21 Sitzungen, über 8000 Besucher – das schafft nur der Stunk. Längst ist der alternative Karneval zur festen Größe in Düsseldorf geworden.

Düsseldorf. Er darf fast alles, außer heißen wie das Kölner Vorbild. Der Stunk in Düsseldorf. Seit 15 Jahren wandeln Martin Maier-Bode, Sabine Wiegand, Jens Neutag, Jens Spörckmann und Harry Heib auf den Grenzen des rheinischen Humors. Die Gründungsmitglieder des inzwischen 14-köpfigen Stunk-Ensembles öffnen den Sarg von Willy Millowitsch auf der Bühne, lassen eine Nummer im Gehirn von Angela Merkel spielen und machen mit ihren Späßen auch vor dem lieben Gott nicht halt, wenn sie einen Rechtsanwalt in das Jüngste Gericht eingreifen lassen. Richtig Ärger gab’s nur einmal. "Das war mit den Kollegen von der ,Stunksitzung’ aus Köln, weil wir den Namen nicht benutzen sollten", sagt Maier-Bode, der inzwischen nur noch als Regisseur und Autor bei dem Spektakel mitmischt. Also ließen die Macher des hiesigen Stunks die "Sitzung" im Namen kurzerhand weg.

"Wenn schon Karneval, dann anders", dachten sie sich , als sie vor 15 Jahren den ersten alternativen Karneval im Neusser Theater am Schlachthof aus der Taufe hoben, überwiegend mit Düsseldorfer Künstlern. "Da gab es ein riesiges Potenzial an Kreativen, Kabarettisten, Schauspielern und Musikern", erinnert sich Maier-Bode. Ziemlich anarchistisch sei es damals zugegangen. Die 90 Besucher bei der Premiere fanden’s trotzdem lustig.

Vor zehn Jahren wurde der Stunk nach Düsseldorf reimportiert

Es war der Beginn einer alternativen Erfolgsgeschichte. Jedes Jahr wurden es mehr Sitzungen, bald reichte der Platz nicht mehr. 1999 entschloss man sich, die Idee nach Düsseldorf zu reimportieren. Das Zakk, bis dahin karnevalsfreie Zone, nahm die streitbaren Narren auf. Inzwischen ist aus dem Stunk ein Marathon von 21 Sitzungen geworden.

Warum der alternative Karneval so erfolgreich ist? Sabine Wiegand: "Wir können halt bei unseren Gags weiter gehen als ein normaler Büttenredner." Und Maier-Bode ergänzt: "Wir machen auch Witze für Lehrer."

Auffallend sei, dass die Reaktionen des Publikums in Neuss und in Düsseldorf sich völlig voneinander unterscheiden. Während die Neusser das Programm amüsiert zur Kenntnis nehmen, wurde im Zakk von Anfang an geschunkelt und mitgesungen - was manchem Mitarbeiter des Kulturzentrums bis heute recht befremdlich erscheint. Dafür sei die Technik dort eine Klasse für sich.

Inzwischen ist aus dem künstlerischen Sammelsurium eine perfekt organisierte Show geworden. Sabine Wiegand: "Allein das Drehbuch hat 74 Seiten." Insgesamt 60 verschiedene Kostüme, die von der Berlinerin Britta Bremer geschneidert wurden, sorgen für einen temporeichen Ablauf. Dafür ist das vier Stunden lange Spektakel mit acht Darstellern und sechs Musikern mit 28,60 Euro teurer als die meisten "normalen" Karnevalssitzungen. Bei dem Riesen-Aufwand sei das aber nicht anders zu machen. Maier-Bode: "Dafür erleben die Besucher ein Ensemble, das immer einen Wahnsinns-Spaß auf der Bühne hat."

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