Catching the light - das Licht einfangen - nennt sich eine Ausstellung im Kai 10 im Medienhafen. Eine fast unbekannte Künstlerin zeigt dort Überraschendes.

Eine Entdeckung ist die Künstlerin der geheimnisvoll reflektierenden Scheiben aus Spezialglas.
Ursula Ott zeigt in Kai 10 Kunstwerke wie dieses interferenzoptisch beschichtetes Spezialglas namens „Isis“. Foto (c) Ursula Ott

Ursula Ott zeigt in Kai 10 Kunstwerke wie dieses interferenzoptisch beschichtetes Spezialglas namens „Isis“. Foto (c) Ursula Ott

Ursula Ott zeigt in Kai 10 Kunstwerke wie dieses interferenzoptisch beschichtetes Spezialglas namens „Isis“. Foto (c) Ursula Ott

Düsseldorf. „Catching the Light“, das „Licht fangen“ nennt sich eine Ausstellung in Kai 10 im Medienhafen. Niemand fängt dort faszinierender und ungewöhnlicher jeden Sonnenstrahl als die bislang fast unbekannte Ursula Ott. Ihre Scheiben wirken wie Energiebilder, die die Sonne nicht nur bündeln, sondern selbst wie eine Sonnenschmelze wirken. Liegt das am Spiegelglas? An der Umgebung anderer Bilder wie der violett getönten Arbeit von Eberhard Havekost? Ist das Farbe? Glasur? Was hat es mit diesen Energieträgern auf sich? Wieso vibrieren die Oberflächen? Wir besuchten die Künstlerin in ihrem Atelier am Bittweg. Dort hat sie eine ehemalige Steinbildwerkstatt in ein Atelier mit Andachtsraum verwandelt.

Auf der Suche nach einer besonderen Schönheit

Ursula Ott (58) stammt aus Waiblingen, startete zunächst eher unsicher an der Kunstakademie in Hamburg, wechselte an die Kunstakademie Düsseldorf, studierte bei Gerhard Richter, dessen Meisterschülerin sie ist. Sie hat alle möglichen Techniken und Materialien ausprobiert, hat gemalt, auf Holz oder mit Plexiglas gearbeitet, Skulpturen gemacht. Im Gespräch gibt sie all ihre Fehlversuche preis: „Es war alles ein Suchen. Ich war nie ganz zufrieden. Ich bin keine Strategin.“ Es habe 20 Jahre gedauert, bis sie mit Glas gearbeitet hat. Nun, Mutter zweier Kinder und zum tibetischen Buddhismus übergetreten, scheint sie am Ziel ihrer Wünsche zu sein.

„Ich wollte einen besonderen Ausdruck von Schönheit. Den Ausdruck eines gesteigerten Lebensgefühls. Eine Kunst ohne Zeitgeist-Theorien“, sagt sie. Seit zehn Jahren arbeitet sie mit reflektierenden Scheiben, nicht allein allerdings, sondern mit einem Glastechniker, dessen Namen sie nicht verrät. Gearbeitet wird mit technischem Glas, wie man es für Disco-Lampen oder Laser benutzt. In ihrem ersten Katalog, der 2016 herauskam, ist von „Fusingglas“ mit Silberverspiegelung, „interferenzoptisch beschichtetem Spezialglas“ und „silververspiegelter Silbergelbbeize auf Floatglas“ die Rede. Alles böhmische Dörfer für den Laien und eigentlich auch für sie. „Ich überlasse alles dem Techniker. Der weiß, was ich will“, sagt sie. Sie freue sich, dass die Arbeit mit dem Spezialisten zu einer so glücklichen Verbindung geführt hat. Sonst wäre sie noch nicht so weit, gibt sie zu.

Sie habe ihn auf der Glasstec-Messe, der Weltleitmesse für Glas als High-Tech-Werkstoff in Düsseldorf kennengelernt. Damals arbeitete er für den Technologie-Konzern Schott. Inzwischen hat er ein eigenes Glasstudio in Leinebergland.

Dort fand sie „ihr“ Spezialglas, das in den Ofen gesteckt und erhitzt wird, und das zum richtigen Zeitpunkt wieder herausgeholt werden muss. Beim Erhitzen werden die Gläser abgedampft. Dadurch entsteht der Spiegeleffekt, der nichts mit einer Glasur zu tun hat. Das Resultat, eine transparente, dennoch farbenfrohe Glasplatte, die sich bei jeder Bewegung des Betrachters selbst zu bewegen scheint. Die Scheibe glänzt in den verschiedensten Komplementärfarben, bleibt aber durchsichtig. Die Oberfläche wirkt riefelig, unruhig, fast uneben, das ist jedoch nur eine optische Täuschung.

Die Glaskünstlerin war schon als Kind begeistert vom Glitzern

„Ich mag keinen Schnickschnack“, sagt sie. Es wird daher nichts angestrahlt, angemalt, in irgendwelche Formen gepresst. Die Farbe diffundiert durch das Brennen, hat aber nichts mit Glasmalerei zu tun. Was sie damit will, gibt sie offen zu: „Ich liebe das Glitzern. Ich war schon als Kind begeistert von Dingen, die glänzen, die wie Gold wirken, die materiell sind, doch immateriell aussehen.“

Meditierend prüft sie, welche Arbeit gut, welche verworfen wird. Sie spricht denn auch von „spiritueller Kunst“, hat einen großen Buddha-Altar im Atelier und schwärmt davon, wie sie mit ihren Scheiben die große Weite des Himmels und die Sonne als Lebenskraft in ihren Raum hole. Als Sonnen-, Licht- und Farbverstärker.

Verkauft hat sie allerdings noch nicht viel. Aber wie immer gibt sie auch in diesem Fall die Hoffnung nicht auf.

Info: Die Arbeiten von Ursula Ott sind in Kai 10, Kaistraße 10, bis zum 7. Juli zu sehen.

www.kaistrassse10.de

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