Die zentrale Impfstelle hat noch Pandemrix – zumindest für einen Tag. Viele Ärzte jedoch mussten die Impfungen einstellen.

wza_1500x962_586469.jpeg
Monika Bär (19) ließ sich gestern an der Erkrather Straße von Dr. Ute Schmidt gegen das H1N1-Virus impfen.

Monika Bär (19) ließ sich gestern an der Erkrather Straße von Dr. Ute Schmidt gegen das H1N1-Virus impfen.

Judith Michaelis

Monika Bär (19) ließ sich gestern an der Erkrather Straße von Dr. Ute Schmidt gegen das H1N1-Virus impfen.

Düsseldorf. Wer sich am Samstag an der zentralen Impfstelle gegen die Schweinegrippe impfen lassen will, kann dies in jedem Fall tun: "Es ist noch genug Impfstoff da", sagt Stadtsprecher Michael Bergmann. Mindestens bis Montag reiche wohl der Vorrat an Pandemrix, "es sei denn, die Leute strömen am Samstag wirklich massenweise herbei". Von 9 bis 13 Uhr sind heute die Impfstraßen an der Erkrather Straße geöffnet. Wie die WZ berichtete, hat die Stadt lediglich die Hälfte der etwa 12000 bestellten Dosen bekommen.

Auch am Freitag war der Andrang rege, lange Wartezeiten gab es aber nicht: "Wir haben hier starken Zulauf, doch er verteilt sich ganz gut", sagt Michael Schäfer, der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes. Nur gegen 15.30 Uhr knubbelten sich die Impfwilligen.

Gestern kamen 1209 Menschen ins Impfzentrum. Insgesamt ließen sich hier bislang 16200 Menschen gegen den H1N1-Virus immunisieren, darunter 1540 Kinder unter neun Jahren. In punkto Nebenwirkungen lief bis jetzt zum Glück alles glatt: "Wir hatten hier noch keinen Fall, wo die Ärzte nach der Impfung eingreifen mussten", sagt Schäfer.

In der Tat scheint die Angst vor dem Pieks bei manchen größer zu sein als die Nebenwirkungen danach: "Wir hatten schon einige Kinder, die sich vor Aufregung und Angst vor der Impfung übergeben mussten", berichtet Michael Schäfer. Nachher hätten in den ersten 30 Minuten einige allenfalls über ein flaues Gefühl und Müdigkeit geklagt. Schäfer: "Das liegt aber wahrscheinlich an der nicht besonders guten Luft hier."

An der Grundschule Richardstraße wird die Personallage jetzt kritisch

Bei den niedergelassenen Ärzten hingegen ist die Impfaktion inzwischen durch den Pandemrix-Engpass fast zum Erliegen gekommen. Nur wenige Praxen wie die von Dr. Ikuya Shinoda und die Gemeinschaftspraxis Schilling haben noch Vorräte. Andere Ärzte - wie Dr. Enrico Kuhnert, Dr. Gabriele Fischer und Dr. Wilfried Müseler - haben nur noch wenige Rest-Dosen und immunisieren vorerst nur Angehörige von Risikogruppen. Und aus fast allen anderen Praxen heißt es mittlerweile sogar: Es ist gar kein Impfstoff mehr vorhanden.

Derzeit werden in der Uni-Klinik zwei Patienten mit Schweinegrippe stationär behandelt. Beide sind nicht in kritischem Zustand.

Laut Uni-Infektiologe Prof. Dr. Dieter Häussinger ist es wahrscheinlich, dass mit der Zeit vermehrt schwere Verläufe der Erkrankung auftauchen. Er rechnet auch damit, dass weitere Patienten beatmet werden müssen. Die Uni-Klinik hat vier Herz-Lungen-Maschinen, kann aber auf bis zu zehn zurückgreifen.

Uni-Rektor Hans Michael Piper und Häussinger haben in einer Rund-Mail jetzt Studenten zu Hygiene und Impfung angehalten. Zudem sei den Studierenden die Teilnahme an Lehrveranstaltungen verboten, wenn sie Fieber und Husten hätten.

Gleichzeitig gibt die Situation an vielen Schulen derzeit eine Vorschau auf das, was kommen könnte, wenn die Schweinegrippewelle stärker anrollt und mit der Erkältungszeit zusammenfällt. An der Grundschule Richardstraße fehlen jetzt vier von 20 Lehrern. Drei schwangere Kolleginnen bleiben vorsorglich zu Hause. Denn sie können sich leichter mit dem Schweinegrippe-Virus anstecken. Eine Lehrerin ging gestern krank heim. "Wenn das noch mehr werden, stehe ich vor einem Dilemma", sagt die kommissarische Schulleiterin Friedegard Schulz.

Der Sprachförderunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund müsse ausfallen, die Lehrer würden stattdessen in die Klassen geschickt. Schulrätin Martina Nussbaum: "Wir hätten die finanziellen Mittel für zusätzliches Personal, aber es sind keine freien Arbeitskräfte auf dem Markt. Es ist eine ungewöhnliche Situation. In diesem Winter wird es für uns schwierig."

Zudem fehlten gestern an der Grundschule Richardstraße 62 von 273 Schülern. Die Schule hat die Familien abtelefoniert: Tatsächlich bleiben die Kinder nicht vorsorglich daheim, sondern sind krank. "Wir überlegen jetzt, Klassen zusammenzulegen", sagt Schulz. "Und es wird sicher noch schlimmer."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer