Die Polizei hat den Unfall-Lkw bei einem Spediteur in Gladbeck entdeckt. Der Fahrer (45) schweigt.

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Gundolf de Riese-Meyer zeigt die Ausrüstung des Aufnahme-Teams, mit der Spuren am Unfallort gesichert werden. Foto/Repros (2): J. Dehniger

Gundolf de Riese-Meyer zeigt die Ausrüstung des Aufnahme-Teams, mit der Spuren am Unfallort gesichert werden. Foto/Repros (2): J. Dehniger

Unfallort Münchener Straße: So markierte das Unfallaufnahme-Team alle Spuren und dokumentierte sie detailgenau.

Dies ist der Lkw aus Gladbeck. Laut Polizei konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass er an dem Unfall beteiligt war.

Dehniger, Jürgen JD, Bild 1 von 3

Gundolf de Riese-Meyer zeigt die Ausrüstung des Aufnahme-Teams, mit der Spuren am Unfallort gesichert werden. Foto/Repros (2): J. Dehniger

Düsseldorf. Als der Prokurist einer Spedition im Neusser Hafen am vergangenen Samstag die Zeitung aufschlug und über die Fahndung nach dem Unfallfahrer von der Münchener Straße las, erinnerte er sich. Er rief einen Spediteur aus Gladbeck an. Einer von dessen Fahrern war am Tag des Unfalls, dem 19. März, auf den Hof in Neuss gekommen – mit einem Renault Premium. Dem gesuchten Modell. Der Gladbecker Spediteur bestätigte: Ja, das Fahrzeug, das in Neuss war, stehe mit einem Schaden am linken Scheinwerfer in der Werkstatt. Der Prokurist rief die Polizei.

Am selben Tag, dem vergangenen Montag, fuhren die Beamten der Ermittlungskommission „Münchener Straße“ selbst nach Gladbeck. „Der Abgleich der Spuren hat zweifelsfrei bewiesen, dass dieser Lkw an dem Unfall beteiligt war“, erklärt Gundolf de Riese-Meyer, Leiter des Verkehrskommissariats 21. Am Abend standen die Polizisten dann bei dem Fahrer, einem 45-jährigen Erkrather, auf der Matte. „Er lässt sich zur Sache nicht ein.“

Staatsanwalt will dem Fahrer den Führerschein entziehen

Aber seine Tachoscheiben wurden beschlagnahmt. Wenn es sich bei dem 45-Jährigen tatsächlich um den gesuchten Fahrer handelt, kann die Polizei mit Hilfe der Scheiben sogar nachweisen, ob er am Unfallort kurz anhielt oder einfach weiterfuhr, nachdem er den 24-Jährigen überrollt hatte.

Der zuständige Staatsanwalt hat beantragt, dem Berufsfahrer den Führerschein zu entziehen. Im Fall einer Verurteilung wegen Unfallflucht drohen ihm bis zu drei Jahre Haft, bei einem Urteil wegen fahrlässiger Tötung sogar fünf Jahre.

Seit Dezember gibt es das Unfallaufnahme-Team

Der Fall Münchener Straße ist der bisher prominenteste Fahndungserfolg des neuen Unfallaufnahme-Teams, das im Dezember seine Arbeit aufgenommen hat. „Düsseldorf als große Behörde braucht ein solches Team“, sagt Martin Vonstein, Leiter der Direktion Verkehr. „Wir haben erkannt: Wir müssen bei gravierenden Unfällen die Spuren besser sichern.“

Der 24-Jährige aus Willich war am Freitagabend, 18. März, auf einem Konzert in Bilk. Nach Informationen des Express stritt er sich dort mit seiner Freundin und wollte gegen 0.30 Uhr nach Hause laufen. Dabei verirrte er sich offenbar auf die Münchener Straße.

Der junge Mann war stark alkoholisiert, wie die Obduktion ergab. Nach dem Zusammenstoß mit dem Lkw dauerte es laut Polizei weniger als eine Minute bis zum Tod.

Größtes Problem: Der Ort des Geschehens kann nicht wie der Tatort eines Mordes abgesperrt werden. „Nach der Unfallaufnahme läuft der Verkehr wieder“, sagt Gundolf de Riese-Meyer. „Dann sind die Spuren weg.“ Das neue Team wurde daher für die Spurensicherung geschult.

Die acht spezialisierten Beamten sind von 6.15 bis 21.30 Uhr in zwei Gruppen im Dienst, nachts und am Wochenende auf Bereitschaft. Drei Unfälle am Tag muss das Team abarbeiten. Im Fall Münchener Straße kamen 2800 Lkw in Deutschland infrage – den richtigen haben sie offenbar in gut einer Woche gefunden. Nur durch die Spuren am Unfallort.

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