Der 2008 verstorbene OB Erwin hat viele Wunden geschlagen, die noch nicht verheilt sind.

analyse
Der frühere OB Joachim Erwin (links) und sein Nach-Nachfolger Thomas Geisel.

Der frühere OB Joachim Erwin (links) und sein Nach-Nachfolger Thomas Geisel.

Der frühere OB Joachim Erwin (links) und sein Nach-Nachfolger Thomas Geisel.

Sergej Lepke, Bild 1 von 2

Der frühere OB Joachim Erwin (links) und sein Nach-Nachfolger Thomas Geisel.

Düsseldorf. Es ist, als ob es Joachim Erwin vorhergesehen hätte: „Streitet Euch nicht um eine Straße oder eine Hausnummer für mich!“ Dies ist der letzte Satz seines politischen Testaments, das kurz nach seinem Tod 2008 veröffentlicht worden war. Doch das Gegenteil ist passiert. Stattdessen gab es bloß die Versuche, Erwins Namen zu instrumentalisieren.

1. Versuch: Ganz eilig hatte es damit der damalige CDU-Landtagsabgeordnete Olaf Lehne, der noch 2008 den Vorstoß wagte, die A44-Flughafenbrücke nach Erwin zu benennen. Kritiker warfen ihm vor, strategische Ziele zu verfolgen – denn Lehne lieferte sich zu diesem Zeitpunkt einen Zweikampf mit Thomas Jarzombek um den Bundestagswahlkreis im Düsseldorfer Norden. Und offenbar ließ er dabei seine guten Beziehungen zum damaligen NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) spielen. Doch Lehnes Vorstoß scheiterte letztlich, weil die Meerbuscher dagegen waren und sich übergangen fühlten. Und weil Wittke sein Amt überraschend an den Meerbuscher Lutz Lienenkämper verlor. Jarzombek ist übrigens heute Bundestagsabgeordneter, Lehne sitzt im Stadtrat. 1. Intermezzo: Danach gab es zwar immer wieder Überlegungen, doch vor jeder konkreten Absicht stand OB Dirk Elbers (CDU), der stets betonte, man möge – wie sonst üblich – eine Zehn-Jahres-Frist wahren, bevor man eine Straßen- oder Platz-Benennung diskutiere. Die Legende besagt indes, Elbers selbst habe als damaliger CDU-Fraktionschef so sehr unter Erwin gelitten, dass er eine Ehrung nicht unterstütze.

2. Versuch: Erneut entflammte Jonges-Baas Wolfgang Rolshoven die Debatte Ende 2012. Er schlug vor, einen Platz am Kö-Bogen nach Erwin zu benennen. Ein Vorschlag, den Elbers wie üblich zurückwies – den ein halbes Jahr später aber SPD-Kandidat Thomas Geisel aufgriff. Um einen Kontrapunkt zu setzen. Aber wohl auch, um sich selbst als Bewahrer des Erwinschen Erbes zu inszenieren. Den Versuch, Konkurrent Elbers im direkten Vergleich zur gedachten Analogie Geisel/Erwin lahm und behäbig wirken zu lassen, forcierte Geisel sogar noch: In einer Videobotschaft zum sechsten Todestag Erwins erklärte er sich selbst zum politischen Nachlassverwalter. Zu sehen ist das hier:

https://www.youtube.com/watch?v=PFa9OcfV2k0

Witwe Hille Erwin soll von dem Video nicht begeistert gewesen sein. Wobei es ihr ausdrücklich nicht um den Inhalt ging – den goutierte sie –, sondern um die Instrumentalisierung. Womöglich erklärt dies, weshalb Geisel jetzt versucht, eine Mehrheit für einen Erwin-Platz am Kö-Bogen zu bekommen. Ob er erfolgreich ist, muss indes bezweifelt werden. Zwar steht bei der CDU nach Elbers’ Abgang niemand mehr auf der Bremse. Aber die von Geisel erhoffte breite Mehrheit wird es nicht geben. Wer sich in den Reihen von Grünen, FDP und Linken umhört – und auch in Teilen der SPD – merkt schnell, dass es noch viele offene Rechnungen gibt. Zu stark hat Elbers polarisiert, zu rigide waren oft seine Methoden.

2. Intermezzo: Zwar könnte Geisel mit den Stimmen der CDU und auch einigen aus der SPD eine Mehrheit für einen Erwin-Platz zimmern. Taktisch klug gegenüber seinen Partnern wäre es wohl nicht. Man darf also getrost davon ausgehen, dass der Plan zu den Akten wandert – und ein zweites Intermezzo beginnt.

3. Versuch: Der wird wohl im Jahr 2018 folgen. Und hoffentlich nicht von strategischen oder persönlichen Interessen getrieben sein. Denn dann könnte Erwins letzter Wille auch endlich wahr werden.

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