500 Brasilianer leben in Düsseldorf. Die meisten wollen ihr Heimatland oder Deutschland im Finale sehen.

WM
In der Sprachschule IIK in Bilk feiern junge Brasilianer ihre Mannschaft bei der WM.

In der Sprachschule IIK in Bilk feiern junge Brasilianer ihre Mannschaft bei der WM.

Judith Michaelis

In der Sprachschule IIK in Bilk feiern junge Brasilianer ihre Mannschaft bei der WM.

Düsseldorf. Nach Kolumbien könnten die Brasilianer im Halbfinale am Dienstag auf Jogis Jungs treffen. Und dann werden einige Fußballfans in Düsseldorf ganz hin- und hergerissen sein, zwischen dem sympathischen Gastgeberland und der deutschen Mannschaft. Mehr als 500 Brasilianer leben nämlich in Düsseldorf – feiern aber wie am Zuckerhut, weiß Dominique Lima von der brasilianischen Bar Sucos do Brasil in der Altstadt: „Vorher war die Stimmung auf Grund der Proteste in Brasilien etwas gedämpft, zum WM-Start ist die Party aber losgegangen.“ Während der WM werden in der Bar alle Spiele übertragen – richtig voll ist es aber immer, wenn die Brasilianer kicken.

Die politische Situation in Brasilien hat einige demotiviert

In Rio de Janeiro hat Jacqueline Monteiro viele Siege der Nationalmannschaft live. Die 52-Jährige wohnt seit 30 Jahren in Düsseldorf und betreibt die Bar Boteco Carioca in Oberbilk. Sie möchte den Düsseldorfern die brasilianische Kultur näherbringen. „Wenn man so weit weg ist, bekommt man das WM-Gefühl nicht, wie es in Brasilien ist. Aber in dieser Zeit treffen wir uns und versuchen ein bisschen von der Atmosphäre auch hier zu erleben“, sagt Monteiro.

Viele Brasilianer würden jetzt die Chance nutzen, untereinander mehr in Kontakt zu treten. Bisher waren sie in Düsseldorf nicht so vernetzt wie vielleicht andere Nationen. In den Bars sind sich aber alle einig: Deutschland oder Brasilien sollen Weltmeister werden.

Viele wären zur WM gerne in Brasilien geblieben

Und doch sehen einige die Weltmeisterschaft in Brasilien aus politischen Gründen nach wie vor kritisch. In Brasilien ist ein Drittel der Bevölkerung gegen das Event. Mariana Rodarte Massa hat 2010 noch alle Spiele ihrer Nationalmannschaft angeschaut. Damals hat sie in Aachen gewohnt und immer mit Freunden gefeiert. Dieses Jahr in Düsseldorf hat sie keine Lust mitzufiebern. „Ich fand es sehr ungerecht, wie die Regierung und die Fifa das Land für die WM vorbereitet haben“, sagt sie. Sie hofft nur, dass das Ereignis weiter gut läuft und nur friedlich protestiert wird.

Ähnlich sehen das auch einige Studenten, die Auslandssemester hier machen. 40 Studierende aus Brasilien besuchen bis Ende August eine Sprachschule. Danach werden sie an verschiedenen Universitäten in Deutschland studieren – alles im Rahmen des Programms „Ciencias Sem Fronteiras“, das von der Bundesregierung finanziert wird.

In Bilk bilden sie eine kleine brasilianische Gemeinschaft im Institut für Internationale Kommunikation (IIK) und gucken die Spiele zusammen in der Schule. „Wenn ich in Brasilien wäre, hätte ich ins Stadion gehen können. Mein Vater hat Tickets für das Spiel in Itaquerao bekommen“, sagt Gustavo Setti. Wie der 22-Jährige wären auch andere Schüler gerne während der WM in Brasilien geblieben. „Es tut uns leid, dass wir nicht daheim sind, aber die Möglichkeit in Deutschland zu studieren, konnte man einfach nicht verpassen“, sagt Isabela Grossi.

Die richtige Stimmung aber haben sie mitgebracht. Auch sie wollen am liebsten Deutschland oder Brasilien im Finale sehen, im Halbfinale könnten sich die beiden am nächsten Dienstag gegenüberstehen. Und dann werden sie zusammen feiern, wie sie in ihrer Heimat feiern würden: mit Musik, Tanz und der brasilianischen Flagge.

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