Seit die Mietpreisbremse gilt, ist auch der Mietspiegel von größerer Bedeutung. Doch ob er genug Aussagekraft hat, ist stark umstritten.

Seit die Mietpreisbremse gilt, ist auch der Mietspiegel von größerer Bedeutung. Doch ob er genug Aussagekraft hat, ist stark umstritten.
Laut Ring Deutscher Makler werden Neuvermietungen (hier das Neubauviertel Färberstraße) beim Mietspiegel nicht berücksichtigt.

Laut Ring Deutscher Makler werden Neuvermietungen (hier das Neubauviertel Färberstraße) beim Mietspiegel nicht berücksichtigt.

Sind sich nicht einig beim Mietspiegel: Hans-Jochem Witzke vom Mieterbund und ...

... Jörg Schnorrenberger vom Ring Deutscher Makler.

Lepke, Bild 1 von 3

Laut Ring Deutscher Makler werden Neuvermietungen (hier das Neubauviertel Färberstraße) beim Mietspiegel nicht berücksichtigt.

Düsseldorf. Seit Juli gilt in Düsseldorf die Mietpreisbremse. Wer eine bereits bestehende Wohnung neu vermietet, darf demnach maximal einen Aufschlag um bis zu zehn Prozent auf die ortsübliche Miete verlangen. Bei den zulässigen Mietpreisen orientiert sich die neue Regelung am Mietspiegel, dem dadurch größere Bedeutung zukommt. Doch bundesweit mehren sich jetzt kritische Stimmen: Der Mietspiegel sei nicht repräsentativ und aussagekräftig genug, veraltet und unwissenschaftlich, heißt es unter anderem. Gilt das auch für die Erhebung in Düsseldorf?

„Nein“, sagt Hans-Jochem Witzke. Der Vorsitzende des Düsseldorfer Mietervereins ist sich sicher: „Der Mietspiegel bildet die Durchschnittspreise in der Stadt gut ab.“ Seit 1974 werden die Daten vom Mieterverein zusammen mit dem Eigentümerverband Haus und Grund alle zwei Jahre ermittelt. Mieter können einen Erhebungsbogen ausfüllen, in dem sie neben der Angabe von Anschrift, Größe und Mietpreis unter anderem die Wohnlage beurteilen und Angaben zur Gebäudeausstattung machen sollen.

Ein qualifizierter Mietspiegel ist vielen Kommunen zu teuer

16 000 Datensätze gingen in die letzte Erhebung ein, „das ist verglichen mit anderen Städten einen hohe Zahl“, sagt Hans-Jochem Witzke, der seit kurzem auch Vorsitzender des Mieterbundes NRW ist. Jörg Schnorrenberger, Vorsitzender des Ring Deutscher Makler Düsseldorf (RDM), kritisiert die Erhebung hingegen seit Jahren. „Zum Beispiel werden nur Bestandswohnungen, aber keine Neuvermietungen berücksichtigt.“ Auch die Einteilung in einfache, mittlere und gute Lage sei zu beliebig, „da fehlen feste Kriterien“.

Ein qualifizierter Mietspiegel könne Abhilfe schaffen, sagt Schnorrenberger. Im Vergleich zum einfachen Mietspiegel, für den es keine Anforderungen an die Erstellung gibt und der wie in Düsseldorf von den jeweiligen Gemeinden erstellt wird, sind die Regelungen bei einem qualifizierten Mietspiegel strenger. Er muss nach wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt werden, die Ermittlungsmethoden müssen dokumentiert werden. „Den meisten Kommunen ist das aber zu teuer und aufwändig“, sagt Schnorrenberger.

Das zuständige Bundesministerium für Justiz plant derweil, die Regelungen für den Mietspiegel zu überarbeiten. „Dann sollen bundesweit einheitliche Kriterien gelten, wie die Werte errechnet werden. Im Herbst kommenden Jahres soll die Gesetzesänderung beschlossene Sache sein“, sagt Hans-Jochem Witzke, der Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) kürzlich in Berlin auf die Pläne angesprochen hat. „Komplizierte wissenschaftliche Verrenkungen brauchen wir dabei nicht, weil wir auch so einen guten Überblick liefern“, ist sich Witzke sicher.

Der aktuelle Mietspiegel von „Haus und Grund“ und dem Mieterverein stammt aus dem Dezember 2013. Im Vergleich zur vorherigen Erhebung waren die Mieten um 5,2 Prozent gestiegen. Die ganze Mietrichtwert-Tabelle ist in der Hauptgeschäftsstelle des Mietervereins, Oststraße 47, für drei Euro erhältlich.

Auch Jörg Schnorrenberger sieht einer bundesweiten Vereinheitlichung mit gemischten Gefühlen entgegen. „Konkretisierung ja, Pauschalisierung nein. Dafür ist Wohnen ein viel zu individuelles Thema.“ Einzige Lösung sei, den Wohnungsbau stärker zu fördern. „Doch Einschränkungen wie die Mietpreisbremse sind der falsche Weg. Die schrecken Investoren nur ab.“

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