Die Stadt stellt sich auf extreme Verhältnisse am Wochenende ein. Die Sicherheitskräfte sind gerüstet.

Düsseldorf. "Wir bekommen einen neuen Lauf." Wenn Ortrun Roll, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst, das sagt, meint sie, dass es in der kommenden Nacht zu schneien beginnen soll, dann den ganzen Samstag über, hinzu kommt starker Wind. "Das ist brisant", warnt Roll. "Und es bleibt sehr kalt. So lange Frostperioden sind für die Region sehr ungewöhnlich." Die Stadt rüstet sich für den Schneefall - unter erschwerten Bedingungen. Der Awista geht am Samstag voraussichtlich das Streusalz aus, um alle Straßen zu räumen - zudem fehlen ihr Fahrzeuge. Die Rheinbahn will sich diesmal dennoch besser präsentieren als beim Wintereinbruch vor Weihnachten: "Wir haben mit der Awista detailliert abgesprochen, wo wir dringend rechtzeitig Streusalz brauchen, zum Beispiel auf der Ludenberger Straße hoch nach Ludenberg und Gerresheim", sagt Sprecher Georg Schumacher. Wenn es schneie, seien ein Dutzend Bahnen in der Nacht auf "Spurfahrt" unterwegs, um das Schienennetz halbwegs freizuhalten. Schumacher: "Wenn morgens zu viel Schnee auf den Gleisen liegt, können vor allem die Niederflurbahnen nicht starten." Trotz aller Vorbereitungen empfiehlt er den Fahrgästen, Zeit mitzubringen. Gedanken um Auswirkungen des erwarteten Schneefalls macht man sich auch bei Polizei und Feuerwehr. Die Autobahnpolizei hält Reservekräfte vor, die notfalls aktiviert werden. Auch die Feuerwehr hat Personal auf Bereitschaft. Jede Drehleiter und jedes Löschfahrzeug ist mit Schneeketten ausgerüstet. Zusätzlich gibt es fest installierte Schleuderketten, die per Knopfdruck automatisch Ketten unter die Reifen schleudern. "In Stadtteilen wie Gerresheim könnte es kritisch werden", sagt Feuerwehrsprecher Hans Jochen Hermes. 2008 hat die Wehr extra einen Geländewagen der Bundeswehr zum Rettungswagen umgebaut, um etwa Verletzte nach Rodelunfällen auf dem Segelflugplatz bergen zu können. Das Fahrzeug ist pünktlich zum ersten Schnee zur Wache in Gerresheim "versetzt" worden. Wegen der drohenden Glätte rechnet auch Unfallchirurg und Orthopäde Dr. Norbert Schmitz vom Gerresheimer Krankenhaus mit mehr Knochenbrüchen, verdrehten Gelenken oder gerissenen Bändern. "Vorsichtshalber haben wir schon mehr Material angefordert", sagt Schmitz. Zu Engpässen dürften es allerdings nicht kommen. Dafür sorgt auch das Düsseldorfer Traumanetz, zu dem sich Unfallchirurgen zusammengeschlossen haben: Wird es in einer Notaufnahme zu eng, werden die Kollegen der anderen Kliniken informiert und Patienten notfalls umgeleitet. Vorerst setzen beispielsweise EVK, Augusta und St. Vinzenz jedoch auf Routine.

Zelt bietet Platz für neun Menschen - Anbau möglich

Am meisten zu schaffen macht der Dauerfrost ohnehin denjenigen, die auf der Straße leben. Wie im Vorjahr hat OB Dirk Elbers daher Donnerstag ein Zelt als Notschlafstelle am Rheinufer (Höhe Schulstraße) aufstellen lassen. 2009 hatten in zehn Tagen 68 Personen in den Zelten übernachtet. "Wir erwarten, dass wir jetzt wieder vier bis fünf Menschen pro Nacht hier haben", sagt Mirco Nevermann vom Roten Kreuz. Tee, Kaffee und neun Betten stehen bereit - hält der Frost an, können kurzfristig drei weitere Zelte angebaut werden

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