Düsseldorf. "Ich habe Angst", flüstert Robert N. seinem Anwalt zu. Wenige Minuten später ergeht das Urteil: Der 27-Jährige muss für drei Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht sieht es als erwiesen an, dass Robert N. seine nur wenige Wochen alte Tochter misshandelt hat, ihr vier Rippen und den Oberarm brach. N. hatte vor beim Prozessauftakt von einer Wahrnehmungsstörung berichtet: Er habe den Säugling auf dem Arm gehalten, es sei ihm schwarz vor Augen geworden. Als er wieder zur Besinnung gekommen sei, habe der Arm des Mädchens schlaff heruntergehangen, das Baby geschrien.

 
Für die die Rippenbrüche hatte der Angeklagte auch eine Erklärung: Weil das Baby unter Koliken litt, hatte die Hebamme dem Paar geraten, die Beinchen des Kindes zum Bauch zu ziehen.
 
Möglicherweise habe er dann zu fest gedrückt, sagte Robert N. Er schilderte, dass er seine Tochter in den ersten Wochen nicht akzeptiert habe. Es sei eine ungewollte Schwangerschaft gewesen und so habe er das kleine Mädchen mit Ablehnung gestraft.
 
Das Gericht glaubte nicht an eine Wahrnehmungsstörung. Robert N. sei mit der Situation, dass der Säugling wegen der Koliken ständig weinte, überfordert gewesen und habe seinem Ärger Luft machen wollen. Womöglich aus Scham habe er später die Geschichte des "Blackouts" erfunden.
 
Dass die Rippen unbeabsichtigt brachen, glaubte das Gericht ebenso wenig. "Die Knochen von Babys sind sehr flexibel. Es ist eine erhebliche Krafteinwirkung erforderlich, um sie zu brechen", führte der Vorsitzende Richter aus.
 
Eine Strafe zu verhängen, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden kann, sei nicht möglich. "Wer einem sechs Wochen alten Kind den Arm bricht, kann damit nicht rechnen", sagte der Richter. Der Mann habe sich während des Prozesses hauptsächlich mit sich beschäftigt, von seiner schlechten Kindheit und der eigenen Gewalterfahrung berichtet.
 
"Sie haben sich aber nicht die Frage gestellt, was ihrer kleinen Tochter da widerfahren ist", sagte der Vorsitzende Richter. "Es ist bestürzend, dass man in Deutschland für alles Mögliche eine Genehmigung braucht, nur für die Erziehung von Kindern nicht."

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