Der Büropark ist in die Jahre gekommen, Vodafone geht. Eine neue Initiative will dort Wohnungen, Geschäfte und mehr.

Nutzarchitektur statt Aufenthaltsqualität ist eins der Probleme am Seestern.
Nutzarchitektur statt Aufenthaltsqualität ist eins der Probleme am Seestern.

Nutzarchitektur statt Aufenthaltsqualität ist eins der Probleme am Seestern.

Bernd Nanninga

Nutzarchitektur statt Aufenthaltsqualität ist eins der Probleme am Seestern.

Düsseldorf. Marketing, so könnte man sagen, heißt: Wenn man eine Schwäche an sich entdeckt, genau diese als seine große Stärke auszugeben. Das hat sich offenbar die neu gegründete Standortinitiative Seestern gedacht und als ihren neuen Slogan ausgerufen: More than business - mehr als nur Geschäft.

Denn zurzeit hat der Seestern außer Büros wenig zu bieten. Zum Teil mehrere Jahrzehnte alte Zweckbauten stehen unverbunden nebeneinander und bilden eine "Betonwüste", wie es am Donnerstag jemand bei der Vorstellung der neuen Standortinitiative formulierte. Zudem steht der Ankermieter Vodafone vor dem Auszug.

Retortenstandorte wie Seestern oder Airport City haben ein Problem

Der Immobilienexperte Marcel Abel von Lang Jones LaSalle rechnet den Seestern zu den "Retortenstandorten" in der Stadt, die ein besseres Marketing benötigten. Andernfalls würden mittelfristig immer mehr Mieter wegbleiben. Als ähnlichen Fall sieht Abel die Airport City. Auch dort seien ohne Konzept große Gebäude hingesetzt worden.

Sogar die Gründer der Seestern-Initiative sparten nicht mit Selbstkritik. So vermisste Fabian Hellbusch von Union Investment am Seestern Lebendigkeit und Infrastruktur. Aber wie kann man die erreichen?

Planungsdezernent Gregor Bonin schlug als Gastredner vor, Wohnen am Seestern einzubinden. Als Beispiel nannte er ein Hochhaus mit Luxus-Wohnungen vergleichbar dem Portobello-Haus am Stadttor. Nicht besonders beliebt machte sich Bonin aber wohl mit einer anderen Anregung: "Es ist unbedingt notwendig, auch über Abriss nachzudenken."

Im kommenden Jahr wird das Gewerbegebiet Seestern 50 Jahre alt. Erster Großmieter war nach der Gründung Horten. Inzwischen gibt es am Standort mit 30 Gebäuden rund 450 000 Quadratmeter Fläche. Dazu gehören fünf Hotels. Etwa 10 000 Menschen arbeiten dort.

Vier Unternehmen haben die Standortinitiative ins Leben gerufen: Lindner, Deka Immobilien, Prime Office und Union Investment. Alle sind Immobilieneigner am Standort, sie vertreten rund ein Drittel des Bestandes. Für weitere Mitglieder, auch Mieter und Makler, ist man sehr offen.

Wohnungen, mehr Geschäfte, bessere Orientierung - all diese Maßnahmen scheinen auch den Gründungsmitgliedern der Initiative (siehe Kasten) angebracht. Allerdings versäumten sie es auch nicht, über die Stärken des Standortes zu reden.

So wurde von allen Beteiligten wiederholt die Nähe zum Rhein und das viele Grün in der Umgebung als großer Pluspunkt genannt. Das sieht auch Immobilienexpertin Renate Kölbel so. Der Seestern habe sich behauptet, obwohl im Laufe der Jahrzehnte immer neue Konkurrenz in der Stadt erwachsen ist: "Jetzt sollte man betonen, was nicht Business ist." Dazu zählt die Maklerin nicht nur Wohnungen, auch Einkaufszentrum oder Kindergarten hält sie für möglich.

Gregor Bonin sagte planerische Unterstützung für Wohnen in der Umgebung zu und eventuell auch für ein neues Leitsystem durchs Gelände. Auch bei der Immobilien-Messe "Expo Real" könne man den Seestern gemeinsam vermarkten.

Marcel Abel geht das noch nicht weit genug. Er würde sich von der Stadt ein anderes Bekenntnis wünschen: "Wenn wieder ein Mietvertrag einer Behörde ausläuft, könnte man die doch Seestern ansiedeln."

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