Helmut Bücker von „Freunde Schloss Benrath“ wirbt für den Eintrag des Rokoko-Ensembles in die Welterbeliste der Unesco.

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Schloss Benrath ist nicht nur eine schöne Idylle, sondern aus Kunsthistorikersicht auch einzigartig. (Archiv

Schloss Benrath ist nicht nur eine schöne Idylle, sondern aus Kunsthistorikersicht auch einzigartig. (Archiv

Alsleben

Schloss Benrath ist nicht nur eine schöne Idylle, sondern aus Kunsthistorikersicht auch einzigartig. (Archiv

Düsseldorf. Herr Bücker, sie setzen sich dafür ein, dass dem Benrather Schloss samt Park der Bekanntheitsgrad zukommt, der dem kunsthistorischen Wert des Ensembles entspricht. Was ist dabei ihr Part?

Helmut Bücker: Wir wollen zunächst einmal den Rat und damit die Stadt unterstützen, die 1999 im Vorfeld der Euroga 2002 beschlossen hat, Schloss Benrath als Weltkulturerbe einstufen zu lassen. Dieses Bestreben hat auch unser Verein "Freunde Schloss und Park Benrath" in seine Satzung aufgenommen. In einem speziellen Arbeitskreis, dem ich vorstehe, werden nun in engem Kontakt mit überregionalen Fachleuten aus der Kunsthistorie und der Unesco die Chancen für das Unternehmen "Weltkulturerbe" ausgelotet. Schließlich ist die Einzigartigkeit des Schlosses in Fachkreisen bekannt.

Was macht denn das Benrather Schloss so einzigartig?

Bücker: Es entspricht vollständig dem Gebäudetyp eines "Maison des Plaisance", einem in Frankreich des ausgehenden Rokoko entwickelten Lusthaustyp, bei dem Architektur und Natur nicht nur aus einer Hand gestaltet sind, sondern auch miteinander zu verschmelzen scheinen. Dieser Bautyp ist nirgendwo mehr so rein erhalten - selbst nicht im Herkunftsland Frankreich. Wohl als Folge der Tatsache, dass das Benrather Schloss nie durchgehend bewohnt wurde.

Nach Aussagen des Kulturdezernenten Hans-Georg Lohe hat das Schloss aber keine Chance, vor 2018 in die Vorschlagsliste aufgenommen zu werden. Wie beurteilen Sie dies?

Bücker: Diese Antwort ist sehr allgemein gehalten und sollte im Kulturausschuss genauer hinterfragt werden. Schließlich wurde der Antrag bereits 1999 beim zuständigen Ministerium des Landes eingereicht. Damals wurden weder an der Form noch der fachlich-wissenschaftlichen Substanz Einwände erhoben. Pech für uns: Auf der Vorschlagliste (Tentativliste) des Landes stand schon der ein Jahr früher eingereichte Antrag "Zeche Zollverein". Diese ist mittlerweile Weltkulturerbe, wir hatten zunächst das Nachsehen. Als 2005 die Unesco ihre Richtlinien über Einträge zum Weltkulturerbe änderte, wurde der Antrag umgehend vom Land an die Stadt zwecks redaktioneller Nachbesserungen und Ergänzungen zurückgegeben.

Also liegt der geänderte Antrag jetzt wieder bei der Landesregierung und könnte von dort an die Kultusministerkonferenz weitergeleitet werden?

Bücker: Das ist leider nicht der Fall, denn die Bearbeitung ist noch nicht abgeschlossen. Ein Schnellschuss hätte augenblicklich auch keinen Zweck, denn seit sieben Jahren können nur noch zwei Anträge pro Land eingereicht werden - und zwar je eines aus dem Bereich Kulturerbe und Naturerbe. Die bisherige Vorschlagsliste soll bis 2010 abgearbeitet werden. Danach werden die Karten neu gemischt und wir hoffen, dass Schloss Benrath noch einmal gemeldet werden kann.

Gibt es denn ein Management-Team, das sich intensiv des Projektes "Weltkulturerbe" annimmt und für die Erfüllung aller Bedingungen der Unesco sorgt?

Bücker: Von Fachleuten ja, nur bei der politischen Unterstützung hapert es. In unserem Team fehlen vor allem Vertreter der Stadt und des Landes. Vorsitzender des Managementteams in Schwetzingen ist zum Beispiel der baden-württembergische Finanzminister Gerhard Stratthaus, und auch der Schwetzinger Oberbürgermeister Bernd Kappenstein unterstützt das Projekt. In Bayern werden die Bestrebungen, die Schlösser Ludwigs II. als Weltkulturerbe auszuweisen, sogar vom Landtagspräsidenten Alois Glück forciert - dadurch erhalten die Bestrebungen in der Öffentlichkeit ein ganz anderes Gewicht.

Nun ist Schloss Benrath nicht wie Schwetzingen oder die bayerischen Schlösser Besitz des Landes, sondern der Stadt. Hinken deshalb nicht die Vergleiche?

Bücker: In gewisser Hinsicht schon. Qua Amt ist erst einmal der Oberbürgermeister gefragt. Es wäre schön, wenn sich OB Dirk Elbers stärker für Benrath als Weltkulturerbe einsetzen würde, als es sein Vorgänger Joachim Erwin getan hat - schließlich hat der Ratsbeschluss von 1999 immer noch Gültigkeit. Den Antrag vorantreiben kann übrigens nur die Stadt als Eigentümerin von Schloss und Park - und nicht die Stiftung, die das Gesamtkunstwerk verwaltet.

Zum Nulltarif ist das aber nicht zu haben: Es müssen Gutachten eingeholt und internationale Vergleichsstudien erstellt werden. Aus den Bordmitteln der Stiftung ist das nicht zu bezahlen. Auch der Einsatz der Bürger wird von der Unesco explizit gefordert. In Kassel entstand sogar ein Verein, der mit Veranstaltungen und im Internet für den Eintrag der Gartenanlagen Wilhelmshöhe und Karlsaue als Weltkulturerbe wirbt. Etwas Ähnliches wäre in Düsseldorf auch wünschenswert.

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