Die SPD kritisiert Mängel in der Betreuung durch den Ausbau von U3-Plätzen. Die Stadt sieht auch das Land in der Pflicht.

Der Anteil von betreuungsintensiven Kleinkindern in den Kitas wie hier in Stockum steigt.  (Archiv
Der Anteil von betreuungsintensiven Kleinkindern in den Kitas wie hier in Stockum steigt. (Archiv

Der Anteil von betreuungsintensiven Kleinkindern in den Kitas wie hier in Stockum steigt. (Archiv

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Der Anteil von betreuungsintensiven Kleinkindern in den Kitas wie hier in Stockum steigt. (Archiv

Düsseldorf. Als Walburga Benninghaus neulich im U-Bahnhof Heinrich-Heine-Allee stand, sah sie mit Staunen einen Werbefilm der Stadt München über einen Videobeamer laufen, in dem die bayrische Landeshauptstadt um Erzieherinnen warb.

Denn die SPD-Politikerin ist Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses und weiß: "Wir haben in Düsseldorf selbst einen zunehmenden Mangel an Erzieherinnen. Da frage ich mich: Was tun wir gegen solche Abwerbeversuche?"

Ihre Fraktion hat einen Personalmangel in den 107 städtischen Kindertageseinrichtungen festgestellt: "In punkto Ausbau der Plätze für unter Dreijährige ist Düsseldorf quantitativ gut, aber qualitativ wachsen die Probleme", sagt Ratsherr Andreas Rimkus. Denn die Erzieherinnen seien durch die intensive Betreuung der Kleinsten (u.a. wickeln, füttern) überlastet. Rimkus: "70 bis 100 Stellen fehlen, zudem hat sich durch die Belastung der Krankenstand auf zehn Prozent erhöht." Das sei weder den Kindern und Eltern noch den Erzieherinnen weiter zumutbar.

Stadt: Das Land muss den Personalschlüssel überdenken

Jugendamtsleiter Johannes Horn sieht die Lage längst nicht so dramatisch: "Aktuell sind 37 Stellen vakant und der Krankenstand lag 2009 bei 8,9 Prozent." Zudem gebe es in Düsseldorf Sonderregelungen bei der Personalausstattung: "So sind 95 der 107 Leiterinnen vom Dienst in der Kindergruppe freigestellt, wir haben 42 Springer, 75 Förderkräfte zusätzlich plus 16 Praktikanten im letzten Ausbildungsjahr", sagt Horn.

Dennoch: Dass der Dienst der Erzieherinnen anstrengender geworden ist und die Personaldecke spannt, leugnet auch er nicht: "Kein Wunder: Wir betreuen fast 1000 Kinder unter drei, zwei Drittel aller Kinder belegen 45-Stunden-Plätze mit Mittagessen." Hier müsse das Land gefragt werden, ob die Personalberechnung für das neue Kinderbildungsgesetz (Kibiz) angemessen sei.

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Doch die SPD sieht auch die "reiche Stadt Düsseldorf" in der Verantwortung. Benninghaus: "Wir müssen den Beruf Erzieherin aufwerten. Und wenn wir an welche aus anderen Städten oder von den Kirchen kommen wollen, müssen wir die Konditionen verbessern. Bei uns arbeiten aber immer noch rund 100 Kräfte mit befristeten Verträgen." Dass sich indes kaum noch junge Frauen in Düsseldorf bewerben, dementiert Horn: "Von März bis Dezember 2009 gab es 350 Bewerbungen von Erzieherinnen."

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