Der Kampf gegen Jugendkriminalität ist erfolgreich. Und soll es bleiben: Düsseldorf bekommt ein Haus des Jugendrechts.

Die Polizei (hier bei einem früheren Einsatz in Hassels) muss seltener gegen junge Straftäter vorgehen. Archiv
Die Polizei (hier bei einem früheren Einsatz in Hassels) muss seltener gegen junge Straftäter vorgehen. Archiv

Die Polizei (hier bei einem früheren Einsatz in Hassels) muss seltener gegen junge Straftäter vorgehen. Archiv

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Die Polizei (hier bei einem früheren Einsatz in Hassels) muss seltener gegen junge Straftäter vorgehen. Archiv

Düsseldorf. Diese sechs Festnahmen sind für den Leiter des Jugendkommissariats Wolfgang Wierich traurig und ein Erfolg zugleich: „Alle waren schon polizeibekannt, auch als Intensivtäter eingestuft. Alle Hilfsmaßnahmen durch. Und dann haben sie sich zusammengefunden.“ Am Hafenbecken in der Altstadt rotteten sich die 17- bis 19-Jährigen zusammen, begingen Diebstähle. „Wenn es nicht geklappt hat, wurde Gewalt angewendet“. Die Zahl der Überfälle in der Altstadt stieg und stieg „eklatant“. Im Juni griffen die Ermittler dann durch: Fünf der jungen Männer sitzen bis jetzt in Haft, einer ist nur gegen Auflagen auf freiem Fuß.

Die Festnahmen sind ein Erfolg, weil die Raubserie beendet ist. Und traurig, weil das System aus Chancen und Warnschüssen für jugendliche Kriminelle in Düsseldorf in diesem Fall die Karriere auf der schiefen Bahn nicht stoppen konnte. „Da ist alles probiert worden“, sagt Wierich. „Aber wenn das nicht hilft – dann müssen sie irgendwann weg. Wir müssen die Düsseldorfer auch schützen.“

Immer öfter gelingt es den Partnern in der Stadt allerdings, genau das durch frühzeitiges Ein- und Durchgreifen zu verhindern. Schon Kinder werden nach einem Vergehen wie einem Ladendiebstahl zur Anhörung bei der Polizei gebeten – immer mit den Eltern. Jugendliche, die auffallen, erhalten beim Verfahren „Gelbe Karte“ seit 2006 von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe eine Art kleines Verfahren, bei dem Maßnahmen – auch Hilfen – beschlossen werden.

Zahl junger Intensivtäter sank von über 300 auf unter 100

Ähnlich ist das Vorgehen bei den Fallkonferenzen für Intensivtäter, nur strenger. Es ist die letzte Warnung. Das System funktioniert: Als die zentrale Jugendsachbearbeitung bei der Düsseldorfer Polizei 2004 eingeführt wurde, gab es 304 Intensivtäter. In der Statistik für 2015 werden es deutlich unter 100 sein. „Das ist ein historischer Tiefstand“, sagt Wierich.

Der enge Kontakt der Partner im Jugendstrafrecht in Düsseldorf sei dafür der Hauptgrund. Hier warte man nicht ewig auf Haftbefehle und Verhandlungen. Wierich nennt ein Beispiel aus diesem Jahr: Im Juni attackierte ein 17-Jähriger, der bereits hinlänglich polizeibekannt war, einen Ex-Kumpel mit einer Axt und verletzte ihn schwer. „Ich habe die Sache morgens auf den Tisch bekommen – nachmittags saß er. Inzwischen ist er rechtskräftig verurteilt“, berichtet der Kommissariatsleiter. „Das ist eine gute Leistung und zeigt die gute Zusammenarbeit.“

Haus des Jugendrechtes mit Stadt, Polizei und Staatsanwaltschaft

Die Zahl der jugendlichen Intensivtäter (mindestens fünf Straftaten innerhalb eines Jahres, darunter mindestens eine Gewalttat) ist gesunken von über 300 im Jahr 2005 auf 87 im Jahr 2014. Dieses Jahr soll die Zahl noch einmal darunter liegen. Genaueres gibt es im März bei der Vorstellung der Kriminalstatistik.

Neben den Fallkonferenzen für Intensivtäter, bei denen Maßnahmen für jeden Härtefall erdacht werden, gibt es die Gelbe Karte als letzten Warnschuss vor der Anklage für Jugendliche, die gerade erst anfangen, abzurutschen. Laut Polizei werden 70 Prozent dieser jungen Menschen überhaupt nicht mehr auffällig.

Die soll in Zukunft sogar noch enger werden. Düsseldorf soll ein Haus des Jugendrechts bekommen. Ein solches gibt es bereits in vielen anderen Städten wie Mannheim, aber auch in Köln – dort allerdings kümmert man sich ausschließlich um Intensivtäter. „Ich will aber das Nachwachsen von Intensivtätern verhindern“, erklärt Wierich. In Düsseldorf soll neben Jugendstaatsanwälten und Vertretern des Jugendamtes daher die gesamte Jugendsachbearbeitung der Polizei samt dem Einsatztrupp Jugend einziehen. Es sei „der nächste logische Schritt“, sagt Wierich.

Gemeinsam mit Stadt und Staatsanwaltschaft werden die Pläne derzeit konkretisiert, berichtet Polizeipräsident Norbert Wesseler: „Alle sind da sehr eifrig.“ Die Finanzierung des Projekts wolle man sich teilen. „Das ist nicht nur ein Lippenbekenntnis“, verspricht auch Michael Bergmann von der Stadtverwaltung. „Da wird jetzt ernsthaft nach einem Gebäude gesucht.“ Man wolle das Projekt „auf jeden Fall“ so bald wie möglich realisieren.

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