In anderen Städten drehen sich die Räder nonstop, Nachtschwärmer in Düsseldorf haben das Nachsehen.

wza_1264x1500_608577.jpeg
Norbert Czerwinski (Grüne): Nachtverkehr ist Standortfaktor.

Norbert Czerwinski (Grüne): Nachtverkehr ist Standortfaktor.

Norbert Czerwinski (Grüne): Nachtverkehr ist Standortfaktor.

Düsseldorf. Es gibt etwas, das die Landeshauptstadt Düsseldorf mit den meisten deutschen Kleinstädten gemeinsam hat: Wer unter der Woche nach Mitternacht mit Bus und Bahn aus der Innenstadt nach Hause fahren will, steht auf verlorenem Posten. Fast so, als würden die Bürgersteige punkt zwölf hochgeklappt, stellt die Rheinbahn ihren Betrieb ein. Was nur eine Gruppe wirklich freut: die Taxifahrer.

Wer etwa glaubt, am Hauptbahnhof käme man auch spät noch weg, täuscht sich. Die letzten Straßenbahnen Richtung Hamm oder Mörsenbroich (708), Spichernplatz (707), Derendorf-Nord (704), Unterbilk und Neuss (709) fahren um 0.06 bzw. 0.07 Uhr. In der Altstadt sieht das nicht anders aus. Ab Heinrich-Heine-Allee fahren die letzten Züge nach Ratingen (712), Bilk (706), Unterrath (715) zwischen 0.10 und 0.20 Uhr. Die letzte Tram nach Gerresheim geht sogar schon um 23.54 Uhr. Nur die Stadtbahn-Linien fahren etwas länger.

Ab Sommer: 30-Minuten-Takt an den Wochenenden

Die Verwaltung will daran auch nichts ändern. Sie verweist auf den Entwurf zum neuen Nahverkehrsplan, der Anfang des Jahres beraten und verabschiedet werden soll. Darin heißt es: "Eine Ausweitung des Nachtexpress-Angebotes auch auf die Werktage wird nicht weiterverfolgt."

Die Politiker aber sind anderer Meinung, darüber gibt es im Rathaus eine seltene Einigkeit unter allen Fraktionen. Die Frage ist nur, wann und wie das Angebot ausgeweitet wird. Eher vorsichtig ist die CDU. Deren Verkehrsexperte Andreas Hartnigk kann sich eine maßvolle Ausweitung des Rheinbahn-Angebotes in den Werktagnächten vorstellen. Ein 24-Stunden-Betrieb aber rechne sich nicht.

Der Koalitionspartner FDP hat weitergehende Vorstellungen: Fraktionschef Manfred Neuenhaus kündigt einen schrittweisen Ausbau des Nachtexpress-Angebotes an. "Das Erste, was wir machen werden, ist eine Verdichtung des Taktes. Statt einmal in der Stunde sollen die Linien an den Wochenenden alle 30 Minuten fahren." Dies wolle man bis Sommeranfang umsetzen. In einem zweiten Schritt solle der Nachtexpress während der Ferien auch in den Nächten von Sonn- und Feiertagen zum Folgetag verkehren. "Mittelfristig, also in den nächsten fünf Jahren, möchten wir ein Netz, in dem man rund um die Uhr fahren kann." Das Freizeitverhalten der Menschen habe sich geändert, "dem müssen wir Rechnung tragen".

Vorschlag: Betriebsschluss eine Stunde nach hinten verlegen

Seit 2006 gibt es den Nachtexpress in Düsseldorf. Acht Linien (NE1 bis NE8) pendeln an den Wochenenden zwischen Mitternacht und 4 Uhr zwischen Hauptbahnhof und Stadtteilen. Die Abfahrtzeiten sind mit den Stadt-, S- und Regionalbahnen abgestimmt.

Während in den meisten deutschen Großstädten (inklusive Berlin) die Nachtfahrten von Bussen übernommen werden, rollen in Köln Straßen- bzw. Stadtbahnen. Elf Linien fahren an den Wochenenden die ganze Nacht durch, in den Nächten vor Werktagen fahren die Züge bis ca. 1.30 Uhr - in der Regel im Halbstunden-Takt. Dazu kommen noch mehrere Buslinien.

Die hessische Metropole leistet sich ein umfangreiches Nachtbus-Netz, auch in den Nächten vor Werktagen. Zehn Linien fahren in die Stadtteile. Die wichtigsten Strecken werden sogar im 30-Minuten-Takt bedient. Die letzten Abfahrten an der zentralen Haltestelle Konstablerwache starten um 3.30 Uhr. An den Wochenenden ist das Netz noch dichter.

Obwohl Essen nicht den Ruf einer Partymetropole hat, ist das Nachtangebot werktags ebenfalls besser als in Düsseldorf: Bis 23 Uhr gilt der Tag-Fahrplan mit Betrieb auf allen Linien. Danach gibt’s ein Nachtnetz mit 16 Bus-Linien, deren letzte Fahrten 1.30 Uhr am Hauptbahnhof starten. In anderen Ruhrgebietsstädten - wie etwa in Oberhausen - ist das Angebot ähnlich.

Im Osten Deutschlands gönnt man sich sogar einen Rund-um-die-Uhr-Betrieb. Neun Bus-Linien fahren jede Nacht von der Innenstadt in die Vororte - und zwar um 1.11, 2.22 und 3.33Uhr. Die Schnapszahlen als Abfahrtzeiten am Hauptbahnhof wurden gewählt, weil sich die Fahrgäste diese leicht merken können. Ab 4.44 Uhr startet dann der reguläre Betrieb.

Die Grünen freilich wollen auf eine Verbesserung an Werktagen nicht so lange warten. "Am dringendsten ist, dass der reguläre Betriebsschluss der Rheinbahn mindestens um eine Stunde nach hinten verlegt wird. In vielen deutschen Städten gibt es bereits jetzt werktags ein Angebot bis 1.30 Uhr. Das müssen wir auch haben, sonst fallen wir zurück. Das ist auch ein Standortfaktor", sagt Ratsherr Norbert Czerwinski. Zudem müssten die nächtlichen Verbindungen in die Nachbargemeinden verbessert werden.

Zustimmung kommt von Martin Volkenrath (SPD). Den Vorschlag, zur Finanzierung des ausgeweiteten Angebotes einen Extra-Zuschlag zu erheben, sieht er skeptisch. Einen solchen müssen Fahrgäste etwa in Hamm zahlen. Dort wird ab Mitternacht für alle Kunden ein Aufpreis von 50 Cent je Fahrgast und Ticket fällig. "Damit würde man weiteren Fahrpreiserhöhungen Tür und Tor öffnen", fürchtet Volkenrath.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer