Qusay Mansour lebt seit einem Jahr in einem kleinen Hotelzimmer. Der Iraker fürchtet, dass er zurück in die Heimat muss.

Asylbewerber
Jeden Tag kniet sich Qusay Mansour vor die Jesusbilder an der Wand seines Zimmers und betet.

Jeden Tag kniet sich Qusay Mansour vor die Jesusbilder an der Wand seines Zimmers und betet.

Melanie Zanin

Jeden Tag kniet sich Qusay Mansour vor die Jesusbilder an der Wand seines Zimmers und betet.

Düsseldorf. „Sollte ich abgeschoben werden, dann werde ich vermutlich bald sterben. Denn Menschen meiner Religion werden in meinem Land verfolgt“, sagt Qusay Mansour. Der 32-jährige Christ kommt aus dem Irak, ist Asylbewerber und lebt seit rund einem Jahr in einem Hotel im Süden der Düsseldorfer Innenstadt. Ein Bett, ein kleiner Tisch, ein Stuhl, eine Kommode, ein Kleider- und ein Kühlschrank – alles auf engstem Raum. Mit einer kleinen Kochplatte wird das Essen zubereitet. Auf dem Kühlschrank steht ein Sechserpack Mineralwasser, im Inneren herrscht jedoch Leere. An der Wand hängen Jesusbilder, auf dem Tisch liegt eine Bibel. Davor betet Mansour jeden Tag.

„Als ich eines Tages mit sieben Freunden aus der Kirche kam, gab es eine Explosion und ich flog durch die Luft“, erinnert er sich. Die sieben Freunde kamen durch den Anschlag ums Leben, Mansour wachte im Krankenhaus wieder auf. Siebenmal wurde er in 17 Monaten dort operiert. Im September des vergangenen Jahres kam Mansour aus Bagdad nach Deutschland. Seine Familie lebt bereits seit längerem in Los Angeles – ihnen folgen konnte er nicht. Kontakt zu seiner Mutter hat er über das Internet.

Flüchtlingsberatung der Diakonie leistet Unterstützung im Alltag

Seit seiner Ankunft wartet Mansour auf eine Anhörung und die Prüfung seines Asylantrags. Unterstützung und Betreuung erfährt er seit der Ankunft in Düsseldorf durch die Evangelische Flüchtlingsberatung der Diakonie. Mitarbeiterin Eileen Stiehler hat sich Mansour angenommen und hilft bei Behördengängen und Arztbesuchen. „Die Diakonie macht sehr viel für Flüchtlinge. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung“, sagt der Iraker. „Aber oft fällt es schwer zu verstehen und zu akzeptieren, warum es hier so lange dauert, dass über meinen Aufenthalt entschieden wird.“ Die Angst vor der Abschiebung schwingt bei diesem Satz spürbar mit.

Vier Operationen sind noch nötig, um Mansours weitere Verletzungen durch die Bombe zu versorgen, unter anderem am rechten Auge und der linken Schulter. Auch seine Lunge ist beschädigt. „Siebenmal bin ich hier mit einem Schein ins Krankenhaus gefahren, doch die Operation wird immer abgelehnt“, sagt er. Laut dem Asylgesetz gibt es Eingriffe nur bei Notfällen, zu denen Mansour nicht gehören soll. Auch einen Job bei einer Fast-Food-Kette bekam der Iraker kurzfristig nicht, weil die Entscheidungsträger andere Bewerber vorgezogen haben sollen.

An Weihnachten würde Mansour gerne einen Freund treffen, der in Hamburg lebt. Doch so lange sein Antrag noch nicht beschieden ist, darf er sich nur in Nordrhein-Westfalen aufhalten. „Ich mag Düsseldorf und Deutschland. Das ist für mich das Paradies, weil man sich frei bewegen kann. Es gibt keine Soldaten auf der Straße, das ist im Irak anders“, sagt er.

Die Christen im Irak bilden unter den Religionsgemeinschaften eine Minderheit. Vor der Eroberung durch den Islam im 7. Jahrhundert und noch einige Jahrhunderte danach bildeten sie die Mehrheitsbevölkerung im Gebiet des heutigen Irak. Heute sind nur noch drei Prozent der rund 28 Millionen Iraker Christen. Seit Beginn der Offensive der Terrorgruppe IS werden die verbliebenen Christen im Land gezielt verfolgt und getötet.

Dann wird Mansour wieder nachdenklich. „Meine Familie werde ich wahrscheinlich nie mehr sehen. An manchen Tagen habe ich Hoffnung, das alles gut wird, an anderen Tagen denke ich, dass alles kein gutes Ende nehmen wird“, sagt er und blickt in Richtung der Jesusbilder an der Wand.

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