Die Polizei bemängelt sinkende Verkehrsmoral. Gerade erst wurde eine Frau von einer Rotfahrerin verletzt.

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Häufiges Bild auf Düsseldorfs Straßen: Ein Auto kreuzt noch, als eine Fußgängerin schon Grün hat.

Häufiges Bild auf Düsseldorfs Straßen: Ein Auto kreuzt noch, als eine Fußgängerin schon Grün hat.

David Young

Häufiges Bild auf Düsseldorfs Straßen: Ein Auto kreuzt noch, als eine Fußgängerin schon Grün hat.

Düsseldorf. Peter Kalenscher steht mittags an der Ampel Talstraße/Herzogstraße: Gerade springt für den 68-jährigen Fußgänger die Ampel auf Grün, da rauscht vor ihm noch ein Auto vorüber. Ein alltägliches Bild an dieser vielbefahrenen Kreuzung und an vielen anderen in der Stadt. Bei fast jeder Ampelphase gibt ein Autofahrer bei Gelb noch einmal Gas – statt anzuhalten.

Peter Kalenscher sieht darin ebenfalls ein weitverbreitetes Phänomen: „Das gibt es nach meiner Beobachtung schon lange. Man sollte mehr kontrollieren und härter be–strafen“ ist sein Vorschlag, um Autofahrer zu disziplinieren.

236 Unfälle mit Rotfahrern von Januar bis November

Dass es sich um kein Kavaliersdelikt handelt, zeigen die Unfälle, die durch Rotfahrer verursacht werden. Erst vergangene Woche wurde am Rather Broich eine 32-jährige Frau von einem Auto erfasst, als sie die Straße überqueren wollte. Sie kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Zeugen sagten aus, für die Autofahrerin habe die Ampel Rot gezeigt.

Laut Martin Vonstein, Leiter der Direktion Verkehr bei der Polizei, handelt es sich dabei um keinen Einzelfall. Offenbar verschätzen sich viele Autofahrer, wenn sie sich in sehr kurzer Zeit entscheiden, noch bei Gelb durchrutschen zu wollen. Ein Irrtum mit Folgen: Von Januar bis November 2012 wurden nach Vonsteins Angaben 236 derartige Unfälle registriert. Und die Quote der Menschen, die dabei zu Schaden kamen, ist hoch: 221 Verletzte wurden gezählt. In den Jahren 2010 und 2011 kam sogar jeweils ein Mensch zu Tode.

Mit Zahlen lässt sich das nicht belegen, Martin Vonstein glaubt, dass die Zahl derer, die Ampeln missachten, zunimmt: „Die eigenen Interessen werden den Leuten immer wichtiger, die Rücksicht nimmt dagegen ab.“

Sobald die Ampel gelb zeigt, sind Autofahrer verpflichtet anzuhalten, wenn sie ihren Wagen mit normalem Bremsen zum Halten bringen können.

Verboten ist also, bei Gelb noch Gas zu geben. Geahndet wird aber erst, wenn beim Überqueren der Ampel diese schon auf Rot gesprungen ist.

Mindestens 90 Euro werden fällig. 200 Euro muss zahlen, wer bei Rot fährt und dabei andere Verkehrsteilnehmer gefährdet oder wenn die Ampel schon länger als eine Sekunde Rot zeigt. In diesen beiden Fällen wird ein Monat Fahrverbot verhängt.

Vonstein nennt die Ahndung von Rotlichtverstößen eine wichtige Polizeiaufgabe. Allerdings ist sie mühsamer als zum Beispiel Geschwindigkeitskontrollen. Fünf feste Messstellen gibt es in der Stadt, ansonsten werden Kontrollen nach Augenschein gemacht, jeweils durch zwei Polizisten.

Im Vorjahr wurden in Düsseldorf 1919 Rotfahrer erwischt, sie erhielten eine Ordnungswidrigkeitsanzeige (siehe Info-Kasten rechts). Laut Vonstein gibt es zwei Typen: zum einen die Unachtsamen, zum andern jene, die bewusst Gas geben. Die zweite Gruppe sei deutlich in der Überzahl.

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