Nach dem Zoch feiern die Jecken privat oder ziehen in die Altstadt. In den Kneipen haben die Kellner um 16 Uhr schon die Tabletts voll.

Christoph Bock, Tochter Louisa und Karin Fischer im Jeck Jedöns (l.), Regine Blume und Angela Zimmermann im „Schlüssel“.
Christoph Bock, Tochter Louisa und Karin Fischer im Jeck Jedöns (l.), Regine Blume und Angela Zimmermann im „Schlüssel“.

Christoph Bock, Tochter Louisa und Karin Fischer im Jeck Jedöns (l.), Regine Blume und Angela Zimmermann im „Schlüssel“.

Montagnachmittag im „Füchschen“: Die Narren machen den Tag zur Party-Nacht.

Montagnachmittag im „Füchschen“: Die Narren machen den Tag zur Party-Nacht.

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Christoph Bock, Tochter Louisa und Karin Fischer im Jeck Jedöns (l.), Regine Blume und Angela Zimmermann im „Schlüssel“.

Düsseldorf. "Hütt is so ne schöne Tach, lalalalala..." - so schallt es durch die Bolkerstraße in der Altstadt. Bunt verkleidete Karnevalisten - besonders beliebt sind riesige Afroperücken und schräge Brillen - schließen sich spontan zu Polonaise-Schlangen zusammen, umkurven Bierstände und ziehen jeden mit, der nicht schnell genug zur Seite springen kann. 200 Meter weiter, in der Nähe des Marktplatzes, springen tausende Jecken auf und ab und verkünden laut singend: "Wir feiern die ganze Nacht!"

An offenen Fenstern in der Berger Straße tanzen die Menschen auch lange nach dem letzten Umzugswagen weiter. In der Ratinger Straße stehen die Jecken derweil in Schlangen vor den Kneipen und warten auf Einlass. Überall helaut und bützt es. Die Altstadt am Rosenmontag - ein verrückter Partyhaufen.

Je nach Stimmung und Biervorrat geht es vom Balkon in die Kneipe

"Heeelaaaauu!", lautet die stürmische Begrüßung in der ersten Etage des Karnevalsgeschäfts "Jeck Jedöns", wo kurz vor 13 Uhr rund 25 Kostümierte den Beginn des Rosenmontagszuges erwarten. Die Verkaufsregale stehen in einer Ecke, es gibt reichlich Platz vor den drei weit geöffneten Fenstern. "Hier herrscht das pure Karnevalsfieber", sagt Geschäftsführerin Andrea Göbel.

Aus zwei riesigen Lautsprechern dröhnt ein Karnevalshit nach dem anderen. Seit sieben Jahren feiert sie mit Freunden und Bekannten den Rosenmontag im Geschäft und sorgt zugleich für die musikalische Beschallung der Berger Straße. "Heute Abend kommt es auf die Stimmung und den Biervorrat an, wie lange es geht und wo wir noch einkehren", erklärt Göbel - und schunkelnd weiter.

Auch Kinder sind dabei und haben sichtlich Spaß. "Für die ist das super und es gibt kein Gedrängel wegen der Kamelle", sagt Christoph Bock, dessen Tochter Louisa (10) am Fenster steht und Süßigkeiten fängt.

Auf dem Weg von Kneipe zu Kneipe waren wieder die schrägsten Verkleidungen zu sehen. Besonders witzig: Die "Ärzte ohne Promillegrenzen" oder ein junger Mann mit einem Schild mit der Aufschrift: "Lassen Sie mich zum Arzt, ich bin durch".

Unten in der Altstadt tummeln sich derweil Tausende am Zugweg. Doch nicht nur hier wird gefeiert. Viele haben sich schon vor Ende des Zochs in ihre Lieblingskneipe begeben, um die besten Plätze zu reservieren. "Wir sind schon länger da, weil es hier noch etwas frische Luft gibt", ruft Kirsten Scholz, die auf einer Bank an einem Fenster des "Füchschens" in der Ratinger Straße tanzt.

"Wir wollten eigentlich nur am Hauptbahnhof umsteigen, sind dann aber hier geblieben."

Draußen steht eine lange Schlange, drinnen ist es brechend voll. Die Jacken stapeln sich in den Fenstern, auf Lautsprechern und unter Bänken. "Wer die Anzahl seiner Bierchen im Griff hat, findet seine Jacke auch wieder", meint Scholz. Vier Sauerländer im "Weißen Bären" an der Bolkerstraße verfolgen eine andere Taktik. "Am besten weniger anziehen und dafür mehr trinken", rät Jonas Schlotmann, der mit seinen Kumpanen zufällig in der Altstadt gelandet ist. "Wir wollten eigentlich nur am Hauptbahnhof umsteigen, sind dann aber hier geblieben."

Die Narren überschlagen sich vor Fröhlichkeit und tanzen ohne Pause. Viele machen den Tag zur Party-Nacht. Die Helden des Karnevals sind die Köbesse, die die Gäste mit flüssigem Nachschub versorgen. "Das ist ein Knochenjob, Tabletts mit 30 Gläsern durch die tanzende Menge zu jonglieren", sagt Dirk Rouenhoff, Braumeister im "Schlüssel" an der Bolker Straße. Auch dort ist schon einiges los. "Wir sind seit 30 Jahren jeden Rosenmontag hier und feiern durch", sagt "Leopardin" Regine Blume.

Auf den Straßen sammeln sich derweil die närrischen Massen. Nur ein Teil ist heimgegangen. Dank Sonnenschein und Windstille geht das bunte Treiben noch lange an der frischen Luft weiter. Erst ab 17 Uhr füllen sich auch die letzten Kneipen. Und aus jeder zweiten Tür schallt es wieder: "Wir feiern die ganze Nacht..."

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