Anna Calvi hat die Musik zum Bühnenspektakel „Der Sandmann“ geschrieben. Zur Premiere kam sie nach Düsseldorf.

Anna Calvi hat die Musik zum Bühnenspektakel „Der Sandmann“ geschrieben. Zur Premiere kam sie nach Düsseldorf.
Freude und Erleichterung: Intendant Wilfried Schulz (li.) hat viel in Bewegung gesetzt, damit Robert Wilson im Großen Haus inszenieren konnte.

Freude und Erleichterung: Intendant Wilfried Schulz (li.) hat viel in Bewegung gesetzt, damit Robert Wilson im Großen Haus inszenieren konnte.

Zum Schlussapplaus: Die britische Musikerin Anna Calvi (mit Mikro) kam zur „Sandmann“-Premiere und sang bei der Zugabe einen von ihr geschriebenen Song mit.

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Freude und Erleichterung: Intendant Wilfried Schulz (li.) hat viel in Bewegung gesetzt, damit Robert Wilson im Großen Haus inszenieren konnte.

„Der Sandmann“ - so wie ihn Robert Wilson auf die Bühne bringt - ist ein Spektakel von internationalem Format. Nichts von berührender Innerlichkeit. Dafür eine Mischung aus Grusical, Revue und lautstarker Rocky-Horror-Comic-Show. Ein Stück aus dem Zauberkasten des Alt-Meisters der Künstlichkeit und überzüchteten Knalleffekte, von Bühnen-Hightech, raffinierter Lichtregie und schnurrigen, manchmal einlullenden Liedern und aufpeitschender Geräuschkulisse. Diesmal komponiert von der britischen Popmusikerin Anna Calvi.

Nach der rauschenden Premiere Samstagabend sprangen die Zuschauer begeistert auf. Man verneigt sich vor einer Riesen-Show mit einem Hauch Hollywood. Das hat man in Düsseldorfs Theatern in der Art noch nicht erlebt. Es war die erste Premiere in der Ära Schulz im Schauspielhaus am Gründgens-Platz. Wegen Groß-Baustelle ist der Eingang nur über den Hofgarten zu erreichen. Wochen vorher war sie ausverkauft, der Name des weltberühmten Robert Wilson lockt die Kultur-Szene.

Zehn Minuten stehende Ovationen für ihn, Anna Calvi und die Schauspieler, die in der abgezirkelten Wilson-Choreographie wie designte Comic-Puppen mit angewinkelten Armen umherschwirren. Danach zwei Song-Zugaben. Der Clou: Anna Calvi – zart und zerbrechlich von Gestalt, stark von Stimme – nahm das Mikro und sang mit Hauptdarsteller Christian Friedel einen ihrer acht Songs. Erst nach dem endgültigen Finale – einer Wiederholung des hitverdächtigen Songs „True lies“ (Wahre Lügen) – waren die Fans bereit, im Foyer zu feiern.

Sängerin, Komponistin und Gitarristin Anna Calvi war kurz vor der Premiere angereist.

Frau Calvi, Sie kommen gerade aus London?

Anna Calvi: Ich habe morgens noch im Tonstudio mein drittes Album aufgenommen, der Titel steht aber noch nicht fest. (Der Sandmann-Titel „I whip the Night“ soll darauf erscheinen)

Ist es das erste Mal, dass Sie Musik für ein Theaterstück komponierten?

Calvi: Ja, es hat großen Spaß gemacht. David Byrne, Frontmann der Gruppe Talking Heads, hat mir Robert Wilson vorgestellt. Und der fragte mich, ob ich für „Sandmann“ die Musik schreiben würde.

Kannten Sie seine Arbeit?

Calvi: Weniger seine Opern-Inszenierungen, aber Wilsons „Black Rider“, mit dem er 1990 international bekannt wurde. Und natürlich die Musik von Tom Waits.

Was hat Sie überzeugt?

Calvi: Ich hatte E.T.A Hoffmann nicht gelesen, aber ich war von der Verrücktheit und dem Wahnsinn des Jungen Nathanael angezogen. Es ist verführerisch, sich, wie Nathanael es macht, in der Imagination zu verlieren.

Wie haben Sie die Lieder und die „Sandmann“-Musik komponiert?

Calvi: Ich war drei Wochen bei den Proben in Düsseldorf. Wilson hat mit den Schauspielern geprobt, ohne Text. Er hat mit ihnen im Kostüm und mit Masken improvisiert, mit ihnen wie mit Tänzern gearbeitet. Dann hat er Stimmungen vorgegeben, dunkle oder helle. Mit diesen Endrücken habe ich dann in London versucht, Wilsons Visionen in Musik zu bringen. Mehrere Wochen, zwölf Stunden am Tag, habe ich daran gearbeitet.

Haben Sie sich in eine der Figuren verliebt?

Calvi: In Nathanael. Seine fröhliche Verrücktheit hat mich zu den Musikstücken inspiriert. Zumal Christian Friedel ein fantastischer Schauspieler und Sänger ist.

Ist Wilsons Arbeit nicht extrem künstlich?

Calvi: Nur auf den ersten Blick. Er schaut auf die Menschen aus der Perspektive eines Alien und entdeckt dabei das wahrhaft Menschliche. Daher ist für mich der „Sandmann“ kein Musical, sondern eine Oper.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Calvi: Durch meine italienische Familie. Als Kind habe ich viele Opern-Platten mit Maria Callas gehört. Mit sechs habe ich Geige gelernt, mit acht Gitarre. Aber klassische Musik wollte ich nicht machen, da ich dann immer Stücke von anderen spielen oder singen muss. Ich wollte selber komponieren und diese Stück singen.

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