Die WZ hat bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Stadt nachgefragt.

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Hermann Franzen steht mit 69 Jahren noch jeden Tag in seinem Geschäft.

Hermann Franzen steht mit 69 Jahren noch jeden Tag in seinem Geschäft.

Judith Michaelis

Hermann Franzen steht mit 69 Jahren noch jeden Tag in seinem Geschäft.

Düsseldorf. Im November will der Bundestag über die Rente mit 67 entscheiden. Nach dem Gesetz soll dann zwischen 2012 und 2029 das Renteneintrittsalter von bisher 65 auf 67 Jahre angehoben werden.

Alle nach 1964 Geborenen müssen dann schließlich zwei Jahre länger arbeiten. Unzumutbar oder Unvermeidbar? Die Reaktionen sind bei den Düsseldorfern unterschiedlich.

Hermann Franzen ist schon in dem Porzellangeschäft seiner Großeltern aufgewachsen. Und bis heute ist der 69-Jährige jeden Tag an der Kö. An die Rente will Franzen noch nicht denken: "Das Geschäft ist mein Leben. Es macht riesigen Spaß jeden Tag hier her zu kommen. Das hält jung."

Der Rente mit 67 sieht er gelassen entgegen. "Die höhere Lebenserwartung und die damit verbundene längere Bezugsdauer der Rente macht es notwendig, länger zu arbeiten. Trotzdem solle man differenzieren, wenn jemand eine körperlich anstrengende Arbeit hat."

Hermann Franzen und vier seiner Mitarbeiterinnen sind älter als 65

Im Traditionsunternehmen an der Kö ist Inhaber Franzen nicht der einzige, der längst hätte in Rente gehen können. Vier seiner Mitarbeiterinnen sind ebenfalls jenseits des 65. Lebensjahres. Franzen: "Das sind sehr wichtige Mitarbeiter, die ich nicht missen möchte. Wenn jemand gerne hier arbeitet, dann muss er nicht aufhören."

Nach Statistiken der Deutschen Rentenversicherung lag 2008 das durchschnittliche Renteneintrittsalter in Nordrhein Westfalen bei 63,3 Jahren, im Bundesdurchschnitt bei 63,1. Von insgesamt 7,5 Millionen aktiv Versicherten waren im gleichen Zeitraum 13961 älter als 65. Zahlen nur für Düsseldorf liegen nicht vor.

Eine bundesweite Umfrage des DGB zum Thema Renteneintrittsalter hat ergeben, dass sich rund 60 Prozent der Deutschen nicht vorstellen können, über 65 noch zu arbeiten.

Und das wollte Doris Grünthal (66) auch nicht. Sie war vor der Geburt ihrer Tochter bereits zehn Jahre bei Franzen. Mit 61 Jahren ist sie wieder zurückgekommen. "Ich habe ein bisschen Angst vor der Langeweile. Die Arbeit ist meine Bühne, sie macht Spaß und erfüllt mich. Warum sollte ich aufhören?" Vier Tage in der Woche steht sie im Laden.

Positiv beurteilen auch Malerinnung und Handwerkskammer (HWK) die Reform. Beide setzen auf die Erfahrung, die ältere Mitarbeiter mitbringen. "Uns sind die Fachkenntnisse der älteren Mitarbeiter wichtig", sagt Wolfgang Schulhoff, Präsident der HWK Düsseldorf.

Der 60-jährige Stahlbauer Werner Kriescher hingegen kann sich nicht vorstellen, noch sieben Jahre zu arbeiten: "Ich habe hier jeden Tag acht Stunden die Flex in der Hand, das ist harte körperliche Arbeit. Abends geht es mir hundeelend."

Kritik an pauschaler Renten-Regelung

Chefin Hannelore Eibler kennt das Problem. "Wir versuchen, die älteren Kollegen zu entlasten, indem wir sie im Betrieb einsetzen und nicht mehr auf Montage schicken."

Als Alternative gibt es nur die ewige Krankschreibung. "Wir müssen aber betriebswirtschaftlich denken. Dann bleibt am Ende wahrscheinlich nur die Kündigung und Hartz IV."

Für Klaus Reuter, DGB-Vorsitzender der Region Düsseldorf, ist die Idee der Rente mit 67 fast provokativ: "Die meisten schaffen es heute schon gesundheitlich nicht, bis 65 zu arbeiten. Die Regelung ist einfach eine Rentenkürzung."

Axel Buchner, Professor für Arbeitspsychologie an der Uni Düsseldorf hält eine berufsgruppenspezifische Regelung für sinnvoll: "Es ist schwierig, pauschal das Rentenalter auf 67 hochzusetzen. Körperliche und geistige Arbeit ist nicht zu vergleichen."

Gerade unter seinen Kollegen an der Uni gibt es einige im Rentenalter, wie Pharmakologie-Professor Karsten Schroer, : "Ich mache das mit Leidenschaft. Da kann ich nicht einfach meinen Mantel an den Nagel hängen."

© WhatsBroadcast

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