Der Uerige gibt zum Jubiläum einen aufwändig gestalteten und vielfältig gefüllten Festband heraus. Stark beteiligt: die WZ.

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Uerige-Baas Michael Schnitzler, WZ-Lokalchef Uwe-Jens-Ruhnau, Autor Frank Lorentz und Fotograf Bernd Schaller (v.l.) freuen sich über ihr Werk.

Uerige-Baas Michael Schnitzler, WZ-Lokalchef Uwe-Jens-Ruhnau, Autor Frank Lorentz und Fotograf Bernd Schaller (v.l.) freuen sich über ihr Werk.

Starfotograf Andreas Gursky begutachtete die Kunstwerke im Uerige.

Michaelis, Bild 1 von 2

Uerige-Baas Michael Schnitzler, WZ-Lokalchef Uwe-Jens-Ruhnau, Autor Frank Lorentz und Fotograf Bernd Schaller (v.l.) freuen sich über ihr Werk.

Düsseldorf. „Bloß kein Jedöns“, so heißt das Buch zum Uerige-Jubiläum. Und den Anspruch, nicht nur die bekannten Klischees und Anekdötchen über dieses Düsseldorfer Unikum zu liefern, den erfüllt es auch. Vor gut 15 Monaten wurde die Idee dazu vom Baas Michael Schnitzler und von Uwe-Jens Ruhnau, dem Leiter der WZ-Lokalredaktion, entwickelt. Im Resultat steckt nun noch weit mehr WZ, denn neben Ruhnau haben weitere Autoren dieser Zeitung wie Frank Lorentz (Kö-Kolumne) geschrieben, bildlich hat WZ-Fotograf Bernd Schaller die Themen elegant in Szene gesetzt.

Der großformatige, aufwändig gestaltete Band bietet in der Tat vieles, was man nicht im Jubiläumsbuch einer altehrwürdigen Hausbrauerei erwarten würde. Ob Bier gesund ist, woher die Zutaten Hopfen, Hefe, Malz kommen (geschildert in einer ebenso amüsanten wie bierwissenschaftlich fundierten Reisereportage in die Hallertau), die Getränkepalette, eine 24-Stunden-Fotoreportage vor und hinter den Kulissen und womöglich auch den Psychotest über Brauhaustypen: All das würde ein rheinischer Stammgast als „normal“ bezeichnen. Dass aber ein Geist wie Hermann Lübbe beim Interview im Stickum eine Art Philosophie des Brauhauses entwickelt (u.a. analysiert er Kachel- und Bierdeckelsprüche wie „Was Tüchtigkeit gewinnt, im Steuersack zerrinnt“), ist außergewöhnlich.

Was macht ihr hier? Eine Szene am Samstag im Breitwand-Panorama

Genau wie der erste Lokalkrimi „Die Rache des toten Pudels“, die graphische Darstellung der Laufwege von Köbes Tasso oder das Top-15-Ranking der Kunstwerke im Uerige, das Andreas Gursky, Werner Lippert und Gertrud Peters vornehmen und bei dem sie ganz urig zwei historische Ansichten Düsseldorfs von Karl Stachelscheid vor Peter Lottners Glasfenster zum Sieger küren. Nicht zu vergessen das vierseitige Panorama, das unter dem Titel „Was macht ihr hier?“ eine authentische Momentaufnahme vor dem Uerige an einem Samstag abbildet.

Vielleicht kommt manchem das Historische ein bisschen zu kurz, die spannenden Zeitläufte (Wie lief es in den Weltkriegen?) werden nur tabellarisch abgehandelt. Zum Glück erinnert sich der Ehrenbaas Josef Schnitzler ebenso persönlich wie interessant, wenn er zum Beispiel schildert, wie er fast die Leitung der (verwandten) Hausbrauerei Schumacher an der Oststraße übernommen hätte oder was passieren konnte, wenn Köbesse in den 60er-Jahren ein Alt zum exterritorialen „Mäuerken“ brachten.

Obwohl der Band sogar eine Postkarte aus echtem Bierpapier enthält, beschleicht einen am Ende das Gefühl, das man auch von Beschreibungen toller Rezepte, bedeutender Gemälde oder Symphonien kennt: Jetzt will man schmecken, sehen, hören. In echt. Und deshalb sollte man einfach mal wieder hingehen zum Uerige und mindestens zwei Glas vom „leckere Dröpke“ nehmen. Denn das erste, das geben selbst eingefleischte Fans zu, kann schon mal problematisch munden. Mehr Bitterstoffe hat halt kein Bier in Deutschland. Auch so etwas steht im Buch.

„Bloß kein Jedöns“ im Din-A4-Format hat 150 Seiten und bietet auch einen eingesteckten Reiseführer. Der Band im Schuber kostet 34,95 Euro und ist im Buchhandel oder im Uerige erhältlich. Auflage: 3000.

www.uerige.de

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