„Kantholz-Prozess“ begann unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

„Kantholz-Prozess“ begann  unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Von links: Der Halbbruder von Massimo L. mit den beiden Nebenklage-Anwälten Olaf Heuvens und Wolfgang Steffen vor Prozessbeginn. Ganz rechts Oberstaatsanwalt Uwe Kessel.

Von links: Der Halbbruder von Massimo L. mit den beiden Nebenklage-Anwälten Olaf Heuvens und Wolfgang Steffen vor Prozessbeginn. Ganz rechts Oberstaatsanwalt Uwe Kessel.

Judith Michaelis

Von links: Der Halbbruder von Massimo L. mit den beiden Nebenklage-Anwälten Olaf Heuvens und Wolfgang Steffen vor Prozessbeginn. Ganz rechts Oberstaatsanwalt Uwe Kessel.

Düsseldorf. Totschlag heißt der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, für den sich ein 20-Jähriger seit gestern vor dem Landgericht verantworten muss. Im Oktober vor drei Jahren hatte er den 44 Jahre alten Massimo L. in Unterrath so schwer mit einem Kantholz am Kopf verletzt, dass der Mann wenige Tage später im Krankenhaus starb. Handelte der damals 17-Jährige in Notwehr, oder hätte er den Konflikt auch anders lösen können? Unter Ausschluss der Öffentlichkeit will das Gericht diese Frage beantworten, weil der Angeklagte damals noch Jugendlicher war.

In einer Erklärung seines Verteidigers Joachim Müller räumte der junge Mann das Geschehen grundsätzlich ein. Er war mit zwei Freunden in der Straßenbahn unterwegs und geriet mit Massimo L. in Streit. Der hatte sich über die laute Musik der Jugendlichen beschwert. An der Haltestelle „An der Piwipp“ in Unterrath verfolgte der 44-Jährige das Trio. Er soll den Angeklagten mit einem Gürtel geschlagen haben. Der wehrte sich mit dem Kantholz, das er aus der Bahn mitgenommen hatte. „Es war eine klare Notwehr-Situation“, so Müller.

Gewaltverherrlichende Sprüche in Internet gesammelt

Für Irritationen sorgten verschiedene Instagram-Einträge aus dem Internet. Die zeigen Fotos des 20-Jährigen mit teilweise gewaltverherrlichenden Sprüchen wie „Andere lernen in der Schule, wir lernen auf der Straße,“ Angehörige des Toten hatten die Einträge im Internet gefunden. „Ich und mein Mandant waren davon völlig überrascht,“ erklärte Joachim Müller.

Der 20-Jährige beteuerte allerdings, dass diese Sprüche nicht von ihm stammen. Er habe zwar einen Instagram-Account gehabt, diesen aber schon vor der Tat gelöscht. Offenbar habe den jemand anders wieder aktiviert, um ihm zu schaden. Er vermutet, dass dahinter ein Bekannter stecken könnte, der ihm schaden wolle. Als Motiv vermutet der Angeklagte Eifersucht.

Ob das stimmt, konnte zunächst nicht überprüft werden. Bei der Bewertung des Geschehens könnte es aber durchaus eine Rolle spielen, wie der 20-Jährige zum Thema Gewalt steht. Am Montag wird der Prozess mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt.

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