.

Düsseldorf. Die jahrhundertalte Tradition der Predigt beherrscht sie zweifellos. Margarete Preis ist Prädikantin in Düsseldorf. Doch vergangenen Donnerstag predigte sie nicht, sie slammte. Preacher-Slam heißt diese Mischung. Eingeladen hatte der Slam-Poet Bernard Hoffmeister anlässlich der Ausstellung „Cranach. Meister - Marke - Moderne“ im Museum Kunstpalast. Besonders ist hierbei, dass zwei Pfarrer zum Thema Luther zwei erfahrenen Slammern gegenüber stehen. Mit bissigem Witz treten die Pfarrer Margerete Preis und ihr Kollege Holger Pyka auf.

Die Düsseldorfer Prädikantin nimmt die Zuhörer mit zur Teatime im Himmel. Humorvoll erzählt sie von der dortigen Digitalisierung. Dabei nimmt sie Bezug auf Luther, der die kirchlichen Strukturen kritisierte. „Kirche muss sich stets reformieren, sonst ist sie eine Mogelpackung.“

Pfarrer Pyka zeichnet ein düsteres Bild der Zukunft. Er erzählt die Geschichte einer überlebenden Luther-Badeente in einer Post-Trump-Atomapokalypse. Luther und heutige Politik verarbeitet ebenfalls Johannes Berger. 2014 wurde der Slammer deutschsprachiger U20-Meister. Er zeigt zunächst die negativen Seiten des Kirchen-Rebells: Luther der Antisemit. In seiner Geschichte spricht das ein Enkelkind beim Weihnachtsessen an. Ein Eklat. Der Großvater, ein Lutherfan, ist außer sich. Geschickt verknüpft Berger den aufbegehrenden Luther mit Aktuellem. „Geh demonstrieren gegen heutigen Rassismus und Antisemitismus“, ruft der Großvater. Slammerin Sira Busch hingegen stellt den Reformator als ungeschicktes Kind dar und erzählt seine Biographie des Scheiterns.

Die zweite Runde ist frei von thematischen Zwängen, nur Margerete Preis hat sich wieder mit der Religion beschäftigt. Erneut Teatime im Himmel, geladen hat Frau Weisheit. Nicht alles solle man glauben, was irgendwo geschrieben ist. Gekonnt und witzig schlüsselt sie das Spannungsverhältnis zwischen Glaube und Wissenschaft auf. Ist also Wissenschaft für die Schlauen und Kirche für die Dummen? „Dann wären die Kirchen sehr voll.“ Das Pfarrerteam gewinnt, Einzelsiegerin wird Sira Busch.

Auch ein unreligiöser Mensch kommt beim Preacher-Slam auf seine Kosten. Insbesondere, wenn die Pfarrer so klug und kritisch wie Holger Pyka und Margerete Preis schreiben. Auch die routinierten Slammer finden einen spannenden Zugang zum für sie ungewohnten Thema. Für Margerete Preis war es ihr dritter Slam. Sie sagt, sie nehme etwas aus der Predigt mit in den Slam und auch umgekehrt.

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