Verkehrsbericht: Im vergangenen Jahr wurden so wenig Menschen verletzt wie nie zuvor – doch einige Trends bereiten der Polizei Sorgen.

Am 28. Oktober lief der 14-jährige Youssef in Rath vor eine Bahn und starb. Er beachtete die Warnsignale nicht.
Am 28. Oktober lief der 14-jährige Youssef in Rath vor eine Bahn und starb. Er beachtete die Warnsignale nicht.

Am 28. Oktober lief der 14-jährige Youssef in Rath vor eine Bahn und starb. Er beachtete die Warnsignale nicht.

Am 28. Oktober lief der 14-jährige Youssef in Rath vor eine Bahn und starb. Er beachtete die Warnsignale nicht.

Düsseldorf. Der Verkehrsbericht für das Jahr 2008 enthält eine Reihe positiver Botschaften: Noch nie seit Beginn der Erfassung in den 50ern war die Zahl der Verunglückten im Düsseldorfer Straßenverkehr so niedrig (2911 Verletzte und elf Todesopfer). Besonders stark war der Rückgang bei den Risikogruppen der Kinder und Senioren. Dennoch gibt es Entwicklungen, die Polizeipräsident Herbert Schenkelberg Sorge bereiten. Dazu zählt die steigende Rücksichtslosigkeit von Autofahrern gegenüber Fußgängern. Vor allem aber die Unfälle mit Straßenbahnen, die um fast 70 Prozent zugenommen haben.

Der schlimmste Fall: Am 28.Oktober lief der 14-jährige Youssef an der Haltestelle "Rather Broich" vor eine einfahrende Straßenbahn und starb. Der Junge hatte weder das Blinklicht noch das Klingeln der Bahn beachtet. Ein ganz ähnlicher Fall passierte am 30. Juni an der Grafenberger Allee: Eine 72-Jährige überquerte die Gleise und wurde von einer Bahn der Linie 709 erfasst. Die Frau starb. Auch sie hatte nicht auf das Warnsignal der Bahn und das Blinklicht reagiert.

"Wir wissen absolut nicht, wo die Ursachen für diesen Anstieg liegen", sagt Martin Vonstein, Leiter der Direktion Verkehr. Die 148 Unfälle mit Straßenbahnen im vergangenen Jahr (2007 waren es 88) verteilten sich über das gesamte Stadtgebiet, die Situationen seien nicht ohne Weiteres vergleichbar. Auffällig ist allein, dass nur in 24 dieser Fälle die Straßenbahn auch Verursacher des Unfalls war. Bei 27 Zusammenstößen mit Fußgängern hatte die Bahn 21-mal Schuld.

Immer häufiger machen Autofahrer Fehler beim Abbiegen und Wenden

Laut Vonstein würden derzeit Orte und Zeiten der Unfälle analysiert, um Lösungsansätze zu finden. "Aber Patentrezepte wird es da nicht geben." Dennoch begrüßt Polizeipräsident Schenkelberg die aktuelle Initiative der Rheinbahn, verstärkt Warnsignale einzusetzen und Haltestellenbereiche auf der Straße durch Schraffuren abzuheben.

Möglich wäre, dass die stark gestiegene Zahl der Straßenbahnunfälle mit einem weiteren Phänomen korrespondieren: Autofahrern unterlaufen immer häufiger Fehler beim Abbiegen und Wenden. 2007 führten diese in 1594 Fällen zu Unfällen, im vergangenen Jahr in 2016 Fällen - das ist ein Anstieg von 26,5 Prozent. So bog etwa am 25. November ein 22-Jähriger an der Corneliusstraße trotz Rotlichts ab und fuhr direkt vor eine Bahn. Am Folgetag überquerte eine 40-Jährige an der Grafenberger Allee mit ihrem Auto die Gleise, ohne auf die Bahn zu achten. Wieder kam es zum Zusammenstoß. "Solche Fälle haben wir fast wöchentlich", sagt Rheinbahnsprecher Georg Schumacher.

Diese Achtlosigkeit führt auch dazu, dass die Gefahr für Fußgänger im Straßenverkehr noch immer hoch ist. Während das Fehlverhalten von Fußgängern 2008 im Vergleich zum Durchschnitt der drei Jahre zuvor weniger oft zu Unfällen führte (-11,8 Prozent), hat das falsche Verhalten von Autofahrern zugenommen (+26,9Prozent). Die Polizei will deshalb verstärkt nicht mehr nur Tempo-, sondern auch andere Verstöße ahnden. Vonstein: "Wir wollen einen Flächendruck aufbauen - allerdings sind unsere Ressourcen begrenzt."

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