Läden schließen, stattdessen kommen unter anderem Wellness-Studios. Einzelhändler ändern ihr Konzept.

Pempelfort
Die Goethe-Buchhandlung hat vor zwei Jahren dichtgemacht. Das Restaurant Ratatouille folgt in Kürze.

Die Goethe-Buchhandlung hat vor zwei Jahren dichtgemacht. Das Restaurant Ratatouille folgt in Kürze.

Die Goethe-Buchhandlung hat vor zwei Jahren dichtgemacht. Das Restaurant Ratatouille folgt in Kürze.

Kundin Maike Hesse und Verkäuferin Iris Hartmann im Stoffladen Dori und Ellen 2.0 (links). Sabine Sellier-Görisch, Inhaberin von Soulgoods und Vertreterin der Werbegemeinschaft Nördliche Innenstadt, weiß auch von Veränderungen zu berichten.

Sergej Lepke, Bild 1 von 3

Die Goethe-Buchhandlung hat vor zwei Jahren dichtgemacht. Das Restaurant Ratatouille folgt in Kürze.

Düsseldorf. Wer von der Kaiserstraße aus in die Nordstraße biegt, die ersten Häuser entlangschlendert, sieht derzeit leere Läden – und neue Adressen. Die Räume von Xenos, dem Geschenke- und Accessoires-Geschäft, sind mit Baumaterial gefüllt. Laut einem Zettel ist Ende August die Neueröffnung geplant. Die Modekette Elanza, Nachfolger von Strauss, hat schon wieder dicht gemacht. Wenige Meter weiter folgen ein recht neues Fitnessstudio und Massagestudios. Das Gesicht der Straße wandelt sich auf diesem Stück.

Vor zwei Jahren machte die Goethe-Buchhandlung ihren Laden in Pempelfort dicht, letztes Jahr hörte die Handelskette Strauss auf. Das Modelabel Hindahl und Skudelny wirbt aktuell mit Sonderangeboten wegen Geschäftsaufgabe. Auch das französische Restaurant Ratatouille schließt in Kürze – allerdings aus rein privaten Gründen. Die Ursachen für die Aufgabe der Geschäfte – und warum teils keine Einzelhändler nachrücken – sind vielfältig.

Steigende Mieten und Internet machen es Geschäftsleuten schwer

Wilhelm Behmer von der Werbegemeinschaft nördliche Innenstadt sieht die schlechte Erreichbarkeit während der Baustellen und die Schließung von Strauss als wichtige Ursachen. Die Geschäfte laufen auch in einer eigentlich guten Lage nicht mehr von alleine, ist die Erfahrung von Sabine Sellier-Görisch, ebenfalls von der Werbegemeinschaft. Sie verkauft Taschen und T-Shirts in ihrem Laden Soulgoods – ihr Geld verdient sie aber kaum noch mit Laufkundschaft.

Sie beliefert Firmen, ihren Laden sieht sie vorwiegend als Showroom. Geschäftsleute wie sie und Kunden in der Straße vermuten vor allem Online-Bestellungen als Konkurrenz für Läden. Es gelte, das Internet für sich mit zu nutzen, neue Wege zu gehen.

Gegen steigende Mieten hilft aber auch das nicht. Sellier-Görisch weiß, dass so mancher sich die Quadratmeterpreise schlicht nicht mehr leisten kann – oder interessierte Einzelhändler von vornherein vor den Fixkosten zurückschrecken. Die Werbegemeinschaft könne kaum etwas dagegen tun, viel Kontakt zu den Vermietern gibt es nicht. Auch was mit den derzeit leer stehenden Räumen geplant ist, weiß Sellier-Görisch nicht.

Xenos beispielsweise sollte erst schließen, jetzt ist laut Infozetteln von einem Umbau die Rede. Die Kette wurde von Tedi übernommen, eine Filiale des Ein-Euro-Ladens gibt es jedoch schon, und zwar wenige Meter weiter. Daher rätseln die Einzelhändler und Anwohner, wie das Angebot dort später aussehen soll.

Doch es gibt auch gute Nachrichten in Sachen Einzelhändler. Im Stoffladen Dori und Ellen, an der Nordstraße 36 in einem Hinterhof gelegen, laufen die Geschäfte. Soziale Netzwerke sind fester Bestandteil des Konzepts. Den Trend zum Selbermachen, Mund-Propaganda und den Vorteil, dass bereits vorher ein Stoffladen in den Räumen war, macht Verkäuferin Iris Hartmann dafür verantwortlich. Erst vor einem Jahr war Neueröffnung. „Stoffe und Materialien muss man fühlen und sehen“, erklärt Kundin Maike Hesse. Sie freut sich, dass es den Laden weiterhin gibt – und bedauert ansonsten den Wandel in der Nordstraße.

Fitnessstudio ist beliebt, auch Restaurants und Cafés laufen

Neben Massage- und Nagelstudios hat sich unter anderem Trendsport in der Straße niedergelassen, ganz bewusst in dem Viertel. Dort wird personalisiertes Fitnesstraining angeboten – die Filiale, die vor rund einem Jahr dort öffnete, sei eine der beliebtesten unter den über 40 in NRW. Die Lage zieht, die Anwohner seien eine optimale Zielgruppe, sagen die Trainer.

Für Restaurants, für Bars und Cafés sei die Straße optimal. So hat sich eine neue Bäckerei angesiedelt. Und Sam Keshvari bedauert, dass er dort in wenigen Wochen schon nicht mehr in der Nordstraße kocht. Sein Bistro Ratatouille schließt, er wandert mit seiner Familie nach Kanada aus. Ein Nachmieter war rasch gefunden: Die neuen Gastronomen wollen künftig Hühnchen in sämtlichen Variationen anbieten, angelehnt an ein amerikanisches Konzept.

© WhatsBroadcast

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