Ein Informant des ZDF erhebt schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter. In einem Fall soll sogar ein Flüchtling geschlagen worden sein.

Ein Informant des ZDF erhebt schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter. In einem Fall soll sogar ein Flüchtling geschlagen worden sein.
In dem Kinderhilfezentrum an der Eulerstraße sollen sich die Vorfälle ereignet haben.

In dem Kinderhilfezentrum an der Eulerstraße sollen sich die Vorfälle ereignet haben.

„Haben uns von der Kraft getrennt“: Johannes Horn. Archivfoto: DA

Nicole Gehring, Bild 1 von 2

In dem Kinderhilfezentrum an der Eulerstraße sollen sich die Vorfälle ereignet haben.

Düsseldorf. Nur wenige Wochen nach der mutmaßlichen Vergewaltigung eines zwölfjährigen in Obhut genommenen Mädchens durch zwei junge Flüchtlinge im Kinderhilfezentrum, gibt es neue schwerwiegende Vorwürfe, die sich diesmal gegen Mitarbeiter des Hauses an der Eulerstraße richten. Schlimmster Vorfall: Ein 16-jähriger Flüchtling soll von einem Mitarbeiter morgens mit Schlägen aus dem Schlaf geholt worden sein.

Jugendamtsleiter Johannes Horn bestätigte am Montag während einer Sondersitzung im Jugendhilfeausschuss den Vorfall. „Dies entspricht wohl der Realität“, sagte er. Bestätigt sei für die Stadt in jedem Fall, dass der Mann – eine Honorarkraft – alkoholisiert gewesen sein soll. „Wir haben uns sofort von der Kraft getrennt“, erklärte Horn.

Ans Licht gekommen sind die neuen Vorwürfe durch einen Informanten, der dem ZDF Foto- und Filmmaterial zur Verfügung gestellt hat. Am Rande der Sitzung kursierten Gerüchte, wonach es sich hierbei um einen Security-Mitarbeiter gehandelt habe. Der Fernsehbeitrag wurde noch nicht gesendet, deshalb nutzte die Stadt am Montag die Sondersitzung, um in die Offensive zu gehen. „Alle Vorwürfe sind so gravierend, dass wir ihnen auf den Grund gehen müssen und auch werden“, erklärte Stadtdirektor Burkhard Hintzsche. Polizei und Staatsanwaltschaft seien eingeschaltet worden, wenn auch Jugendamtsleiter Horn erklärte, dass ein Großteil der Vorwürfe bereits entkräftet worden sei.

In zwei weiteren Vorhaltungen geht es um so genannte Fixierungen, die an einem Mädchen vorgenommen worden sei sollen. Hierzu liegen der Stadt Video- und Fotoaufzeichnungen vor. In einem Fall soll die Minderjährige von zwei Fachkräften festgehalten worden sein, obwohl sie auf eigenen Wunsch die Einrichtung habe verlassen wollen. Laut Horn hätten die Mitarbeiter aber korrekt gehandelt, da sie von einer Selbstgefährdung des Mädchens hätten ausgehen müssen. Auch die Griffe seien korrekt ausgeführt worden. „Es ist eine klare Regelung eingehalten worden.“

Filmaufnahmen von einer erneuten Fixierung desselben Mädchens hätten ebenfalls nicht gezeigt, dass die Mitarbeiter falsch gehandelt hätten. Das Kind sei in die Psychiatrie in Grafenberg eingeliefert und nun auch dort untergebracht worden.

Gab es eine Warnung vor der mutmaßlichen Vergewaltigung?

Die Verträge mit zwei Honorarkräften wurden mit sofortiger Wirkung gelöst. In einem Fall handelt es sich um den Mitarbeiter, der alkoholisiert einen Flüchtling geschlagen haben soll, bei dem anderen Mitarbeiter auf Honorarbasis sei dies zum eigenen Schutz geschehen. Drei Fachkräfte wurden beurlaubt. Jugendamtsleiter Horn: „Wir wollen die Kollegen schützen.“

Die kommissarische Leitung des Kinderhilfezentrums wurde bis zur Ausschreibung der Stelle an Jugendamtsvize Klaus Kaselofsky übertragen.

Zwei externe Fachkräfte werden zur Beratung ins Kinderhilfezentrum geholt.

Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sollen bis Mitte März in die seit Freitag beziehbare Einrichtung von vier Wohlfahrtsverbänden an der Ludwig-Beck-Straße untergebracht werden.

Weitere Vorwürfe: Eine Mitarbeiterin soll in ein Waschbecken uriniert haben, Betreuer sollen bereits im Vorfeld von der sexuellen Bereitschaft der mutmaßlichen Vergewaltiger gewarnt worden sein und anwesenheitspflichtige Betreuer sollen nicht da gewesen sein. Ein weiterer Vorwurf betrifft die hygienischen Zustände der Nasszellen im Bereich für unbegleitete Flüchtlinge. Sie würden zu selten gereinigt, hieß es. Statt einer einmaligen Reinigung wolle die Stadt nun drei bis vier Mal am Tag dort reinigen lassen – gemeinsam mit den Jugendlichen.

Am Ende bleibt auch noch der Vorwurf, dass die Meldekette nicht richtig funktioniert habe. Zwar sei korrekterweise das Landesjugendamt informiert worden, nicht aber die direkten Vorgesetzten bei der Stadt.

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