Nürnberg, Köln, Hamburg: Woanders ist Strom der Stadtwerke günstiger zu haben.

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Strom der Düsseldorfer Stadtwerke wird in viele Orte Deutschlands geleitet – von Bremerhaven im Norden bis Augsburg im Süden.

Strom der Düsseldorfer Stadtwerke wird in viele Orte Deutschlands geleitet – von Bremerhaven im Norden bis Augsburg im Süden.

dpa

Strom der Düsseldorfer Stadtwerke wird in viele Orte Deutschlands geleitet – von Bremerhaven im Norden bis Augsburg im Süden.

Düsseldorf. Strom kann nicht nur gelb sein, wie es ein großer Anbieter stets propagiert, sondern auch langweilig. Besonders gut wissen das die Nürnberger, die diese überraschende Erkenntnis den Düsseldorfer Stadtwerken verdanken. Die haben in der Stadt an der Pegnitz vor kurzem eine große Werbe-Kampagne aufgelegt, Slogan: "Der langweiligste Strompreis der Stadt".

Grund: Die Rheinländer locken mit einer 18-monatigen Preisgarantie. Lieber langweilige Preise als steigende, mag man sich da denken. Zumal der Düsseldorfer Strom in Bayern günstig daherkommt. 808Euro zahlt eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden. Düsseldorfer Kunden kostet das 78,21Euro mehr.

Die Preise in Düsseldorf sind höher, weil es mehr Service gibt

Die Kampfpreise, die auch anderen bayrischen Städten beworben wurden, könnten hiesigen Kunden deshalb übel aufstoßen. Zumal Düsseldorfer Strom auch anderswo billiger ist. Dabei müsste er tendenziell teurer sein, weil die Stadtwerke für die Nutzung fremder Netze Geld zahlen müssen. Was also läuft da ab? Zocken die Stadtwerke hiesige Kunden ab, um woanders Billig-Preise anzubieten?

Nein, heißt es aus der Zentrale am Höherweg. Die Preise in Düsseldorf seien höher, weil es bestimmte Service-Leistungen in dieser Qualität nur hier gibt, etwa das Kundenzentrum vor Ort, den 24-Stunden-Entstörungsdienst und die Energieberatung. "Das alles können wir außerhalb Düsseldorfs so nicht anbieten", sagt Sprecher Juan Cava Marin. "Da funktioniert der Wettbewerb allein über den Preis."

Tatsächlich rangieren die Stadtwerke beim Preisvergleich in bayerischen Städten vorne. Bereinigt man die Vergleichsliste um Anbieter, die Kaution oder Vorauskasse verlangen, und rechnet einmalige Boni heraus, landen die Düsseldorfer mit an der Spitze. In Augsburg ist man zweitgünstigster Anbieter, in Nürnberg drittgünstigster. Gute Platzierungen, zumal eine 18-monatige Preisgarantie sonst kaum jemand bietet. Zum Vergleich: In Düsseldorf rangieren die Stadtwerke mit ihrem günstigsten Tarif nur auf Platz33 (Stand: Mittwoch).

Jeder vierte Stadtwerke-Kunde kommt von außerhalb

Dass sich die Stadtwerke außerhalb der Stadt engagieren, ist Folge der Liberalisierung des Strommarktes 1998. Die Düsseldorfer waren eines der ersten lokalen Unternehmen überhaupt, die auf diese Weise expandierten. Umgekehrt ist auch in Düsseldorf die Vielfalt größer: Zurzeit gibt es 85 Tarife verschiedener Anbieter, darunter auch Stadtwerke aus der ganzen Republik.

Als Kernmarkt der Stadtwerke gilt nach wie vor die Region. Wobei der NRW-Tarif "Düsselstrom Smart" (840 Euro für 4000 kw/h) etwas teurer ist als die Tarife in Bayern. Im Osten Deutschlands ist der Stadtwerke-Strom sogar teurer als in Düsseldorf (mehr als 900Euro). Mit ein Grund: Das Strompreis-Niveau liegt dort insgesamt etwas höher als im Westen.

Durch die Expansion steigt der Stromverkauf: 2002 setzten die Stadtwerke noch 6,6Millionen Megawattstunden ab, voriges Jahr waren es 14,4 Millionen. Allerdings ist nur ein kleiner Teil selbst produziert, den weitaus größeren muss das Unternehmen zukaufen.

Trotzdem bleiben die meisten Düsseldorfer "ihrem" Versorger treu. Die Zahl der Wechsler liegt unter dem Branchenschnitt. Umgekehrt wurden außerhalb der Stadt 130000 neue Kunden geworben, ihr Anteil liegt bei 25Prozent.

Doch nach welchen Kriterien entscheiden die Stadtwerke, wo sie mit Kampfpreisen in den Markt gehen? Gibt es Absprachen mit Mehrheitseigner EnBW? Offiziell wird abgewunken, aber es dürfte kein Zufall sein, dass sich die Stadtwerke im EnBW-Kernland Baden-Württemberg nicht engagieren.

Ansonsten scheinen der Expansion aber keine Grenzen gesetzt. Entschieden wird nach Marktlage. Cava Marin: "Die Frage ist, welchen Preis wir schaffen müssen, um wettbewerbsfähig zu sein."

Die Offensive in Bayern ist übrigens eher ein Nebenprodukt. Da man dort eine landwirtschaftliche Vereinigung als neuen Groß-Kunden gewonnen hatte, waren die stets aufwändigen Verhandlungen mit den örtlichen Netz-Betreibern bereits erledigt. Cava Marin: "Weil wir den Netzzugang schon hatten, haben wir dann geschaut, wo der Markt für uns interessant ist."

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