Die Rheinbahn hat in Friedrichstadt die Gleise erneuert: Für unseren Autor und seine Familie bedeutete das ein abenteuerliches Wochenende.

Rheinbahn erneuerte an der Morsestraße die Gleise: Für die Familie unseres Autors ein abenteuerliches Wochenende.
Steine und Schienen des Anstoßes – und des Umzugs ins Hotel: Die Gleisarbeiten an der Morsestraße.

Steine und Schienen des Anstoßes – und des Umzugs ins Hotel: Die Gleisarbeiten an der Morsestraße.

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Steine und Schienen des Anstoßes – und des Umzugs ins Hotel: Die Gleisarbeiten an der Morsestraße.

Düsseldorf. Endlich ist es laut. Wir sitzen am Samstag beim Frühstück in unserer Küche, als wir hören, wie steinerne Brocken auf die metallene Ladefläche eines Lasters krachen. Als wir kurz zuvor um die Ecke gebogen waren, um wieder in unsere Wohnung zu gehen, hatten die Gleisab-und-wieder-aufbau-Arbeiten der Rheinbahn gerade einen ruhigen Teil erreicht. Da zweifelten wir, ob es nicht doch übertrieben war, in der eigenen Stadt im Hotel zu übernachten.

Die Rheinbahn hat an der Ecke Cornelius-/ Morsestraße in Friedrichstadt von Freitag bis Montag die Gleise getauscht, rund um die Uhr. Die Morsestraße hat eine Baulücke. Auf der einen Seite davon lagen die Arbeiten, auf der anderen befinden sich unser Balkon und Schlafzimmerfenster. Deshalb zählten wir zu den Anwohnern, die vor einigen Wochen einen Brief im Kasten hatten, in denen das Nahverkehrsunternehmen die Arbeiten erklärt und anbietet, dass man ins Hotel ziehen kann. Dazu eine Liste mit einem guten Dutzend Herbergen, die man recht unbürokratisch aufsuchen konnte: Ausweis vorzeigen und so belegen, dass man an einer der angeführten Adressen wohnt, Stempel des Hotels drauf – und die Rheinbahn zahlt die Rechnung (ohne Frühstück).

Letztlich war es der Anblick der alten und der neuen Schienen, der uns ins Hotel brachte. Am Rande der Baustelle waren sie in der Woche vor dem Baustart schon mit Schwellen gestapelt worden. Das lehrte einen, wie üppig die Teile sind, die da aus der und in die Erde müssen. Und das gab ein Gefühl davon, was da alles drum herum rausgerissen werden muss. Die Morsestraße sah bis Freitagabend nämlich nach höchst solidem Asphalt aus.

Am Hotel machen frühmorgens die ersten Bahnen ziemlichen Lärm

Und so ging es mit leichtem Gepäck (Schlafsachen, Zahnbürste, Buch) in unsere Unterkunft in der Nähe des Hauptbahnhofs. Auf dem Weg fiel uns auf, wie viele Hotels es in der Gegend gibt. Einige der Namen kannten wir von der Liste der Rheinbahn. Ihr Anblick gab uns das gute Gefühl, dass wir uns mindestens nicht falsch entschieden hatten. Die Häuser am Rande unseres Fußweges erinnerten uns an Reisen nach Paris oder Prag, als wir mit studentischem Geldbeutel die Herbergen am untersten Ende der Preisliste nehmen mussten und die welke Orange als einziger Bewohner der Minibar noch nicht die schlechteste Nachricht der Reise war.

Auf unsere Wahl trifft das zum Glück nicht zu. Im Foyer sitzen offenbar nette Menschen und schauen Fußball, die Inneneinrichtung stammt augenscheinlich aus dem 21. Jahrhundert. Im Zimmer ist trotz des Zustellbetts für unsere Tochter noch Platz, sich zu bewegen, weiße Bettwäsche, weißes Bad, ein Wasserkocher für Tee und Tütenkaffee. Das Mini-Abenteuer hat uns angenehm müde gemacht, sechs Augen sind sehr bald geschlossen. Als der Schlaf wieder leichter wird, vermissen wir ganz kurz die Baustelle: So ein paar herausgerissene Schienen vor unserem Fenster würden uns jetzt gut gefallen, denn dort rollen diverse Straßenbahnen in Richtung Hauptbahnhof. An- und Abfahren, im Wortsinne knackiges Bremsen, zuknallende Türen – das alles lässt uns um kurz nach sieben den Heimweg antreten. Und unterwegs darüber nachdenken, was der Preis fürs Leben in der Innenstadt ist. Wir haben uns an viel Lärm gewöhnt und merken nur bei unvertrauten Geräuschen, was da so täglich auf uns einschallt. Wir wissen, wie schädlich Lärm ist – und unternehmen doch wenig dagegen. Die zahlreichen Initiativen und Bemühungen für Lärmschutz in Düsseldorf erscheinen uns nun deutlich begründeter. So wie wir irgendwann aufgehört haben zu akzeptieren, dass Müll in Flüsse oder die Natur gekippt wird, in öffentlichen Räumen geraucht wird, so werden wir uns hoffentlich-vermutlich künftig auch viel stärker darum kümmern, dass Krach eingedämmt wird.

Die Frage, ob wir uns am Wochenende für den falschen Lärm entschieden haben, wird beantwortet, als der Bagger das gefühlte Mittelgebirge auf den Laster lädt. Das ist zwar erst morgens zu hören, aber irgendwie müssen die Steine seit dem Vorabend ja aus der Straße herausgekommen sein. Der mächtige Meißel vor dem geistigen Auge entspannt uns.

© WhatsBroadcast

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