Arbeitsbelastung und Überstunden – das Klinikpersonal schlägt Alarm.

Arbeitsbelastung und Überstunden – das Klinikpersonal schlägt Alarm.
Mitarbeiter der Uniklinik machen auf Missstände aufmerksam. Laut Verdi waren es am Dienstag rund 450 Streikende, laut Klinik bis zu 250.

Mitarbeiter der Uniklinik machen auf Missstände aufmerksam. Laut Verdi waren es am Dienstag rund 450 Streikende, laut Klinik bis zu 250.

dpa

Mitarbeiter der Uniklinik machen auf Missstände aufmerksam. Laut Verdi waren es am Dienstag rund 450 Streikende, laut Klinik bis zu 250.

Düsseldorf. Hunderten Mitarbeitern der Uniklinik in Düsseldorf reicht es. Sie fordern während eines 48-stündigen Warnstreiks bis Donnerstagmorgen bessere Arbeitsbedingungen. Laut Angaben der Klinik sind am Dienstag nur neun von 30 Operationssälen genutzt worden. Wann ausgefallene Eingriffe nachgeholt werden, sei unklar. Zudem sei es zu langen Wartezeiten in den Ambulanzen gekommen. Am Donnerstag geht es weiter: 2000 Teilnehmer werden laut Verdi zu einer Demonstration erwartet. Gleichzeitig tagen in der Landeshauptstadt die Gesundheitsminister der Länder.

Krankenschwester macht überhaupt keine Pausen mehr

Warum die Mitarbeiter des Krankenhauses seit Monaten immer wieder die Arbeit niederlegen, bringt ein Transparent auf den Punkt, das am Dienstag einige von ihnen vor der Klinik hochhalten: „Atemlos durch die Schicht, ihr gönnt uns unserer Pause nicht“, ist dort zu lesen. Auch der Originaltitel des Schlager-Hits von Helene Fischer hätte gepasst, erklärt Verdi-Gewerkschaftssekretär Jan von Hagen am Nachmittag im Kulturzentrum Zakk. Dort hatte die Gewerkschaft zu Workshops und Diskussionsrunden geladen. „Wir wollen verbindlich festlegen, wie viele Kollegen auf einen Patienten kommen“, sagt von Hagen. Der Ist-Zustand sei eine Belastung für das Personal: „In der Nachtschicht kann es vorkommen, dass auf eine Krankenschwester 18 Patienten kommen.“

Ein angemessenes Verhältnis seien fünf Patienten pro Pflegekraft. Enormer Arbeitsdruck und auch eine schlechtere Versorgung seien die Folge. „Das Familienleben wird durch Überstunden eingeschränkt. Und ich mache seit zwei Jahren keine Pause mehr“, sagt eine Krankenschwester, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Der Personalmangel sei auch für die Patienten spürbar. Vorbeugende Maßnahmen gegen Lungenentzündungen oder Wundliegen seien oft nicht mehr machbar.

Thomas Zmrzly stimmt zu. Er ist OP-Pfleger in der Chirurgie. Heißt, er assistiert den operierenden Ärzten, ist für das Material zuständig. „Die Kollegen brennen aus“, sagt er. In seinem Bereich sei die Lage noch nicht so belastend wie auf den Stationen, sie spitze sich aber zu. Aufgrund Personalmangels könne es vorkommen, dass Zmrzly zu Beginn seiner Schicht plötzlich bei einer OP in anderen Arbeitsbereichen aushelfen muss – etwa der Augenklinik. „Das macht Stress“, sagt er. Die Uniklinik hat am Dienstag darauf verwiesen, dass in den vergangenen Jahren mehr Personal in der Pflege eingestellt wurde. Auch in anderen Bereichen solle es Entlastungen geben.

Für die Mitarbeiter der Tochtergesellschaften der Uniklinik, bei denen etwa Reinigungs- oder Sicherheitskräfte angestellt sind, fordert Verdi einen Tarifvertrag. Zum Beispiel gebe es im Bereich Reinigung große Unterschiede bei der Bezahlung. Es könne sein, dass ein Mitarbeiter für die gleiche Tätigkeit bis zu 600 Euro weniger bekommt als ein Kollege, der noch direkt bei der Uniklinik angestellt ist, erklärt Gewerkschafter von Hagen. Sollte es kein positives Signal der Klinikführung geben, könne es nächste Woche zu weiteren Streiks kommen.

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