Bilder von seinen Motivwagen werden einem Millionen-Publikum in aller Welt gezeigt. Jacques Tilly (52) ist der Mann hinter dem besonders bissig-bösen Narrenspott.

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Jacques Tilly will die Verfehlungen der Menschen aufs Korn nehmen – egal ob Christen oder Muslime. 2015 setzte er mit seinem „Charlie Hebdo“-Wagen ein Zeichen gegen den Terror.

Jacques Tilly will die Verfehlungen der Menschen aufs Korn nehmen – egal ob Christen oder Muslime. 2015 setzte er mit seinem „Charlie Hebdo“-Wagen ein Zeichen gegen den Terror.

DY/SL/MZ

Jacques Tilly will die Verfehlungen der Menschen aufs Korn nehmen – egal ob Christen oder Muslime. 2015 setzte er mit seinem „Charlie Hebdo“-Wagen ein Zeichen gegen den Terror.

Düsseldorf (dpa) - Der Düsseldorfer Rosenmontagszug gilt als der bissigste und scharfzüngigste der Republik. Seine Motivwagen bebildern Nachrichtensendungen und Zeitungen in der ganzen Welt. Dahinter steckt Jacques Tilly (52). Noch sind seine neuen Entwürfe geheim, werden in einem abgesicherten Bereich in Düsseldorf bis Montagmorgen vor neugierigen Blicken hermetisch geschützt.

Tilly, studierter Kommunikationsdesigner, hat den Narrenspott mit Pappmaché und Kaninchendraht zu seinem Beruf gemacht. Scharfe politische Satire wird von ihm erwartet und geliefert. In diesem Jahr vielleicht noch eine Spur schärfer: „Scharf wie Mostert“ (Senf) ist schließlich das Motto der Session. Aktualität ist sein Markenzeichen.

Keine leichte Aufgabe: „Ich denke jedes Jahr, jetzt fällt mir nichts mehr ein. Aber dann fällt mir doch noch immer was ein“, sagt Tilly. „Es ist schon schwierig, in kurzer Zeit zwölf knackige Ideen zu entwickeln, die beim Rosenmontag noch zünden und nicht schon wieder überholt sind.“

Dazu sitzt er alleine am Schreibtisch und assoziiert und variiert Themen, bis etwas dabei ist. „Ich nenne das immer Goldwaschen. Da muss man immer unheimlich viel Dreck wegspülen, bis mal was dabei ist. Und dann muss man das alles absprechen.“

Wenn Wichtiges kurz vor Rosenmontag passiert, wird es hektisch. Zugleiter Herrmann Schmitz hat die Parole ausgegeben: „Wenn der Papst am Sonntag heiratet, ist das am Montag auf dem Zug.“ Bundesministerin Annette Schavan (CDU) trat an einem Samstag vor Rosenmontag zurück, Bundespräsident Christian Wulff am Freitag. Ihr Fett bekamen sie von den Narren trotzdem noch weg.

Zugleiter Schmitz hatte wegen Tilly schon einen Anwalt des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl an der Strippe. Der Advokat wollte verhindern, dass des Kanzlers Genital in einer winzigen Pappmaché-Variante zu sehen war. Ein eilig gebasteltes Feigenblatt fiel dann kurz vor der Live-Übertragung des Fernsehens wie zufällig herunter.

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