Von Keller oder Dachboden ins Stadtmuseum: Vier Experten nehmen Gemälde, Fotografien und Keramikfliesen unter die Lupe.

wza_1500x1067_612696.jpeg
Mit der Lupe auf der Spur der Geschichte: Sigrid Kleinbongartz begutachtet einen Zinnteller.

Mit der Lupe auf der Spur der Geschichte: Sigrid Kleinbongartz begutachtet einen Zinnteller.

Bernd Schaller

Mit der Lupe auf der Spur der Geschichte: Sigrid Kleinbongartz begutachtet einen Zinnteller.

Düsseldorf. "Was man so alles zu Hause rumliegen hat", ruft Ursula Lange verblüfft aus. Die Postkarten liegen sonst in ihrer Schublade. Dass sie alt sind, das wusste sie - aber dass sie aus den 30er Jahren stammen?

Die Düsseldorferin blättert mit Bernd Kreuter, Experte des Stadtmuseums, durch die Karten. "Adolf-Hitler-Platz", liest sie auf einmal verblüfft vor. "Das ist der heutige Graf-Adolf-Platz", erklärt Kreuter. Eine Getränkekarte von 1967 von der Kneipe "Lord Nelson" liegt daneben - mit einem Autogramm von Udo Jürgens. Beides überlässt die 65-Jährige dem Stadtmuseum, "dann können mehr Menschen als nur ich sie sehen", sagt sie.

Ein Experte schätzt zwei Kreidezeichnungen auf je 1.000 Euro

Viele der rund 100 Düsseldorfer, die am Dienstag bei der zweiten "Museumsreif?"-Aktion ihre alten Schätzchen schätzen ließen, sehen danach ihre Stücke - Gemälde, Uhren, Fotos, Brillen, Teller, Geige - mit anderen Augen. Vorher verstaubten sie auf Dachboden oder im Keller. Jetzt sind es Kunstobjekte.

Erika Jäger steht aufgeregt neben Experte Christoph Danelzik-Brüggemann, während er ihre beiden Kreidezeichnungen unter die Lupe nimmt. "Sie hängen eigentlich im Wohnzimmer", erklärt sie. "Ich wollte wissen, wieviel sie wert sind."

Mit hellem Lichtstrahl leuchtet der Experte in die Ecken der Bilder, untersucht die Signatur, ergreift mit weißen Handschuhen die Lupe, um noch besser sehen zu können. Sein Urteil: "Werke aus den 30er Jahren, je um die 1.000 Euro wert." Die Düsseldorferin wickelt die Kreidezeichnungen nun extrem vorsichtig ein, um sie sorgfältig nach Hause transportieren zu können.

Die Veranstaltung "Museumsreif?", bei der Experten die alten Schätzchen der Düsseldorfer schätzen, soll in Zukunft regelmäßig dreimal im Jahr laufen. Der nächste Termin ist der 4. Mai, die Schätzungen laufen von 16 bis 18 Uhr.

"Wir wurden früher täglich angerufen, ob wir Objekte schätzen können", sagt Stadtmuseums-Direktorin Susanne Anna. Deswegen hat sie die Anfragen nun auf einen Tag gebündelt.

Stadtmuseum, Berger Allee 2, Tel. 89 96 170.

Keramikfliesen mit volkstümlichen Darstellungen der Stadt hat Margret Dorosch mitgebracht. Die Signatur, die sich wie "cmorlath" liest, kann selbst Museumsdirektorin Susanne Anna nicht richtig entziffern. Nur soviel: "Die Fliesen stammen wohl aus dem 19. Jahrhundert."

Danelzik-Brüggemann bescheinigt ihr elegant: "Das sind Liebhaberstücke, die bei einem Verkauf vermutlich keinen Abnehmermarkt finden werden." Margret Dorosch stört’s nicht: "Wir mögen die Bilder trotzdem." Sie kommen zurück an ihren alten Platz in der Diele.

Die wertvollsten Objekte, die Susanne Anna geschätzt hat, sind Fotos von Düsseldorfern aus den 80er oder 90er Jahren des 19. Jahrhunderts. Gesamtwert: rund 2.500 Euro. "Die Besitzerin hat uns die Fotos geschenkt", erzählt sie. "So bald wie möglich werden wir sie ausstellen."

Einen Blick fürs Besondere hatte Albrecht Scharmacher, der einen seltsam geformten Rheinkiesel untersuchen lassen wollte: "Vielleicht stammt er aus der Steinzeit." Helfen konnten ihm die Experten aber nicht - hier ist ein Archäologe gefragt.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer