Schulen öffnen sich für die Wirtschaft. Doch mit Berufsbildung hält oft auch die Reklame Einzug.

In der Hulda-Pankok-Gesamtschule informierte eine Supermarktkette über Ausbildungsberufe – dabei kam auch die Produktpalette des Unternehmens nicht zu kurz.
In der Hulda-Pankok-Gesamtschule informierte eine Supermarktkette über Ausbildungsberufe – dabei kam auch die Produktpalette des Unternehmens nicht zu kurz.

In der Hulda-Pankok-Gesamtschule informierte eine Supermarktkette über Ausbildungsberufe – dabei kam auch die Produktpalette des Unternehmens nicht zu kurz.

Bernd Schaller

In der Hulda-Pankok-Gesamtschule informierte eine Supermarktkette über Ausbildungsberufe – dabei kam auch die Produktpalette des Unternehmens nicht zu kurz.

Düsseldorf. An die Aktion kann sich Hannah (10) gut erinnern, obwohl sie schon viele Monate zurückliegt. Mit ihrer Klasse stellte die Schülerin damals Schokolade her: „Das hat Spaß gemacht.“ Und den Organisator kann sie sofort nennen – es war ein bekannter Schokoladenhersteller.

Das ist nur ein Beispiel von vielen, bei denen Kinder in Düsseldorfer Schulen Unternehmen begegnen. Kooperationen mit Firmen sind gewollt, Berufsvorbereitung und Kontakt zum Leben außerhalb der Schule ebenfalls.

Doch mit solchen Aktionen begeben sich Schulen häufig auf eine Gratwanderung. Denn plumpe Reklame ist natürlich nicht erwünscht. Tatsächlich wollen immer wieder Firmen auch ihren Namen und ihre Produkte in den Vordergrund rücken.

„Die Versuchung ist groß“, warnt deshalb zum Beispiel Norbert Münnix, der Leiter des Marie-Curie-Gymnasiums.

Formal ist Werbung an Schulen gesetzlich verboten (siehe Kasten). Die Frage ist allerdings, was man als Werbung definiert. Das Schulministerium hat dazu keine klare Haltung: „Wir haben selbstständige Schulen“, sagt eine Sprecherin. Letztlich entscheiden die Schulleiter – und da ziehen manche die Grenze enger, andere weiter.

Eine Bank informiert über Aktien, ein Musiker stellt CD vor

Das Thema Werbung wird im Schulgesetz unter §99 behandelt, allerdings in sehr knapper Form.

Werbung ist demnach grundsätzlich unzulässig, über Ausnahmen entscheidet das Ministerium. Sponsoring ist erlaubt, wenn die Werbewirkung deutlich hinter dem schulischen Nutzen zurücktritt. Die Entscheidung treffe der Schulleiter mit Zustimmung der Schulkonferenz und des Schulträgers.

Schulamtsleiterin Silke Vogelbusch kennt das Problem: „Wenn Unternehmen über uns an die Schulen gelangen wollen, leiten wir das in der Regel nicht weiter.“ Angesprochen wurde das Thema im Direktorenkreis, in ihrer Amtszeit aber noch nicht.

Beispiele gibt es genügend: In der Hulda-Pankok-Gesamtschule war im vergangenen Jahr die Supermarktkette Rewe zu Gast. Das Unternehmen wollte über Ausbildungsmöglichkeiten informieren.

Aber auch über das Sortiment sprachen die Mitarbeiter, bauten Stände mit lecker aussehendem Obst und Gemüse auf. Und überall prangte unübersehbar das Konzernlogo.

Im Gymnasium Gerresheim war vor einigen Wochen der Musiker Marcel Saibert zu Besuch. Er sprach mit den Jugendlichen über Musik und spielte mit einer Schülerband zwei Stücke. Dann stellte er Lieder seiner neuen CD vor.

Das St.-Ursula-Gymnasium hat vor kurzem die Deutsche Bank eingeladen. Christian Bock, „Director Private Wealth Management“, referierte gemeinsam mit einem Schüler über „Vermögensaufbau mit Verantwortung – Chancen und Risiken von Aktienmanagement“.

Schulleiter entscheiden, ob eine Veranstaltung zugelassen wird

St. Ursula-Schulleiter Michael Baltes hält solche Veranstaltungen nicht für bedenklich: „Wir arbeiten mit mehreren Banken zusammen. Es geht darum, die Schüler frühzeitig mit wirtschaftlichen Fragestellungen vertraut zu machen.“

Gleichwohl gibt es auch für Baltes Grenzen, etwa wenn sich private Hochschulen am Altstadt-Gymnasium vorstellen wollen. Das seien „reine Werbeveranstaltungen“.

Auch Kollegen haben bei manchen Angeboten Bauchschmerzen. Norbert Münnix vom Marie Curie erinnert sich da an eine Versicherung, die eine Veranstaltung zur Berufsorientierung anbieten wollte. „Die sagten, sie bringen Unternehmensbroschüren mit, da schwante mir nichts Gutes.“ Er lehnte ab.

In andern Fällen verhandelte der Schulleiter, etwa als eine Firma ein Bezahlsystem für das Schulessen lieferte, das über eine EC-Karte läuft. Die Sparkasse trat als Sponsor auf, aber Münnix machte zur Bedingung, dass Karten sämtlicher Banken akzeptiert werden.

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